„Du hast doch gesagt, wir dürfen das nicht.“ – und genau deshalb wird es noch einmal ausprobiert. Regeln werden ignoriert, Absprachen bewusst überschritten oder eine Grenze wird Stück für Stück weiter verschoben. Für Jugendleiter*innen kann das ziemlich anstrengend sein – besonders dann, wenn man das Gefühl bekommt, ständig dieselben Diskussionen zu führen.
Wichtig ist zunächst: Nicht jede Grenzüberschreitung ist automatisch ein Angriff auf eure Autorität. Kinder und Jugendliche testen Grenzen auch, um herauszufinden, wie verlässlich diese eigentlich sind. Was passiert wirklich, wenn ich eine Regel breche? Gilt sie heute genauso wie letzte Woche? Und gilt sie für alle?
Gerade deshalb hilft es, möglichst ruhig und vorhersehbar zu reagieren.
Statt im Moment der Grenzüberschreitung spontan eine besonders harte Konsequenz zu erfinden, sollte möglichst schon vorher klar sein, was passiert. Zum Beispiel: „Wenn ihr während der Erklärung weiter mit dem Ball spielt, legen wir ihn bis nach dem Spiel weg.“ Wird die Grenze anschließend überschritten, folgt genau diese Konsequenz – ohne zusätzliche Strafe, lange Diskussion oder Ärgerrede.
Dabei sollten Konsequenzen möglichst logisch mit dem Verhalten zusammenhängen. Wer Material absichtlich falsch benutzt, kann es vorübergehend nicht weiter nutzen. Wer andere beim Spiel wiederholt stört, bekommt zunächst eine Pause oder eine andere Rolle. Ziel ist nicht, Kinder und Jugendliche „zu bestrafen“, sondern einen verlässlichen Rahmen zu schaffen.
Genauso wichtig: Prüft eure Regeln regelmäßig gemeinsam mit der Gruppe. Manche Regeln werden ständig gebrochen, weil sie unklar, unnötig oder für Kinder und Jugendliche nicht nachvollziehbar sind. Fragt deshalb auch: Warum gibt es diese Regel eigentlich? Wen schützt sie? Und brauchen wir sie noch? Beteiligung bedeutet nicht, dass jede Grenze verhandelbar ist – aber Kinder und Jugendliche sollten verstehen können, warum sie existiert.
Direkt ausprobieren:
Formuliert bei einer häufig überschrittenen Regel einmal gemeinsam: „Wenn … passiert, dann …“. Die Konsequenz sollte kurz, verständlich und realistisch umsetzbar sein.
Fürs Leitungsteam
Besprecht, bei welchen Grenzen ihr wirklich konsequent sein wollt. Unterschiedliche Reaktionen verschiedener Jugendleiter*innen sorgen schnell für Verwirrung. Ein gemeinsamer Rahmen macht es euch leichter – und gibt Kindern und Jugendlichen Orientierung. Denn klare Grenzen funktionieren am besten, wenn sie nicht von Lautstärke abhängen, sondern von Ruhe, Transparenz und Verlässlichkeit.






