Am 11. November ziehen in vielen Orten Kinder mit leuchtenden Laternen durch die Straßen. Der Martinstag ist aber nicht nur etwas für den Laternenumzug, sondern auch ein wunderbarer Anlass für eine eigene Gruppenstunde. Die Geschichte von Martin, der seinen Mantel mit einem frierenden Bettler teilt, steckt voller Themen, die in der Jugendarbeit ohnehin eine große Rolle spielen: Teilen, Hilfsbereitschaft, Gemeinschaft und der Mut, hinzuschauen, wo andere vorbeigehen.
In diesem Artikel findest du sieben Spiele, mit denen du die Martinsgeschichte lebendig machst. Manche davon sind laut und bewegt, andere ruhig und nachdenklich, und einige funktionieren am besten draußen in der Dämmerung. Du kannst sie einzeln einsetzen oder zu einer kompletten Martins-Gruppenstunde zusammenstellen. Die meisten Spiele eignen sich für Kinder ab etwa sechs Jahren und lassen sich mit kleinen Anpassungen auch mit älteren Gruppen spielen.
Kurz zur Legende: Wer war Martin?
Martin wurde um das Jahr 316 im heutigen Ungarn geboren und war als junger Mann Soldat im römischen Heer. Der bekanntesten Legende nach begegnete er an einem eisigen Winterabend vor den Toren der Stadt Amiens einem frierenden Bettler. Weil er nichts anderes bei sich hatte, zog er sein Schwert, teilte seinen Soldatenmantel in zwei Hälften und gab eine davon dem Mann. In der folgenden Nacht soll ihm Jesus im Traum erschienen sein, bekleidet mit genau diesem Mantelstück.
Später ließ sich Martin taufen, verließ die Armee und lebte als Mönch. Als die Menschen in Tours ihn zum Bischof machen wollten, versteckte er sich der Legende nach in einem Gänsestall, weil er sich dieser Aufgabe nicht gewachsen fühlte. Die aufgeregt schnatternden Gänse verrieten ihn jedoch, und so wurde er doch Bischof. Daher stammt auch der Brauch der Martinsgans. Martin starb im Jahr 397, und sein Gedenktag ist der 11. November, der Tag seiner Beisetzung.
Es lohnt sich, die Geschichte zu Beginn der Gruppenstunde kurz zu erzählen. Mehrere der folgenden Spiele greifen genau diese Motive auf: den geteilten Mantel, die Gänse, das Licht in der Dunkelheit.
1. Mantel teilen
Dieses Kooperationsspiel greift das bekannteste Bild der Martinsgeschichte auf. Du breitest eine große Decke oder ein altes Bettlaken auf dem Boden aus. Das ist Martins Mantel. Die ganze Gruppe stellt sich darauf, und zwar so, dass niemand mit den Füßen den Boden außerhalb des Mantels berührt.
Nun erzählst du, dass Martin seinen Mantel teilt. Die Gruppe muss die Decke einmal in der Mitte falten, ohne dass dabei jemand herunterfällt oder den Boden berührt. Das klappt nur, wenn alle zusammenrücken, sich gegenseitig festhalten und gemeinsam überlegen, wie man die Decke unter den eigenen Füßen umschlagen kann. Gelingt es, wird die Decke ein weiteres Mal gefaltet, und das Ganze beginnt von vorn. Wie viele Faltungen schafft eure Gruppe?
Im Anschluss lohnt sich ein kurzes Gespräch. Wie hat es sich angefühlt, als der Platz immer knapper wurde? Wer hat geholfen, wer hat Platz gemacht? Und was hat das mit Martin zu tun, der freiwillig auf die Hälfte seines Mantels verzichtet hat?
Material:
- eine große Decke, ein Bettlaken oder eine Plane
Gruppengröße: etwa acht bis fünfzehn Personen pro Decke. Bei größeren Gruppen spielen mehrere Teams parallel.
2. Die Gänse schnattern
Dieses Suchspiel erinnert an die Legende vom Gänsestall und funktioniert ähnlich wie Topfschlagen. Ein Kind ist der Bote aus Tours, der Martin finden soll, und verlässt kurz den Raum. Währenddessen versteckt die Gruppe einen Gegenstand, der Martin darstellt, etwa eine kleine Laterne, eine Figur oder ein Stück roten Stoff als Mantel. Alle anderen sind Gänse und verteilen sich im Raum.
Kommt der Bote zurück, sucht er nach Martin. Die Gänse dürfen nicht sprechen, verraten aber durch ihr Schnattern, wie nah er dem Versteck ist. Ist er weit weg, schnattern sie ganz leise und gelangweilt. Je näher er kommt, desto lauter und aufgeregter wird das Geschnatter, bis es direkt am Versteck zu einem richtigen Gänsealarm anschwillt. Hat der Bote Martin gefunden, wird das nächste Kind zum Boten.
Das Spiel ist besonders bei jüngeren Kindern beliebt, weil alle gleichzeitig mitmachen und ordentlich Lärm machen dürfen. Mit älteren Gruppen kannst du es schwieriger machen, indem die Gänse nur mit den Armen flattern dürfen, statt zu schnattern.
