Mit jungen Menschen verantwortungsvoll über Gewicht und Gesundheit sprechen: Was ihr beachten solltet

Kaum ein Thema ist in der Jugend so präsent und gleichzeitig so heikel wie Körper und Gewicht. Ob beim Schwimmbadausflug, am Snacktisch im Ferienlager oder zwischen zwei TikTok-Trends – Kommentare über Figuren fallen schnell. Und genauso schnell hinterlassen sie Spuren. Als Jugendleiter:innen seid ihr oft die ersten Erwachsenen außerhalb von Familie und Schule, denen junge Menschen vertrauen. Genau deshalb gehört das Thema in den pädagogischen Blick – nicht als Diät-Ratgeber, sondern als Frage von Selbstwert, Schutz und kritischer Begleitung.

Warum das Thema in die Jugendarbeit gehört – aber anders, als viele denken

Jugendliche stecken mitten in der Pubertät, ihr Körper verändert sich ständig – und ihr Selbstbild gleich mit. Laut dem Robert Koch-Institut schätzen sich 83 Prozent der 11- bis 17-Jährigen mit Übergewicht selbst als „zu dick“ ein – Körperbild und tatsächliches Gewicht klaffen oft weit auseinander. Das zeigt: Die meisten jungen Menschen wissen längst, wie sie aussehen. Was ihnen fehlt, ist kein Appell zum Abnehmen, sondern ein Umfeld, das sie nicht auf ihre Figur reduziert.

Eure Aufgabe ist deshalb nicht Gewichtsreduktion – euer Auftrag ist Stärkung. Jugendarbeit und Jugendhilfe sollen junge Menschen in ihrer Entwicklung fördern und vor Abwertung schützen. Abnehm-Appelle, selbst gut gemeinte, können Scham verstärken, das Essverhalten verschlechtern und Essstörungen begünstigen. Worte wirken hier wie Werkzeuge: Sie können aufbauen oder verletzen.

Über Gesundheit sprechen, nicht über Kilos

Der wichtigste Perspektivwechsel: Redet über Verhalten und Wohlbefinden, nicht über Körper. Statt „Du solltest abnehmen“ funktioniert „Wie wäre es, wenn wir nachher zusammen Fußball spielen?“ um Welten besser. Bewegung, gemeinsames Kochen, ausreichend Schlaf – all das könnt ihr in der Gruppenstunde positiv erlebbar machen, ohne dass sich jemand vorgeführt fühlt.

Vermeidet Kategorien wie „gutes“ und „schlechtes“ Essen oder Sprüche wie „Das muss ich mir erst verdienen“. Junge Menschen übernehmen solche Denkmuster schneller, als ihr glaubt. Und achtet auf euch selbst: Wenn ihr ständig über eure eigene „Bikinifigur“ lästert, hören die Kinder und Jugendlichen genau zu. Ihr seid Vorbilder – auch beim Reden über Körper.

Wenn ihr euch Sorgen macht

Manchmal fällt euch auf, dass jemand kaum noch isst, sich beim Essen zurückzieht oder ständig abfällig über den eigenen Körper spricht. Dann gilt: Ruhe bewahren, nicht diagnostizieren, aber das Gespräch suchen. Eine Ich-Botschaft wie „Mir ist aufgefallen, dass du in letzter Zeit oft nichts isst – wie geht es dir gerade?“ öffnet Türen, ohne Druck aufzubauen. Verlässliche Hintergrundinfos und Beratungsstellen findet ihr beim Portal der BZgA zu Essstörungen, das sich ausdrücklich auch an Fachkräfte und Begleitpersonen richtet. Ihr müsst nicht alles lösen – aber ihr könnt die Brücke zu professioneller Hilfe sein.

Diätkultur kritisch einordnen: eine pädagogische Aufgabe

Auf Social Media begegnen Jugendlichen täglich Diät-Trends, Abnehmspritzen und vermeintliche Wundermittel – oft verpackt als Selbstoptimierung. Hier ist Medienkritik gefragt: Nehmt solche Inhalte in der Gruppenstunde bewusst auseinander, statt sie totzuschweigen. Wenn dabei etwa medizinische Präparate wie Fettblocker zur Sprache kommen, könnt ihr pädagogisch einordnen: Solche Medikamente sind für Erwachsene mit ärztlicher Begleitung gedacht – für Jugendliche sind sie weder geeignet noch ein Lifestyle-Produkt. Genau diese kritische Auseinandersetzung schützt junge Menschen davor, gefährliche Abkürzungen zu suchen, die Werbung und Algorithmen ihnen so verlockend präsentieren. Wer gelernt hat, Abnehm-Versprechen zu hinterfragen, ist klar im Vorteil.

Fazit: Verantwortungsvoll über Gewicht und Gesundheit zu sprechen heißt in der Jugendarbeit vor allem: weniger über Körper reden, mehr über Wohlbefinden – und Diätkultur als das benennen, was sie ist: ein Risikofaktor für junge Menschen. Schafft eine Gruppenkultur, in der niemand wegen seiner Figur kommentiert wird, weder kritisch noch „nett gemeint“. Macht gesunde Routinen gemeinsam erlebbar, hört zu, wenn jemand kämpft, und holt euch Unterstützung, wenn es ernst wird. Denn am Ende geht es nicht um Kilos. Es geht darum, dass junge Menschen sich in eurer Gruppe sicher fühlen – genau so, wie sie sind.

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Daniel
Daniel
Hey, ich bin der Kopf hinter dem Jugendleiter-Blog und war über zehn Jahren in der Jugendarbeit aktiv, habe viele Jahre einen Verband geleitet und blogge hier seit mehr als 15 Jahren über meine Erfahrungen aus mehr als 100 Freizeittagen und 200 Gruppenstunden. Du findest hier fertige Gruppenstunden, Spiele, Freizeit-Ideen und mehr von mir. Die besten Spiele und Ideen sind als Bücher erschienen.

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