Spielidee: Kinderrechte-Parcours

Der Kinderrechte-Parcours ist ein lebendiges, kooperatives Spiel für Kinder zwischen 8 und 14 Jahren. Es vermittelt auf anschauliche und emotionale Weise das Thema Kinderrechte. Ziel ist es, zentrale Rechte der UN-Kinderrechtskonvention durch Bewegung, Teamarbeit und Kreativität erfahrbar zu machen. Die Kinder schlüpfen dabei in die Rolle von Reisenden durch das “Land der Rechte”, das durch ein Ungleichgewicht bedroht ist. Nur wenn alle Stationen gemeinsam bewältigt und alle Rechte ins Gleichgewicht gebracht sind, kann das Land wieder in Frieden leben.

Vorbereitung und Materialien

Die Spielleitung sollte sich mit den wichtigsten Kinderrechten vertraut machen. Ideal ist das Spiel für Gruppen mit 6 bis 20 Teilnehmer*innen. Bei mehr Kindern wird das Spiel in Teams parallel durchgeführt. Das Spielgelände teilt ihr in verschiedene Stationen ein, die die zentralen Kinderrechte symbolisieren: Recht auf Schutz, Recht auf Bildung, Recht auf Freizeit und Spiel, Recht auf Beteiligung, Recht auf Gesundheit und Recht auf Gleichbehandlung. Für jede Station braucht es Platz für Bewegungs- oder Bastelaktionen. Optimal ist ein großer Raum oder ein Außengelände mit Spielinseln.

Material:
– 6 Symbolkarten oder -scheiben zu den Kinderrechten (Schutz, Bildung, Freizeit, Beteiligung, Gesundheit, Gleichbehandlung)
– großes Plakat oder Tuch als “Gleichgewichts-Rad” mit sechs Feldern
– Stofftier oder Figur
– bunte Tücher, Seile oder Hütchen zur Stationsmarkierung
– Decken, Kissen, Stühle 
– Papier, Stifte, Kleber, Scheren 
– Naturmaterialien, bunte Karten, Wäscheklammern
– Bewegungsmaterial für Parcours wie Seile, Kegel, Balancepads
– Musikgerät oder Trommel
– farbige Tücher oder Armbänder 
– kleine Geschenke oder Bastelmaterialien für Erinnerung

Ablauf des Spiels

Vor dem Start erklärt ihr die Geschichte: Das Land der Rechte ist aus dem Gleichgewicht geraten. Einige Rechte wurden vergessen, andere sind in Gefahr. Die Kinder machen sich als Botschafter*innen auf den Weg, das Gleichgewicht wiederherzustellen. An jeder Station begegnen sie einem bestimmten Recht, lösen eine Aufgabe und bringen es zurück ins Gleichgewicht.

Einstieg und Gruppenbildung

Begrüßt die Kinder mit der Geschichte des Landes der Rechte. Zeigt ihnen das große “Gleichgewichts-Rad” – es hat sechs Felder, jedes für ein wichtiges Kinderrecht. In der Mitte ist die Eule der Gerechtigkeit (ein Stofftier oder gemaltes Bild). Jedes Feld ist noch grau. Ziel des Spiels ist es, durch die Bewältigung der Stationen die Felder in Farbe zu bringen. Dafür bekommt jede Gruppe pro Station eine Farbscheibe oder Symbolkarte. Die Kinder werden in zwei bis vier Gruppen eingeteilt und erhalten jeweils einen kleinen Reisepass für das Land der Rechte. Darin wird festgehalten, welche Stationen bereits besucht wurden. Jede Gruppe startet an einer anderen Station. Im Uhrzeigersinn oder nach Absprache wird rotiert.

Station 1: Schutz – die Brücke der Geborgenheit

___STEADY_PAYWALL___

Hier erleben die Kinder, wie wichtig Schutz und Sicherheit sind. Aus Decken, Tüchern und Stühlen bauen sie gemeinsam eine schützende Brücke, unter der alle Platz finden. Dabei dürfen sie nicht sprechen – sie müssen nonverbal planen und bauen. Die Herausforderung: Die Brücke muss stabil sein, darf nicht einstürzen und muss für alle reichen. Nach dem Bau können sich die Kinder kurz darunter setzen und darüber sprechen, wann sie sich sicher gefühlt haben oder was sie brauchen, um sich geschützt zu fühlen. Die Symbolkarte “Schutz” wird vergeben.

Station 2: Bildung – der Wissensgarten

In dieser Station säen die Kinder symbolisch Bildung aus. Aus Wörtern, Begriffen oder Zeichnungen gestalten sie auf Papier kleine “Wissenspflanzen”. Diese werden an eine vorbereitete Wand oder ein Seil geheftet. Die Gruppe darf sich kreativ ausdrücken: Was wollen sie lernen? Was bedeutet Schule? Warum ist Wissen eine Kraft? Wer möchte, kann auch seine eigenen Fähigkeiten vorstellen: “Ich kann besonders gut…”. Wenn alle Pflanzen hängen, gibt es die Karte “Bildung”.

