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Inklusion in der Jugendarbeit: Inhaltliche Auseinandersetzung in Gruppenstunde und Ferienlager

Dieser Beitrag ist im Rahmen einer Kooperation mit der Christoffel-Blindenmission entstanden. Der Artikel wurde dabei eigenständig von mir erstellt.

Bisher habt ihr in Teil 1 und Teil 2 der Artikel-Reihe erfahren, was Inklusion bedeutet und welche Handlungsfelder für Jugendleiter*innen es gibt. Hinzu kommen Vorbereitungen, die unumgänglich sind, wie beispielsweise die Gestaltung eurer Gruppenräume und die Hilfen, die ihr in Anspruch nehmen könnt, damit euch inklusive Arbeit auch gelingen kann. Nun kommt es zum wohl wichtigsten Teil für die Kinder und Jugendlichen: das inhaltliche Programm.

Damit Inklusion umgesetzt werden kann, benötigt ihr ein entsprechendes Programm, bei dem alle dabei sein und mitmachen können. Egal, ob in einer Gruppenstunde oder während des Ferienlager-Programms, wichtig ist, dass allen Kinder und Jugendlichen die gleichen oder ähnliche Aufgaben und Herausforderungen stellen könnt und sie diese bewerkstelligen und umsetzen können. Hier sind dazu für euch einige Ideen, Impulse und Tipps.

Sensibilisieren und Bewusstsein schaffen

Um in das Thema einzusteigen, ist eine Gesprächsrunde gut geeignet. Hier ist Raum, Platz und Zeit für alle wichtigen Informationen und vor allem für die Fragen der Kinder und Jugendlichen. Ihr könnt damit beispielsweise beginnen, dass ihr Fotos von verschiedenen Themen rund um den Begriff “Inklusion” in die Runde gebt. Dazu liegt dann das Wort selbst in der Mitte, beispielsweise aus Steinen gelegt. Besprecht, was Inklusion ist und wie ihr als Gruppe inklusive Maßnahmen umsetzen könntet und welche Möglichkeiten euch dafür zur Verfügung stehen.

Ihr könnt auch darüber diskutieren, was die Gesellschaft allgemein tun kann, um Inklusion zu fördern und wie jede*r Einzelne von euch dazu etwas beitragen kann. Auch Diskriminierungsformen und -erfahrungen sollten angeschnitten werden. Wo beginnt Diskriminierung und wie kann sie gestoppt und unterbunden werden? 

Man kann beispielsweise auch davon ausgehen, dass alle Menschen Stärken und Schwächen haben. Als Einzelübung können Alle auf einem vorbereiteten Blatt ihre Stärken und Schwächen aufschreiben. In der Runde können dann einzelne notierte Stärken und Schwächen genannt und auf Moderationskarten in der Mitte geschrieben werden. Weil alle Menschen Stärken und Schwächen haben, entsteht überhaupt erst Gemeinschaft. Wir sind aufeinander angewiesen. Einige Schwächen von Menschen, werden als Behinderung bezeichnet. Eine wichtige Aufgabe ist es deutliche zu machen, dass Menschen einfach nur Stärken und Schwächen haben.

Es bietet sich auch eine kleine Andacht oder geistlicher Impuls an. Anhand eines biblischen Textes können einige theologische Gedanken entfaltet werden, die beschreiben dass Inklusion durchaus ein biblisches Anliegen ist.

Anschließen könnt ihr spielerische Programm-Elemente, bei dem die Kinder und Jugendlichen in Hinblick auf ihre Eigenschaften und Fähigkeiten spielen und Aufgaben lösen sollen. So können beispielsweise Sinnesparcours gespielt werden, bei dem ein Sinn entzogen wird oder Barrieren gemeinsam überwunden werden müssen, um so ein Verständnis und ein Bewusstsein dafür zu schaffen, was es heißt, eingeschränkt und von außen behindert zu werden.

Zeit für eine Reflexion muss sein! Am Ende einer Inklusions-Gruppenstunde ist es wichtig, das Erlebte noch einmal zu reflektieren und darüber zu sprechen, wie die Teilnehmer*innen sich gefühlt und was sie Neues dazugelernt haben. Hier soll außerdem noch mal Platz für Fragen, Anregungen und Ideen geschaffen werden. Macht euch aber bewusst, dass dieses Thema keines ist, das mit einer Gruppenstunde abgehakt ist. Bewusst sein bildet sich mit der Zeit, greift das Thema also gerne immer wieder auf, besucht Einrichtungen, trefft euch mit behinderten Menschen oder thematisiert weitere Aspekte zum Beispiel auch anhand von Bibelstellen, Zeitungsartikeln oder Dokumentationen.

