Das Smartphone klingelt – und statt Freude kommt Stress auf. Immer mehr junge Menschen möchten vor einem Telefonat lieber eine kurze Nachricht erhalten. Laut einer aktuellen Verivox-Umfrage wünschen sich 31 Prozent der unter 40-Jährigen eine Ankündigung, bevor sie privat angerufen werden. Insgesamt sind es 22 Prozent.
Der Grund: Messenger ermöglichen es, selbst zu entscheiden, wann und wie man antwortet. Spontane Anrufe verlangen dagegen eine unmittelbare Reaktion, lassen kaum Bedenkzeit und können in der Öffentlichkeit unangenehm sein. Dabei bedeutet die Vorliebe fürs Schreiben keineswegs, dass junge Menschen weniger kommunizieren möchten.
Problematisch wird es allerdings, wenn wichtige Gespräche vermieden werden. Laut einer Bitkom-Studie haben 44 Prozent der 16- bis 29-Jährigen notwendige Telefonate bereits aus Angst aufgeschoben.
Der Trend zeigt einen Wandel der Kommunikationskultur: Was früher als selbstverständlich galt, empfinden manche heute als aufdringlich. Wichtig ist die Einordnung: Die Verivox-Umfrage befragte ausschließlich Erwachsene ab 18 Jahren. Ihre Ergebnisse lassen sich deshalb nicht unmittelbar auf Kinder und jüngere Jugendliche übertragen.
Ableitungen für die Jugendarbeit
Jugendleiter*innen sollten diese veränderten Kommunikationsgewohnheiten ernst nehmen, statt sie als mangelnde soziale Kompetenz abzuwerten. Wer lieber schreibt, kommuniziert nicht automatisch schlechter. Gleichzeitig gehört es zur Selbstständigkeit, auch schwierige Gespräche führen zu können – beispielsweise einen Termin vereinbaren, Hilfe erbitten oder einen Konflikt klären.
Für Ferienlager und Gruppenstunden lohnt es sich, gemeinsame Kommunikationsregeln festzulegen: Wann genügt eine Nachricht? Wann ist ein Anruf sinnvoll? Und in welchen Situationen, etwa bei einem Notfall, sollte unmittelbar telefoniert werden?
Diskussionsfragen für deine Gruppe
Mit diesen Fragen könnt ihr gemeinsam herausfinden, welche Kommunikationsformen eure Teilnehmenden bevorzugen und welche Erfahrungen sie damit machen.
- Wie fühlst du dich, wenn dein Smartphone plötzlich klingelt? Freust du dich, bist du neugierig oder empfindest du den Anruf als störend?
- Welche Vorteile haben Nachrichten gegenüber Telefonaten – und wann ist ein direktes Gespräch vielleicht sogar besser?
- Stell dir vor, du musst bei einer unbekannten Person anrufen, um etwas Wichtiges zu klären. Was würde dir helfen, dich dabei sicherer zu fühlen?
Gruppenstunden-Baustein: Die Telefon-Challenge (15 Minuten)
Ziel: Sicherheit in ungewohnten Gesprächssituationen gewinnen und unterschiedliche Kommunikationsformen reflektieren.
Minuten 1–3: Der Kommunikations-Check
Die Jugendleitung stellt drei Situationen vor: Eine Verabredung organisieren, einen Termin im Jugendzentrum vereinbaren und eine wichtige Frage zu einer Ferienfreizeit klären. Die Teilnehmenden stimmen jeweils per Handzeichen ab: Würden sie lieber schreiben, anrufen oder persönlich vorbeigehen? Anschließend werden die unterschiedlichen Entscheidungen kurz besprochen.
Minuten 4–11: Das Telefon-Rollenspiel
In Zweierteams spielen die Jugendlichen ein Telefonat nach. Eine Person übernimmt beispielsweise die Rolle eines Mitarbeitenden im Jugendzentrum, die andere möchte sich nach einer Veranstaltung erkundigen. Nach dem ersten Durchgang werden die Rollen gewechselt.
Wer möchte, darf sich vorher drei Stichpunkte notieren. Alternativ können die Teilnehmenden zunächst eine passende Nachricht formulieren oder die Beobachtungsrolle übernehmen. Niemand muss vor der ganzen Gruppe telefonieren.
Minuten 12–15: Gemeinsam reflektieren
Zum Abschluss überlegen alle: Was war überraschend einfach? Wo entstand Unsicherheit? Welche Formulierungen haben geholfen? Gemeinsam sammelt die Gruppe drei Tipps für gelungene Telefonate, beispielsweise einen freundlichen Einstieg, eine klare Frage und die Möglichkeit, um Wiederholung zu bitten.
Die zentrale Botschaft: Es gibt nicht den einen richtigen Kommunikationsweg. Entscheidend ist, dass Jugendliche verschiedene Möglichkeiten kennenlernen und selbstbewusst entscheiden können, welche zur jeweiligen Situation passt.





