Wald-Fantasiereise (+Naturaktion)

Manchmal braucht es gar nicht viel, um Kinder und Jugendliche tief in ein Erlebnis hineinzuholen – nur einen ruhigen Ort unter Bäumen, ein paar Minuten Stille und eine Stimme, die sie auf eine Reise mitnimmt. Genau das verbindet diese Doppel-Aktion: Erst schickt ihr eure Gruppe mit einer Fantasiereise in einen inneren Wald, dann holt ihr das Erlebte mit einer Naturaktion zurück in die echte Welt – mitten hinein in den Wald, der euch umgibt.

Das Schöne daran: Ihr braucht weder viel Material noch große Vorbereitung, und die Aktion funktioniert mit jüngeren Kindern genauso wie mit Jugendlichen. Sie verbindet Ruhe und Bewegung, Innen und Außen, Vorstellung und Anpacken – und nebenbei wächst ein achtsamer, wertschätzender Blick auf die Natur. Wer den Wald öfter als Erlebnisraum nutzen möchte, findet in meiner Themenwelt Wald noch viele weitere Ideen.

Vorbereitung und Setting

Sucht euch im Vorfeld einen Platz, an dem eure Gruppe gut zur Ruhe kommen kann: eine Lichtung, eine Stelle mit weichem Moos- oder Laubboden, ein ruhiges Eck abseits der Hauptwege. Prüft den Ort kurz auf das Wesentliche – Wege, Wetter, Zecken – und packt ein kleines Erste-Hilfe-Set ein. Ein paar grundsätzliche Hinweise dazu findet ihr in meinen Tipps für einen Waldspaziergang mit Kindern.

Damit die Fantasiereise wirken kann, lohnt sich ein bisschen Ankommens-Zeit. Lasst alle eine bequeme Position finden – im Sitzen mit dem Rücken an einem Baum oder liegend auf einer Matte. Bittet die Gruppe, die Augen zu schließen oder den Blick weich werden zu lassen, und ein paar Mal tief ein- und auszuatmen. Wichtig: Niemand muss die Augen schließen. Manchen Kindern und auch Jugendlichen ist das unangenehm – ein offener, gesenkter Blick auf den Boden ist völlig in Ordnung. So nehmt ihr von Anfang an alle mit.

💡 Tipp – Stimme und Tempo: Lest die Reise langsam vor, mit Pausen an den Punkten, wo „…“ steht. Eure Stimme darf ruhig und leise sein. Lieber zu langsam als zu schnell – die Bilder brauchen Zeit, um in den Köpfen zu entstehen.

Teil 1: Die Fantasiereise

Atme noch einmal tief ein … und langsam wieder aus. Spüre den Boden unter dir. Er trägt dich. Du musst nichts halten, nichts tun – du darfst dich ganz fallen lassen …

Stell dir vor, du stehst am Rand eines Waldes. Vor dir öffnet sich ein schmaler Pfad zwischen den Bäumen. Die Luft riecht nach feuchter Erde und Holz. Du atmest diesen Duft ein und gehst die ersten Schritte hinein …

Mit jedem Schritt wird es ruhiger um dich herum. Über dir wölben sich die Baumkronen wie ein grünes Dach. Hier und da fällt ein Sonnenstrahl hindurch und malt warme Flecken auf den Boden. Du gehst durch einen dieser Lichtflecken und spürst die Wärme für einen Moment auf deiner Haut …

Du hörst, wie der Wind sanft durch die Blätter streicht. Irgendwo singt ein Vogel. Vielleicht knackt ein Ast unter deinen Füßen. Bleib einen Augenblick stehen und lausche einfach nur … Was kannst du hören? …

Du gehst weiter und kommst zu einem großen, alten Baum. Sein Stamm ist breit und rau. Du legst eine Hand auf die Rinde und spürst, wie fest und ruhig dieser Baum dasteht. Er steht hier schon sehr, sehr lange. Er hat viele Sommer und Winter erlebt. Stell dir vor, ein wenig von dieser Ruhe geht auf dich über …

Am Fuß des Baumes entdeckst du ein weiches Moospolster. Du setzt dich hin. Mit den Fingern tastest du über den Boden und findest kleine Schätze: ein glattes Blatt, eine raue Rinde, vielleicht einen kühlen Stein. Nimm dir Zeit, sie zu erfühlen …

Ein kleines Tier huscht vorbei – ein Eichhörnchen vielleicht, oder ein Vogel, der landet. Es hat keine Angst vor dir. Du gehörst für diesen Moment einfach dazu, bist ein Teil dieses Waldes …

Du schaust nach oben, hinauf in die Baumwipfel. Sie wiegen sich langsam im Wind. Alles ist ruhig. Alles ist gut, so wie es ist. Du fühlst dich frei und leicht …

Präg dir dieses Gefühl gut ein. Du kannst jederzeit hierher zurückkommen, wann immer du es brauchst …

Jetzt wird es langsam Zeit, zurückzukommen. Spür wieder den Boden unter dir. Beweg vorsichtig deine Finger und deine Zehen … reck und streck dich, wenn du magst … und wenn du bereit bist, öffne langsam die Augen. Willkommen zurück.

💡 Tipp – Alter anpassen: Für jüngere Kinder dürfen die Bilder bunter und lebendiger sein (Tiere, die sprechen, ein freundlicher Waldbewohner). Für Jugendliche wirkt die Reise oft stärker, wenn ihr den Fokus auf das Spüren und Loslassen legt und am Ende einen kleinen inneren Impuls einbaut – etwa: „Was möchtest du im Wald zurücklassen?“ Wer mehr Vorlagen sucht, wird bei meinen Fantasiereisen und speziell bei den Traumreisen zur Kraft der Natur fündig.

Teil 2: Die Naturaktion – ein Wald-Mandala aus Fundstücken

Nach der Reise nach innen geht es jetzt nach außen: Die Gruppe legt aus Naturmaterialien gemeinsam ein großes Wald-Mandala. Diese Aktion knüpft direkt an das Erlebte an – das, was eure Teilnehmenden in der Fantasiereise mit den Fingern ertastet haben, dürfen sie jetzt wirklich suchen, sammeln und gestalten.

So geht’s:

  1. Sammeln (ca. 10–15 Min.): Alle schwärmen aus und suchen im näheren Umkreis nach Schätzen, die der Boden hergibt – Blätter, Zapfen, Steine, Rindenstücke, kleine Äste, Federn, Bucheckern. Wichtige Regel, die ihr vorher klärt: Wir sammeln nur, was bereits am Boden liegt. Nichts wird abgerissen, keine Pflanze ausgerissen, kein Tier gestört.
  2. Mitte festlegen: Sucht gemeinsam einen freien Platz auf dem Boden und legt ein erstes Fundstück in die Mitte – das ist der Ausgangspunkt.
  3. Gestalten (ca. 25–30 Min.): Von der Mitte aus legt die Gruppe Ring für Ring nach außen. Mal sortiert ihr nach Farben, mal nach Formen, mal nach Material. Es gibt kein Richtig oder Falsch – das Mandala entsteht gemeinsam und wächst, solange ihr Lust habt.
  4. Betrachten: Wenn das Werk fertig ist, geht einmal langsam darum herum und schaut es euch von allen Seiten an. Vielleicht macht ihr ein Foto.

Diese Form von Naturkunst nennt man auch Land-Art. Wenn ihr daran Gefallen findet, schaut euch unbedingt meinen Beitrag zu Land-Art im Wald an – dort findet ihr weitere Gestaltungsideen. Und wer den Wald noch spielerischer erleben möchte, kann die Aktion mit ein paar Waldspielen ergänzen.

🌱 Nachhaltigkeit: Das Wald-Mandala ist eine zutiefst nachhaltige Aktion: Es entsteht ganz ohne gekauftes Material, hinterlässt keinen Müll und vergeht von selbst wieder. Lasst das Mandala am Ende bewusst liegen – Wind, Regen und Tiere „räumen“ es auf. Genau das könnt ihr thematisieren: Schönes muss nicht für immer bleiben, um wertvoll zu sein. Mehr Anregungen dazu gibt es in meiner Themenwelt Nachhaltigkeit.

Gesprächsrunde: Den Bogen schließen

Setzt euch zum Abschluss noch einmal in einen Kreis – gerne rund um euer Mandala. Jetzt verbindet ihr beide Teile miteinander und gebt jeder Stimme Raum. Ein paar Impulsfragen:

  • Wie war es für euch, die Augen zu schließen und im Kopf durch den Wald zu gehen?
  • Gab es in der Fantasiereise einen Moment oder ein Bild, das euch besonders im Gedächtnis geblieben ist?
  • Was war euer schönstes Fundstück beim Sammeln – und warum?
  • Wie fühlt es sich an, dass unser Mandala hierbleibt und langsam wieder verschwindet?

🗳 Tipp zur Mitbestimmung: Lasst die Gruppe selbst entscheiden, wie die Runde abläuft – ob alle reihum sprechen, ob ihr einen „Sprechstein“ aus den gesammelten Fundstücken weitergebt oder ob nur erzählt, wer mag. Wer mitentscheiden darf, ist mit mehr Herzblut dabei. Weitere Methoden für solche Abschlüsse findet ihr in meiner Sammlung an Reflexionsmethoden, Anregungen zur Beteiligung in meinem Ratgeber zur Partizipation in der Jugendarbeit.

Materialliste

  • Isomatten, Picknickdecken oder Sitzunterlagen (für die Fantasiereise)
  • die ausgedruckte oder ausgewählte Reise-Vorlage
  • optional: ein Tablett oder ein großes Tuch für die Mandala-Variante
  • ein kleines Erste-Hilfe-Set
  • wettergerechte Kleidung – ein Hinweis dazu darf gerne schon in der Einladung stehen
  • Naturmaterialien? Die liefert der Wald 🌳

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Daniel
Daniel
Hey, ich bin der Kopf hinter dem Jugendleiter-Blog und war über zehn Jahren in der Jugendarbeit aktiv, habe viele Jahre einen Verband geleitet und blogge hier seit mehr als 15 Jahren über meine Erfahrungen aus mehr als 100 Freizeittagen und 200 Gruppenstunden. Du findest hier fertige Gruppenstunden, Spiele, Freizeit-Ideen und mehr von mir. Die besten Spiele und Ideen sind als Bücher erschienen.

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