Austausch fördern

Wie kann ein Austausch und ein Dialog zwischen Menschen mit und ohne Behinderung gelingen? Gestaltet euer Programm so, dass alle gleichermaßen mitmachen können. Kinder haben häufig weniger Vorbehalte als Erwachsene. Sie überlegen nicht lange, sondern machen einfach, tauschen sich aus und deswegen könnt ihr zunächst erst einmal beobachten, ob die Teilnehmer*innen von sich aus eine Kommunikation beginnen und sich so die Beziehungen und Freundschaften von alleine entwickeln.

Ist das nicht der Fall, und das lässt sich besonders bei Jugendlichen feststellen, da hier eher Unsicherheiten und Berührungsängste herrschen, könnt ihr euch ein besonderes Programm ausdenken. Neben offenen Gesprächsrunden mit Fragen an die Menschen mit und ohne Behinderung im Wechsel könnt ihr Spiele anbieten, bei denen alle Anwesenden zusammenarbeiten müssen. Das stärkt die Kommunikation und die Berührungsangst wird sichtlich schwinden. Eine erste Idee: Eine*r muss Materialien sammeln, währen der*die andere daraus eine bestimmte Figur aufbauen muss, die ihr zum Beginn einer jeden Runde vorgebt. Mit Absprache müssen sie nun schauen, wie diese Figur am besten zusammengesetzt werden kann.

In ganz Alltäglichen Situation könnt ihr die Kinder und Jugendlichen zusätzlich motivieren, sich auszutauschen. Freispielsituationen sind dabei von Vorteil, denn bei Gesellschaftsspielen, Bastelaktionen und Rollenspielen nähern sich die Teilnehmer*innen oft von alleine an und ihr könnt beobachten, welche Interessensfelder es gibt und wo die Stärken und Schwächen liegen, um darauf aufbauend ein buntes und abwechslungsreiches Programm zu gestalten.

Gemeinsame Veranstaltungen

Bei Veranstaltungen ist es genauso wichtig wie bei Gruppenstunden und Ferienlagern, dass die Teilnehmer*innen gleichermaßen behandelt werden. Es wird niemand bevormundet oder bevorzugt und das Programm sollte sich deswegen für alle Menschen sowohl mit als auch ohne Behinderung eignen.

Doch nicht nur das Programm spielt eine wichtige Rolle. Auch die räumlichen Gegebenheiten der Veranstaltungen sind wichtig. Es müssen also beispielsweise neben Treppen auch Rampen oder Fahrstühle vorhanden sein und wenn das Fest beispielsweise im Freien stattfindet, muss ein gefestigter Grund organisiert werden, damit beispielsweise Rollstühle und Gehstöcke nicht stecken bleiben.

Ein wichtiger Punkt auch: Toiletten. Nicht überall sind barrierefreie Toiletten verfügbar. Oft werden diese einfach als Abstellraum genutzt, was zu Frust bei Rollstuhlnutzer*innen führt.

Im Idealfall habt ihr vorab ausreichend Zeit, um mit der Gruppe gemeinsam die Veranstaltung zu planen. So könnt ihr die Kinder und Jugendlichen mit einbeziehen und sie können selbst äußern, was ihnen wichtig ist und auf welche Dinge es ankommt, damit die gemeinsame Veranstaltung auch gelingen kann.

Weitere Programm-Ideen

Ein abwechslungsreiches und zugleich angepasstes Programm ist der Grundstein dafür, dass Gemeinschaft zusammen erlebt werden kann und so positive Erlebnisse mit einem positiven Ansatz geschaffen werden. Dadurch bleibt den Teilnehmer*innen ein positiver Eindruck in Sachen Inklusion und das Thema rückt so mehr und mehr in der Gesellschaft in den Fokus und wird Normalität. Hier sind ein paar Ideen für Aktivitäten, mit denen ihr das in die Tat umsetzen könnt.