Station 3: Freizeit – das Spiel-Labyrinth

Das Recht auf Spiel und Freizeit wird hier durch eine kleine Bewegungsstation dargestellt. Die Kinder durchlaufen gemeinsam einen Parcours mit Hürden, Kriechtunneln, Balancierstrecken oder Kreiselspielen. Wichtig: Es geht nicht um Schnelligkeit, sondern darum, miteinander zu lachen, sich auszuprobieren und vielleicht neue Spielideen zu entdecken. Wenn die Gruppe die Aufgabe mit Teamgeist und Freude meistert, wird das Feld “Freizeit” farbig gemacht.

Station 4: Beteiligung – das Wünsche-Forum

In einem ruhigen Bereich gestalten die Kinder ihre Meinung sichtbar. Die Station beginnt damit, dass die Kinder gebeten werden, über Situationen in ihrem Alltag nachzudenken, in denen sie sich mehr Mitbestimmung wünschen: Vielleicht in der Schule, wo sie gerne selbst entscheiden würden, wie ein Projekttag aussieht. Vielleicht zuhause, wo sie sich mehr Zeit für Gespräche oder gemeinsame Unternehmungen wünschen. Oder in ihrer Freizeit, wo sie sich mehr Spielräume, sichere Orte oder freie Zeit zum Träumen vorstellen. Sie beschriften danach Karten und diese werden an eine “Wunschleine” gehängt oder auf einem großen Bodenplakat ausgelegt. In einer gemeinsamen Runde dürfen Kinder, die möchten, ihre Idee vorstellen. Die Spielleitung betont: Eure Stimmen sind wichtig und wer mitredet, kann etwas verändern. Danach erhalten sie die Karte “Beteiligung”.

Station 5: Gesundheit – der Energie-Kreis

Die Kinder sollen erfahren, dass ihr Körper und ihre Gefühle wichtig sind. In dieser Station machen sie eine kleine Bewegungsreise: Übungen zur Entspannung, ein freier Tanz, eine Yogaposition oder ein kleiner Massagekreis. Anschließend sprechen sie darüber, was ihnen guttut: Was macht stark? Was tut gut? Wie kann man auf sich achtgeben? In einem offenen Gespräch können die Kinder auch eigene Ideen einbringen: vielleicht über ihr Lieblingsessen, darüber, wie sie gut schlafen können oder was ihnen hilft, wenn sie traurig oder wütend sind. Bereitet ein Plakat mit dem Titel “Dinge, die mir guttun” vor, auf das die Kinder ihre Gedanken schreiben oder malen. Die Gruppe, die achtsam mit sich umgeht, erhält die Karte “Gesundheit”.

Station 6: Gleichbehandlung – der Farbenlauf

Diese Station zeigt spielerisch, dass Vielfalt dazugehört. Die Kinder ziehen blind ein Farbtüchlein und bilden dann gemischte Kleingruppen. Gemeinsam müssen sie eine Aufgabe lösen: eine Strecke zurücklegen, etwas bauen oder ein Bild aus Legosteinen legen. Wichtig ist, dass alle Farben vertreten sind und jede*r mitmachen kann. Wenn jemand ausgeschlossen wird, ist die Aufgabe nicht lösbar. Nach der Aktion sprechen die Kinder darüber, wie sich Ausgrenzung anfühlt und was es bedeutet, dazugehören zu dürfen. Die letzte Karte “Gleichbehandlung” wird gesammelt.

Gemeinsamer Abschluss

Wenn alle Stationen durchlaufen wurden, treffen sich die Gruppen wieder am großen Gleichgewichts-Rad in der Mitte des Geländes. Jede Gruppe bringt ihre sechs Symbolkarten mit – eine für jedes zentrale Kinderrecht. Gemeinsam legen sie die Karten in die vorgesehenen Felder des Rads. Nach und nach “erwachen” die Rechte: Die grauen Flächen leuchten nun in bunten Farben, das Gleichgewicht ist wiederhergestellt. Die Eule der Gerechtigkeit – ob als Stofftier, Bild oder Symbolfigur – bedankt sich bei allen Teilnehmer*innen für ihren Mut, ihre Kreativität und ihren Einsatz. Symbolisch fliegt sie über das Land der Rechte zurück in ihr Nest, mit dem guten Gefühl, dass die Kinderrechte wieder in sicheren Händen liegen. Als Erinnerung und Zeichen ihrer Teilnahme erhält jedes Kind ein kleines Geschenk: Das kann ein Anstecker mit der Aufschrift “Ich bin ein*e Rechte-Botschafter*in”, ein Aufkleber, ein kleines Armband oder eine Urkunde sein.

Beitrag speichern
gespeichert
Daniel
Daniel
Hey, ich bin der Kopf hinter dem Jugendleiter-Blog und war über zehn Jahren in der Jugendarbeit aktiv, habe viele Jahre einen Verband geleitet und blogge hier seit mehr als 15 Jahren über meine Erfahrungen aus mehr als 100 Freizeittagen und 200 Gruppenstunden. Du findest hier fertige Gruppenstunden, Spiele, Freizeit-Ideen und mehr von mir. Die besten Spiele und Ideen sind als Bücher erschienen.

Jede Woche neue Ideen und Anregungen mit dem Jugendleiter-Newsletter!

Schon über 8.200 Jugendleiter*innen erhalten meinen Newsletter – hol auch du dir regelmäßig frische Ideen für Gruppenstunde, Ferienlager und Co. in dein Postfach.

Ähnliche Artikel entdecken

Kommentare & Anmerkungen

HINTERLASSE EINEN KOMMENTAR

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein