Viele Kinder und Jugendliche starten offenbar nicht erholt in ihren Alltag. Der aktuelle DAK-Präventionsradar zeigt: 46 Prozent der Schüler*innen der Klassen 5 bis 10 berichten mindestens einmal pro Woche von Schlafproblemen. Im Schuljahr 2019/2020 waren es noch 36 Prozent. Noch deutlicher ist die Entwicklung bei Erschöpfung: 69 Prozent fühlen sich mindestens wöchentlich ausgelaugt – vor drei Jahren waren es 52 Prozent. Für die Untersuchung wurden mehr als 30.000 Schüler*innen an 141 weiterführenden Schulen in 15 Bundesländern befragt.
Gleichzeitig berichten 49 Prozent von einem verminderten Wohlbefinden, und nur noch 57 Prozent schauen optimistisch in ihre Zukunft. Ein weiterer Befund: Bei 89 Prozent sieht die Studie Förderbedarf bei der Gesundheitskompetenz.
Als einen möglichen Einfluss nennt ein von der DAK zitierter Kinder- und Jugendarzt intensive Mediennutzung bis spät in den Abend. Die Ursachen für Schlafprobleme und Erschöpfung seien jedoch nicht auf einen einzelnen Faktor zurückzuführen.
Ableitungen für die Jugendarbeit
Müdigkeit ist auch in Gruppenstunden und Ferienlagern relevant. Wer erschöpft kommt, kann schneller gereizt sein, sich schlechter konzentrieren oder bei actionreichen Angeboten weniger Energie haben. Jugendleiter*innen sollten das nicht vorschnell als Desinteresse oder mangelnde Motivation interpretieren.
Gleichzeitig kann Jugendarbeit einen Gegenpol zum durchgetakteten Alltag schaffen: mit Pausen, ruhigen Angeboten, Bewegung draußen und Zeiten ohne Leistungsdruck. Auch Schlaf, Stress und Mediennutzung dürfen Gesprächsthemen sein – allerdings ohne Smartphone-Bashing. Digitale Medien gehören selbstverständlich zur Lebenswelt junger Menschen. Spannender ist die Frage, welche Gewohnheiten ihnen guttun und welche sie selbst gern verändern würden.
Gerade bei Ferienlagern lohnt sich außerdem ein Blick auf den eigenen Zeitplan: Muss der Tag wirklich früh beginnen und spät enden? Erholung kann ebenso Teil eines gelungenen Programms sein wie das nächste Geländespiel.
Diskussionsfragen für deine Gruppe
Die Studie eignet sich gut, um nicht über Jugendliche zu sprechen, sondern mit ihnen herauszufinden, wie sie ihren eigenen Alltag erleben.
- Woran merkst du, dass du zu wenig geschlafen hast?
- Was hält dich abends manchmal länger wach, als du eigentlich möchtest?
- Was müsste sich in Schule, Freizeit oder Alltag ändern, damit junge Menschen weniger erschöpft sind?
15-Minuten-Baustein: „Was raubt mir Energie – was lädt mich auf?“
Legt zwei große Plakate aus: „Energieräuber“ und „Energiespender“. Alle schreiben anonym auf kleine Zettel, was sie im Alltag müde oder ausgelaugt macht und was ihnen neue Energie gibt. Das können Schule, Streit, Social Media oder Termine sein – aber genauso Freund*innen, Musik, Gaming, Sport, Nichtstun oder Zeit draußen.
Sortiert anschließend gemeinsam die Antworten. Welche Dinge können die Jugendlichen selbst beeinflussen? Wo brauchen sie Unterstützung? Und welche „Energiespender“ könnten in euren Gruppenstunden häufiger vorkommen?
Zum Abschluss stimmt jede Person über eine kleine Veränderung ab, die ihr als Gruppe in den nächsten Wochen ausprobieren wollt – etwa zehn Minuten Ruhezeit, mehr Zeit draußen oder einen entspannteren Abschluss der Gruppenstunde.






