An diesem Wochenende findet in Erfurt der Bundesparteitag der AfD statt. Für mich ist das kein abstraktes politisches Ereignis irgendwo, sondern ein Anlass direkt in meiner Heimatstadt. Ein Anlass, um einmal mehr klar zu sagen: Rechtes Gedankengut und Jugendarbeit passen nicht zusammen. Nicht ein bisschen. Nicht manchmal. Sondern grundsätzlich nicht.
Jugendarbeit lebt von dem Versprechen, dass jedes Kind und jede*r Jugendliche gesehen wird. Unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion, Geschlecht, Behinderung, sexueller Orientierung, sozialem Status oder Familiengeschichte. Kinder und Jugendliche sollen erleben: Ich bin willkommen. Ich darf mitreden. Ich darf Fehler machen. Ich darf wachsen. Ich gehöre dazu.
Rechtes Denken stellt genau dieses Versprechen infrage.
Es sortiert Menschen. Es wertet ab. Es fragt nicht: Was brauchst du, um gut aufzuwachsen? Sondern: Gehörst du „dazu“ oder nicht? Es macht aus Vielfalt eine Bedrohung, aus Mitgefühl eine Schwäche und aus demokratischem Streit ein Feindbild. Damit greift es den Kern dessen an, wofür Kinder- und Jugendarbeit steht.
Jugendarbeit ist kein neutraler Raum, wenn Menschenrechte infrage gestellt werden. Sie ist offen für unterschiedliche Meinungen, für Diskussionen, für Fragen und für Lernprozesse. Aber sie ist nicht offen für Rassismus, Antisemitismus, Queerfeindlichkeit, Menschenverachtung, Nationalismus oder autoritäres Denken. Wer Kinder und Jugendliche begleitet, trägt Verantwortung dafür, dass Gruppenräume sicher, respektvoll und demokratisch bleiben.
Das bedeutet nicht, dass Kinder und Jugendliche mit schwierigen Aussagen sofort abgestempelt werden sollten. Im Gegenteil: Jugendarbeit muss Räume schaffen, in denen Unsicherheiten, Provokationen und politische Fragen pädagogisch aufgegriffen werden können. Aber sie darf dabei nicht verharmlosen. Wenn menschenfeindliche Aussagen fallen, braucht es Widerspruch. Ruhig, klar und konsequent.
Denn Kinder und Jugendliche lernen Demokratie in Gruppenstunden, auf Ferienfreizeiten, in Jugendverbänden, in Gesprächen am Lagerfeuer, bei Konflikten im Team und in Momenten, in denen Erwachsene Haltung zeigen.
Sie lernen Demokratie, wenn sie merken: Meine Stimme zählt.
Sie lernen Demokratie, wenn Minderheiten geschützt werden.
Sie lernen Demokratie, wenn niemand ausgelacht, ausgeschlossen oder bedroht wird.
Sie lernen Demokratie, wenn Regeln gemeinsam ausgehandelt werden.
Sie lernen Demokratie, wenn Erwachsene nicht schweigen, wenn andere abgewertet werden.
Gerade deshalb ist es wichtig, dass Jugendleiter*innen, Vereine, Verbände und Träger klar bleiben. Nicht parteipolitisch, sondern menschenrechtlich. Es geht nicht darum, Kinder und Jugendliche auf eine bestimmte Partei festzulegen. Es geht darum, die Grundlagen unseres Zusammenlebens zu verteidigen: Würde, Gleichwertigkeit, Freiheit, Solidarität, Mitbestimmung und Schutz vor Diskriminierung.
Wer Jugendarbeit macht, entscheidet sich jeden Tag für ein bestimmtes Bild vom Menschen. Für die Überzeugung, dass junge Menschen Unterstützung verdienen. Dass Vielfalt eine Stärke ist. Dass Gemeinschaft nicht durch Ausgrenzung entsteht, sondern durch Beziehung, Beteiligung und Verantwortung füreinander.
Darum passt rechtes Gedankengut nicht in die Jugendarbeit.
Nicht, weil Jugendarbeit „unpolitisch“ bleiben müsste – sondern weil sie zutiefst demokratisch ist.
Nicht, weil alle immer einer Meinung sein müssen – sondern weil die Würde jedes Menschen nicht zur Abstimmung steht.
Nicht, weil Kinder und Jugendliche vor Politik geschützt werden sollten – sondern weil sie ein Recht darauf haben, in einer Gesellschaft aufzuwachsen, die sie schützt, beteiligt und ernst nimmt.
Für mich ist klar: Jugendarbeit steht auf der Seite der Kinder und Jugendlichen. Auf der Seite der Demokratie. Auf der Seite der Menschenwürde.
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