Leitungs-Impuls: Mut zur Lücke

Es gibt diese Momente in der Jugendarbeit, in denen nicht alles fertig ist. Die Materialkiste ist nicht vollständig. Der Ablauf ist nur grob geplant. Eine Methode braucht noch Feinschliff. Oder ihr merkt mitten in der Gruppenstunde: Das, was auf dem Papier gut aussah, passt gerade nicht zu dieser Gruppe, zu diesem Tag, zu dieser Stimmung.

Dann entsteht schnell Druck. Wir wollen gut vorbereitet sein, verlässlich auftreten, Kindern und Jugendlichen Sicherheit geben. Und ja: Vorbereitung ist wichtig. Aber Leitung bedeutet nicht, dass immer alles perfekt sein muss. Leitung bedeutet auch, mit Lücken umgehen zu können, ohne die Haltung zu verlieren.

Mut zur Lücke heißt nicht: egal sein lassen. Es heißt: anerkennen, dass Jugendarbeit lebendig ist. Dass Kinder und Jugendliche keine Programme „abarbeiten“, sondern mit ihren Fragen, Energien, Bedürfnissen und Grenzen in den Raum kommen. Dass ihr nicht alles kontrollieren könnt – und trotzdem verantwortlich handelt.

Vielleicht fehlt euch eine perfekte Antwort. Vielleicht ist eine Aktion nur zu 80 Prozent vorbereitet. Vielleicht müsst ihr spontan vereinfachen, kürzen, umplanen oder offen sagen: „Das weiß ich gerade nicht, aber wir schauen gemeinsam darauf.“ Genau darin kann Stärke liegen. Kinder und Jugendliche erleben dann nicht perfekte Erwachsene, sondern glaubwürdige Menschen. Menschen, die Verantwortung übernehmen, ohne so zu tun, als hätten sie immer alles im Griff.

Unvollkommen handeln mit Haltung bedeutet: Ihr bleibt zugewandt. Ihr bleibt fair. Ihr bleibt transparent. Ihr schützt Beteiligung, Sicherheit und Würde – auch dann, wenn der Plan wackelt. Ihr entscheidet nicht aus Panik, sondern aus dem, was euch wichtig ist: Gemeinschaft, Mitbestimmung, Respekt, Vielfalt und ein gutes Miteinander.

Manchmal ist die Lücke sogar der Ort, an dem Beteiligung entsteht. Wenn nicht alles festgelegt ist, können Kinder und Jugendliche mitdenken, mitgestalten, Verantwortung übernehmen. Aus „Mist, das fehlt“ wird dann vielleicht: „Wie lösen wir das gemeinsam?“

Für euch als Jugendleiter*innen ist das eine entlastende Erinnerung: Ihr müsst nicht perfekt sein, um wichtig zu sein. Ihr müsst nicht alles wissen, um Orientierung zu geben. Ihr müsst nicht immer glänzen, um Wirkung zu haben.

Haltung zeigt sich nicht erst im perfekten Konzept. Haltung zeigt sich besonders dann, wenn etwas unvollständig bleibt – und ihr trotzdem klar, menschlich und verlässlich handelt.

Reflexionsfragen

  1. Wo setzt ihr euch selbst unter Perfektionsdruck, obwohl „gut genug“ für die Gruppe völlig reichen würde?
  2. Welche Lücken könntet ihr künftig bewusst offenlassen, damit Kinder und Jugendliche mehr mitgestalten können?
  3. Was hilft euch, auch in ungeplanten Situationen ruhig, klar und haltungsstark zu bleiben?
in 16 Tagen
24. Oktober
Saisonaler Tipp

Tag der Bibliotheken

Nutze den Tag der Bibliotheken, um das Lesen in deiner Gruppe neu zu entdecken. Plane eine Aktion, bei der Geschichten lebendig werden und die Teilnehmer*innen ihre eigenen Erlebnisse teilen können – so förderst du nicht nur die Leselust, sondern stärkst auch den Zusammenhalt in deiner Gruppe.

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Daniel
Daniel
Hey, ich bin der Kopf hinter dem Jugendleiter-Blog und war über zehn Jahren in der Jugendarbeit aktiv, habe viele Jahre einen Verband geleitet und blogge hier seit mehr als 15 Jahren über meine Erfahrungen aus mehr als 100 Freizeittagen und 200 Gruppenstunden. Du findest hier fertige Gruppenstunden, Spiele, Freizeit-Ideen und mehr von mir. Die besten Spiele und Ideen sind als Bücher erschienen.

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