Kinder und Jugendliche in den Niederlanden gehören im internationalen Vergleich zu den zufriedensten. Im aktuellen UNICEF-Vergleich belegen die Niederlande beim Kindeswohl insgesamt Platz eins; 87 Prozent der befragten 15-Jährigen bewerteten ihre Lebenszufriedenheit positiv. Deutschland liegt im Gesamtranking auf Platz 25. Wichtig zur Einordnung: Der UNICEF-Bericht wurde 2025 veröffentlicht und greift für die Lebenszufriedenheit auf Daten aus dem Jahr 2022 zurück.
Der WDR sucht nach Gründen für den Unterschied und stößt immer wieder auf ähnliche Faktoren: Kinder bekommen früh Freiräume, sind selbstständig unterwegs, verbringen Zeit draußen und dürfen Erfahrungen machen, ohne dass Erwachsene ständig eingreifen. Hinzu kommt vergleichsweise geringer Leistungsdruck in den ersten Schuljahren. In niederländischen Grundschulen spielen soziale Kompetenzen und Eigenverantwortung eine wichtige Rolle; umfangreichere Hausaufgaben beginnen vergleichsweise spät. Sichere Fahrradinfrastruktur ermöglicht außerdem schon Kindern eigenständige Mobilität.
Ableitungen für die Jugendarbeit
Für Jugendleiter*innen steckt darin eine spannende Frage: Wie viel Selbstständigkeit trauen wir Kindern und Jugendlichen eigentlich zu? Gute Jugendarbeit muss nicht jede Minute organisieren. Gerade Gruppenstunden und Ferienlager können Räume schaffen, in denen junge Menschen selbst entscheiden, ausprobieren, scheitern und neu beginnen dürfen.
Das kann bedeuten, bewusst Zeiten ohne festes Programm einzuplanen, Kleingruppen eigene Aufgaben lösen zu lassen oder Jugendlichen Verantwortung für Teile einer Aktion zu übertragen. Auch draußen unterwegs zu sein, selbst Wege zu finden oder gemeinsam Entscheidungen zu treffen, stärkt Selbstwirksamkeit.
Dabei darf „mehr Freiheit“ allerdings nicht bedeuten, unterschiedliche Voraussetzungen zu ignorieren. Alter, Behinderung, finanzielle Möglichkeiten, Wohnort oder individuelle Unsicherheiten beeinflussen, welche Freiräume tatsächlich zugänglich sind. Aufgabe der Jugendarbeit ist deshalb nicht, sich zurückzuziehen, sondern sichere Rahmen zu schaffen, in denen möglichst viele selbstständig handeln können.
Vielleicht liegt eine wichtige Botschaft der niederländischen Erfahrungen deshalb weniger in einzelnen Maßnahmen als in einer Haltung: Kinder und Jugendliche müssen nicht ständig beschäftigt, optimiert oder bewertet werden. Manchmal dürfen sie einfach Kinder und Jugendliche sein.
Diskussionsfragen für deine Gruppe
Die Ergebnisse eignen sich gut, um mit Kindern und Jugendlichen darüber zu sprechen, was für sie selbst zu einem guten Leben gehört.
- Wann fühlst du dich besonders frei und selbstständig?
- Was macht einen richtig guten Alltag für Kinder und Jugendliche aus?
- Wo sollten Erwachsene mehr entscheiden – und wo sollten sie euch mehr zutrauen?
15-Minuten-Methode: Unsere Glückslandkarte
Legt vier große Zettel mit den Überschriften Freiraum, Gemeinschaft, Sicherheit und Spaß im Raum aus. Die Teilnehmenden bewegen sich nacheinander zu dem Begriff, der für ihr persönliches Wohlbefinden gerade am wichtigsten ist.
In den entstandenen Kleingruppen haben sie fünf Minuten Zeit, konkrete Beispiele zu sammeln: Was müsste in unserer Gruppe passieren, damit wir davon mehr erleben? Danach stellt jede Gruppe ihre zwei wichtigsten Wünsche vor.
Zum Abschluss stimmt ihr gemeinsam über eine Veränderung ab, die ihr schon in der nächsten Gruppenstunde ausprobieren wollt – etwa zehn Minuten freie Zeit, mehr Mitbestimmung beim Programm, eine selbst organisierte Kleingruppenaktion oder eine gemeinsame Outdoor-Zeit.
So bleibt aus der Studie nicht nur die Frage, warum niederländische Kinder glücklicher sind. Die Gruppe entwickelt ganz konkret Ideen dafür, was ihr eigenes gemeinsames Wohlbefinden verbessern kann.