Material:
- ein Gegenstand als Martin, zum Beispiel eine kleine Laterne oder ein rotes Tuch
Gruppengröße: ab etwa sechs Personen, nach oben offen.
3. Laternen-Staffel
Bei dieser Staffel geht es nicht um Tempo allein, sondern vor allem um Vorsicht. Die Gruppe teilt sich in zwei oder mehr Teams auf. Jedes Team bekommt eine Laterne mit LED-Licht und muss sie durch einen kleinen Parcours tragen, ohne dass sie herunterfällt, gegen etwas stößt oder sich der Laternenstab verbiegt.
Der Parcours kann ganz einfach sein: ein Slalom um ein paar Stühle, ein Stück auf einer Bank balancieren, unter einem gespannten Seil hindurchkriechen. Am Wendepunkt wird die Laterne an die nächste Person im Team übergeben. Fällt die Laterne herunter, muss die Person zurück an den Start. Gewonnen hat das Team, dessen Laterne als erstes heil durch alle Hände gewandert ist.
Wenn ihr mit echten Teelichtern spielen wollt, solltet ihr das nur draußen tun und einen Eimer Wasser bereithalten. Für die meisten Gruppen ist ein LED-Licht die entspanntere Wahl, denn dann musst du nicht ständig neue Kerzen anzünden. Besonders stimmungsvoll wird die Staffel, wenn ihr sie in der Dämmerung auf dem Gelände spielt.
Material:
- eine Laterne mit LED-Licht pro Team
- Stühle, Bänke, ein Seil oder andere Hindernisse für den Parcours
Gruppengröße: ab etwa acht Personen, aufgeteilt in mindestens zwei Teams.
4. Lichterjagd im Dunkeln
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Anfang November wird es früh dunkel, und genau das macht dieses Geländespiel so reizvoll. Vor der Gruppenstunde versteckst du auf eurem Gelände, im Gemeindegarten oder auf einer abgesteckten Wiese zahlreiche kleine Lichter. Gut geeignet sind Knicklichter, LED-Teelichter oder kleine Taschenlampen. Zu jedem Licht legst du einen Zettel mit einem Buchstaben.
Die Kinder ziehen in kleinen Teams mit ihren Laternen los und suchen die versteckten Lichter. Jedes Team sammelt die Buchstaben ein und muss am Ende daraus ein Lösungswort bilden, zum Beispiel TEILEN, LICHT oder MANTEL. Wer zuerst das richtige Wort nennt, gewinnt. Du kannst auch für jedes Team eine eigene Farbe an Knicklichtern verstecken, dann sucht jedes Team nur seine eigenen Lichter und es gibt kein Gedränge.
Wichtig ist, dass du das Spielfeld vorher klar begrenzt und mit allen besprichst, wo die Grenzen liegen. Pro Team sollte mindestens eine Taschenlampe dabei sein, und die Teams bleiben immer zusammen. Ein vereinbartes Signal, etwa ein Pfiff, holt alle wieder zurück zum Treffpunkt.
Material:
- Knicklichter, LED-Teelichter oder kleine Taschenlampen zum Verstecken
- Zettel mit Buchstaben für das Lösungswort
- Laternen oder Taschenlampen für die Teams
- eine Pfeife für das Rückrufsignal
Gruppengröße: ab etwa sechs Personen in Teams zu drei bis fünf.
5. Die geteilten Mäntel
Dieses ruhige Spiel eignet sich besonders für ältere Kinder und Jugendliche und lädt anschließend zum Nachdenken ein. Du schneidest aus festem Papier mehrere gleich große Mäntel aus, für jede Kleingruppe einen. Jeden Mantel zerschneidest du in fünf oder sechs unregelmäßige Puzzleteile. Dann mischst du alle Teile und verteilst sie so auf die Gruppen, dass keine Gruppe ihren eigenen Mantel vollständig zusammensetzen kann.
Jede Gruppe hat die Aufgabe, einen vollständigen Mantel zu legen. Dabei gelten strenge Regeln: Niemand darf sprechen, niemand darf auf ein fehlendes Teil zeigen oder sich ein Teil von einer anderen Gruppe nehmen. Erlaubt ist nur eins: eigene Teile verschenken. Wer ein Teil hat, das bei sich nicht passt, kann es einer anderen Gruppe hinlegen. Das Spiel endet, wenn alle Gruppen ihren Mantel fertig haben.
Schnell merken die Teilnehmenden, dass sie nur weiterkommen, wenn sie aufmerksam beobachten, was anderen fehlt, und bereit sind, etwas herzugeben. Genau darum geht es auch in der Martinsgeschichte. In der Auswertung kannst du fragen: Fiel es euch schwer, ein Teil abzugeben? Wann habt ihr bemerkt, dass eine andere Gruppe etwas braucht? Und wo erleben wir im Alltag, dass Teilen allen hilft?
Material:
- Tonpapier oder Pappe in mehreren Farben
- Schere und Stift für die Vorbereitung
Gruppengröße: ab etwa neun Personen in drei oder mehr Kleingruppen.
