10 Spiele und Methoden für Jugendliche: Rollenbilder und Selbstbilder reflektieren

Wer bin ich – und wer soll ich sein? In der Pubertät geraten Selbstbilder ins Wanken. Jugendliche nehmen sich zunehmend bewusst wahr und vergleichen sich mit anderen, mit gesellschaftlichen Erwartungen und medialen Idealen. Dabei entstehen Unsicherheiten: Bin ich genug? Muss ich so sein wie andere? Welche Rolle passt zu mir – welche engt mich ein?

In diesem Kapitel stehen Methoden im Fokus, die Jugendliche dabei unterstützen, über eigene Rollenbilder nachzudenken, Zuschreibungen zu hinterfragen und sich neue Sichtweisen zu erlauben. Die Übungen regen dazu an, sich spielerisch mit dem eigenen Ich in unterschiedlichen Kontexten auseinanderzusetzen – zwischen Familie, Freundeskreis, Schule, Social Media und dem, was von außen auf sie projiziert wird. Ziel ist es, Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, sich in ihren vielen Facetten zu erleben – nicht um ein „richtiges“ Bild zu finden, sondern um sich in Vielfalt zu erkennen.

Diese Spielideen für Jugendliche sind schnell erklärt, leicht umzusetzen und ideal für Gruppenstunden, Freizeiten und Zeltlager.

1. Maskenbau

Die Jugendlichen gestalten Masken – eine „Außenmaske“, die zeigt, wie sie von anderen wahrgenommen werden, und eine „Innenmaske“, die zeigt, wie sie sich selbst sehen. Diese zwei Seiten können auf Vorder- und Rückseite einer Maske gestaltet oder als zwei getrennte Masken erstellt werden. Farben, Symbole, Wörter oder Bilder helfen dabei, die innere und äußere Welt sichtbar zu machen. Im anschließenden Austausch (in kleinen Gruppen oder im Plenum) geht es um die Unterschiede: Welche Masken tragen wir im Alltag? Wann ist es hilfreich, wann anstrengend? Die kreative Arbeit macht komplexe Selbstbilder sichtbar – ohne zu werten.

Material: Tonpapier oder Pappe, Gummibänder, Scheren, Kleber, Stifte, Zeitschriften zum Ausschneiden, ggf. Maskenvorlagen

2. Rollenkarussell

Diese Methode hilft Jugendlichen, ihre verschiedenen Rollen im Alltag zu erkennen. Auf einem großen Plakat oder in einer Mindmap notieren sie: „Ich als …“ – z. B. „Ich als Freund*in“, „Ich als Schüler*in“, „Ich als Kind“, „Ich als Gamer*in“, „Ich als Träumer*in“. In kleinen Gruppen oder im Plenum reflektieren sie: Welche Rollen sind mir wichtig? Welche nehme ich gern ein – welche weniger? Das „Karussell“ lässt sich auch als Bewegungsspiel umsetzen, bei dem die Jugendlichen auf Karten mit Rollenbegriffen herumlaufen und zu Aussagen Stellung nehmen. Die Methode macht deutlich, dass Identität nicht fest ist, sondern aus vielen Facetten besteht.

Material: Rollenkarten oder Papier für Plakate, Stifte, ggf. Moderationskarten

3. Ich im Film

In dieser Übung setzen sich Jugendliche kreativ mit ihrem Selbstbild auseinander, indem sie eine Szene aus ihrem Leben wie einen Filmausschnitt inszenieren. Die Szene kann real sein oder symbolisch – z. B. ein Moment, in dem sie sich besonders stark, unsicher oder „sie selbst“ gefühlt haben. In Kleingruppen überlegen sie Titel, Hauptrolle, Stimmung und Soundtrack. Wer möchte, spielt die Szene vor oder stellt sie in einem Bild dar. In der Auswertung geht es um die Frage: Wie sehe ich mich – und was davon möchte ich zeigen? So entsteht Raum für Selbstinszenierung jenseits von Social Media.

Material: Papier, Stifte, Requisiten (optional), Musikgeräte (für Soundtrack-Vorschläge)

4. Schubladenspiel

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Klischees und Vorurteile begegnen Jugendlichen täglich – über Geschlecht, Herkunft, Aussehen oder Hobbys. Beim Schubladenspiel erhalten die Teilnehmenden Kärtchen mit typischen Aussagen wie „Mädchen sind …“, „Wer gute Noten hat, ist …“, „Sportliche sind …“. Diese werden in der Gruppe diskutiert: Woher kommt diese Aussage? Stimmt sie? Wer fühlt sich davon angesprochen oder ausgeschlossen? Danach schreiben die Jugendlichen eigene Sätze auf – „Ich bin …, aber trotzdem …“. Ziel ist es, sich aus Schubladen zu befreien und ein differenzierteres Selbstbild zu entwickeln.