Sinnesparcours: Das wichtigste für den Menschen sind seine Sinne. Doch diese können auch mal wegfallen und da ist es besonders schwer, sich an diese Gegebenheit zu gewöhnen. Mit etwas Übung kann dies jedoch gelingen und ein Sinnesparcours eignet sich zum Ausprobieren besonders gut. So werden den Teilnehmer*innen bei der ersten Station beispielsweise die Augen verbunden und sie müssen einen Geruch oder Geschmack erraten. Danach bekommen die Spielenden Kopfhörer mit lauter Musik in die Ohren und ihr Gegenüber sagt ihnen ein Wort, welches sie von den Lippen ablesen und anschließend aufmalen müssen. Es gibt viele Möglichkeiten, einen Sinnesparcours zu gestalten.

Barrieren gemeinsam erleben und Lösungen finden: Für diese Aktivität baut ihr entweder selbst einen Hindernis-Parcours auf oder ihr sucht euch Plätze im Alltag, die gemeistert werden müssen. Doch dabei muss es nicht nur um körperliche Barrieren gehen. Auch in Rollenspielen könnt ihr die Barrieren der Gesellschaft thematisieren (beispielsweise die Stigmatisierung und Bevormundung) und dafür gemeinsam nach Lösungen suchen.

Sprecht an dieser Stelle gerne auch Lösungs-Möglichkeiten an, also dass sie sich gegen dieses Schubladendenken durchsetzen können und ihr Leben selbst so gestalten können, wie sie es möchten und für richtig halten.

Kaktusfeld: Bei diesem Spiel bekommt eine Person die Augen verbunden, während eine andere sie von außen sicher durch ein Kaktusfeld (natürlich nur bildlich gesprochen) führen muss. Die Kakteen bestehen hierbei aus Zeitungspapier, welches in kleinere Teile gerissen und auf dem Boden verteilt wird. Wer schafft es sicher durch das stachelige Feld, ohne in einen Kaktus zu treten?

Inklusion global

Etwa 80% aller Menschen mit Behinderung leben im globalen Süden. Manche Kinder kommen bereits mit einer Behinderung zur Welt, etwa durch mangelnde medizinische Geburtshilfe. Verschiedene Infektionskrankheiten, Verletzungen und Unfälle, die ebenfalls nicht professionell medizinisch versorgt werden können, führen zu zahlreichen weiteren Behinderungen. Doch auch in den Ländern des globalen Südens gibt es zahlreiche Ansätze und Projekte, Inklusion erfolgreich zu etablieren. Auf diese Weise wird beispielsweise Kindern mit Behinderung der Schulbesuch ermöglicht oder Erwachsene können einen Beruf ausüben und werden in ihrer Community auch mit ihrer Behinderung als vollwertiges Mitglied angesehen. Doch wie könnt ihr diese Menschen und Projekte unterstützen?

Macht auf die Situation aufmerksam, indem ihr nicht nur Bezug auf die Inklusion in Deutschland nehmt, sondern die Diskriminierung von Behinderten als ein globales Problem darstellt. Das geht beispielsweise auf Veranstaltungen eurer Gemeinde oder ihr veranstaltet eigenständig einen Spendenlauf, bei dem der Erlös den Projekten zugutekommt, die sich mit diesen Schwierigkeiten auseinandersetzt.

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Feiert Ihr in Eurer Gemeinde Martinsfest? – Dann lädt Euch die Christoffel-Blindenmission ein, die Broschüre zum Martinsfest „Ich teile mit dir“ zu nutzen. Einfach kostenlos bestellen oder runterladen. 

Dort gibt es natürlich eine Vorlage für ein Martinsspiel, etwas zum Basteln, etwas zum Backen und viele Ideen zum Teilen. Ihr erfahrt zum Beispiel, wie die CBM Menschen unterstützt, die durch die Tropenkrankheit Trachom erblinden. Mit nur einem Euro könnt ihr einen Menschen vor Erblindung schützen. Wie das geht und was Trachom genau ist erfahrt ihr alles in unserer Broschüre „Ich teile mit dir“. 

© Foto: stock.adobe/pix-foto

Vielen Dank fürs Mitmachen!

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Daniel
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Hallo, schön, dass du hier vorbeischaust. Ich bin der Kopf hinter dem Jugendleiter-Blog und bin seit über 10 Jahren in der Jugendarbeit aktiv, habe viele Jahre einen Verband geleitet und blogge hier über meine Erfahrungen aus mehr als 100 Freizeittagen und 200 Gruppenstunden. Meine besten Spiele und Ideen sind als Bücher erschienen.

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