6. Schattenbilder
Licht und Dunkelheit gehören zum Martinstag einfach dazu, und mit diesem Spiel macht ihr daraus kleines Theater. Du spannst ein weißes Bettlaken quer durch den Raum und stellst dahinter eine helle Lampe oder einen Strahler auf. Der Raum wird abgedunkelt, die Zuschauer*innen sitzen vor dem Laken.
Abwechselnd gehen einzelne Kinder oder kleine Gruppen hinter das Laken und stellen mit ihrem Körper, ihren Händen oder mitgebrachten Gegenständen etwas dar, das zur Martinsgeschichte passt. Das kann ein Pferd sein, eine Gans, ein frierender Bettler, ein Schwert, eine Laterne oder ein Bischofsstab. Das Publikum rät, was zu sehen ist. Wer richtig rät, darf als Nächstes hinter das Laken.
Mit älteren Gruppen könnt ihr noch einen Schritt weitergehen und die ganze Martinsgeschichte als Schattentheater nachspielen. Dafür teilt ihr die Geschichte in einige Szenen auf und jede Kleingruppe übernimmt eine davon. Eine Person liest die Erzählung vor, während die anderen dazu die Szenen hinter dem Laken spielen. So entsteht im Handumdrehen ein kleiner Programmpunkt, den ihr sogar beim Martinsfest eurer Gemeinde oder eures Verbands zeigen könnt.
Material:
- ein weißes Bettlaken und eine Schnur zum Aufhängen
- eine helle Lampe, ein Baustrahler oder ein Beamer als Lichtquelle
- nach Wunsch Requisiten wie ein Stock als Schwert oder ein Stück Stoff als Mantel
Gruppengröße: ab etwa sechs Personen.
7. Das Martins-Ecken-Quiz
Zum Abschluss bringt dieses Bewegungsquiz noch einmal Schwung in die Gruppe und zeigt dir gleichzeitig, was von der Geschichte hängen geblieben ist. Du hängst in drei Ecken des Raums jeweils ein großes Schild mit A, B und C auf. Dann liest du eine Frage mit drei Antwortmöglichkeiten vor, und alle laufen in die Ecke, die sie für richtig halten. Wer richtig liegt, bekommt einen Punkt, oder ihr spielt ganz ohne Punkte, einfach aus Freude am Raten.
Hier ein paar Fragen zum Start:
- Welchen Beruf hatte Martin als junger Mann? A: Bäcker, B: Soldat, C: Schmied. Richtig ist B.
- Womit teilte Martin seinen Mantel? A: mit einer Schere, B: mit einem Messer, C: mit seinem Schwert. Richtig ist C.
- Welche Tiere verrieten Martin in seinem Versteck? A: Hühner, B: Gänse, C: Schafe. Richtig ist B.
- In welcher Stadt wurde Martin Bischof? A: Tours, B: Trier, C: Rom. Richtig ist A.
- An welchem Tag feiern wir Sankt Martin? A: am 1. November, B: am 11. November, C: am 24. Dezember. Richtig ist B.
- Wie viel von seinem Mantel gab Martin dem Bettler? A: den ganzen Mantel, B: die Hälfte, C: einen Ärmel. Richtig ist B.
Besonders schön wird das Quiz, wenn du zwischendurch auch Fragen ohne richtige Antwort einstreust, etwa: Was würdest du am ehesten teilen? A: dein Pausenbrot, B: deine Zeit, C: dein Lieblingsspielzeug. So kommt ihr ganz nebenbei ins Gespräch darüber, was Teilen heute bedeuten kann.
Material:
- drei Schilder mit den Buchstaben A, B und C
- vorbereitete Quizfragen
Gruppengröße: beliebig.
So wird daraus eine ganze Martins-Gruppenstunde
Wenn du mehrere Spiele kombinieren möchtest, beginnst du am besten mit der Erzählung der Legende und einem lebhaften Einstieg wie den schnatternden Gänsen. Danach passt ein Kooperationsspiel wie Mantel teilen oder die geteilten Mäntel, bei dem die Gruppe zur Ruhe kommt und ins Nachdenken gerät. Sobald es draußen dämmert, zieht ihr mit Laternen zur Lichterjagd oder zur Laternen-Staffel los. Das Ecken-Quiz eignet sich als fröhlicher Abschluss, bei dem noch einmal alle in Bewegung kommen.
Zum Martinstag gehört außerdem etwas zum Teilen. Wie wäre es, wenn ihr am Ende gemeinsam einen Weckmann, einen Stutenkerl oder einfach ein großes Brot teilt? Das schafft einen ruhigen, gemeinsamen Moment und bringt die Botschaft der Geschichte noch einmal auf den Punkt. Wer mag, kann mit der Gruppe auch überlegen, wo ihr ganz konkret etwas teilen könnt, zum Beispiel durch eine kleine Sammelaktion für die örtliche Tafel oder einen Besuch im Seniorenheim mit euren Laternen.