Material: Schubladen-Satzkarten, Blankokarten, Stifte

5. Wunschrolle

Hier träumen die Jugendlichen: Welche Rolle würde ich gern einmal einnehmen? Das kann realistisch sein oder völlig frei gewählt – „Ich als Musikerin“, „Ich als Weltreisender“, „Ich als stille*r Beobachter*in“. Die Rolle wird auf einem Blatt beschrieben oder als Collage dargestellt: Welche Eigenschaften hat diese Figur? Was tut sie? Was denkt sie? In der Reflexion wird gefragt: Was reizt mich an dieser Rolle? Was davon steckt vielleicht schon in mir? Die Methode ermöglicht Perspektivwechsel und positive Selbstzuschreibungen.

Material: Papier, Zeitschriften, Scheren, Kleber, Stifte

6. Fremdbild-Skulptur

In dieser Übung stellt eine kleine Gruppe eine Skulptur – also ein Standbild – dar, das eine*n Jugendliche*n symbolisch beschreibt. Die Person darf vorher den Raum verlassen oder beobachtet, wie andere sich zu ihr formieren. Danach beschreibt die Skulptur, was sie ausdrücken will, z. B. „Du bist zuverlässig“, „Du hältst alles zusammen“. Die beschriebene Person darf anschließend Rückmeldung geben: Stimmt das? Was fühlt sich passend an, was nicht? Diese Übung lebt vom Vertrauen in der Gruppe – sie sollte nur angewendet werden, wenn bereits eine gute Atmosphäre herrscht.

Material: Kein spezielles Material nötig, evtl. Notizzettel für Feedback

7. Wer bin ich heute?

Identität ist nicht statisch. In dieser Übung schreiben die Jugendlichen Karten mit Rollen oder Eigenschaften auf, die heute für sie besonders präsent sind – z. B. „Müder Schüler“, „Beste Freundin“, „Träumer*in“, „Genervte Tochter“. Die Karten werden auf dem Boden oder an einer Wand gesammelt. Im Anschluss tauschen sich die Jugendlichen aus: Welche Rollen sind heute wichtig? Was wechselt häufig? Die Methode fördert Alltagsreflexion und macht die Vielfalt des Ich erlebbar – im Hier und Jetzt.

Material: Blankokarten, Stifte, Klebeband oder Magnetwand

8. Kleidung macht Leute

Hier geht es um das äußere Erscheinungsbild und die Frage: Was drückt Kleidung über mich aus? Jugendliche bringen Kleidungsstücke oder Accessoires mit oder beschreiben ihre Lieblingsoutfits. In Kleingruppen tauschen sie sich aus: Warum trage ich das gern? Was sagt es über mich? Was möchte ich damit zeigen – oder verbergen? Die Methode kann erweitert werden durch eine Modenschau mit Kommentaren, durch Outfit-Collagen oder Diskussionen zu Schönheitsidealen. Ziel ist eine kritische Auseinandersetzung mit äußeren Bildern – ohne Bewertung.

Material: Kleidung, Accessoires, Spiegel, Papier, Stifte (je nach Variante)

9. Ich und mein Avatar

Jugendliche gestalten einen Avatar – eine Darstellung ihrer selbst, wie sie online auftreten oder gerne auftreten würden. Das kann analog gezeichnet oder digital erstellt werden. Danach gibt es Raum für Austausch: Was unterscheidet mein Online-Ich vom realen Ich? Was gefällt mir daran? Was nervt? Die Methode schafft einen wichtigen Zugang zum Thema Selbstbild in digitalen Räumen und ermöglicht Gespräche über Authentizität, Schutz und Darstellung im Netz.

Material: Zeichenmaterial oder Tablets/Computer (je nach Umsetzung), Avatar-Vorlagen (optional)

10. Rollen-Puzzle

Zum Abschluss dieses Kapitels bietet sich das Rollen-Puzzle an: Jede*r erhält Puzzleteile aus Papier, auf denen eigene Rollen geschrieben werden – z. B. Tochter, Lernende, Freundin, Fußballer, Tagträumer. Die Puzzleteile werden zu einem Bild zusammengesetzt, das das eigene Identitätsprofil widerspiegelt. In einer Reflexion sprechen die Jugendlichen darüber: Welche Teile passen gut zusammen? Wo gibt es Widersprüche? Wo fehlen noch Stücke? Das Puzzle kann aufgehängt oder erweitert werden – und zeigt: Ich bin mehr als eine Rolle.

Material: Vorgefertigte Puzzleteile (oder selbst ausschneiden), Stifte, ggf. Kleber & Plakatpapier

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Daniel
Daniel
Hey, ich bin der Kopf hinter dem Jugendleiter-Blog und war über zehn Jahren in der Jugendarbeit aktiv, habe viele Jahre einen Verband geleitet und blogge hier seit mehr als 15 Jahren über meine Erfahrungen aus mehr als 100 Freizeittagen und 200 Gruppenstunden. Du findest hier fertige Gruppenstunden, Spiele, Freizeit-Ideen und mehr von mir. Die besten Spiele und Ideen sind als Bücher erschienen.

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