Kennt ihr das? Ihr stellt eine Frage, plant ein Spiel oder verteilt eine Aufgabe – und sofort sind es dieselben Kinder oder Jugendlichen, die antworten, entscheiden und die Führung übernehmen. Andere halten sich zurück, werden unterbrochen oder passen sich den lauteren Stimmen an. So entsteht schnell der Eindruck, die ganze Gruppe sei sich einig, obwohl viele Meinungen noch gar nicht gehört wurden.
Dominantes Verhalten ist nicht automatisch böse gemeint. Manche Kinder und Jugendlichen sind selbstbewusst, schnell begeistert oder daran gewöhnt, Verantwortung zu übernehmen. Gleichzeitig brauchen auch zurückhaltende Gruppenmitglieder Raum, um eigene Ideen einzubringen und Einfluss auf Entscheidungen zu nehmen.
Hilfreich ist es, Gesprächs- und Arbeitsstrukturen bewusst zu verändern. Lasst bei einer Frage zunächst alle kurz allein nachdenken oder ihre Idee aufschreiben, bevor gesprochen wird. Nutzt Gesprächsrunden, in denen jede Person die Möglichkeit erhält, etwas zu sagen – aber niemand dazu gezwungen wird. Bei Gruppenaufgaben könnt ihr Rollen wie Moderation, Zeitwächter*in, Materialverantwortung oder Präsentation verteilen und regelmäßig wechseln.
Ladet leisere Stimmen gezielt, aber behutsam ein: „Möchtest du noch etwas ergänzen?“ wirkt wertschätzender als ein überraschendes „Was denkst du dazu?“. Achtet außerdem darauf, dominante Kinder oder Jugendliche nicht vor der Gruppe bloßzustellen. Sprecht bei Bedarf unter vier Augen darüber, wie wichtig ihr Engagement ist – und dass gute Leitung auch bedeutet, anderen Raum zu lassen.
Das Ziel ist nicht, starke Persönlichkeiten auszubremsen. Es geht darum, Verantwortung zu teilen und eine Gruppenkultur zu schaffen, in der unterschiedliche Menschen gehört werden und mitentscheiden können.
Direkt ausprobieren:
Gebt vor einer Entscheidung allen eine Minute Zeit, die eigene Idee aufzuschreiben. Anschließend werden die Beiträge reihum gesammelt, ohne sie sofort zu bewerten. So können auch ruhigere Kinder und Jugendliche ihre Gedanken einbringen, bevor einzelne Stimmen die Richtung vorgeben.
Fürs Leitungsteam:
Beobachtet gemeinsam, wer häufig spricht, entscheidet oder unterbrochen wird. Vereinbart klare Signale und Methoden, mit denen ihr Gesprächsanteile ausgleichen könnt. Achtet dabei darauf, dominante Gruppenmitglieder nicht abzuwerten, sondern ihre Stärke konstruktiv zu nutzen – beispielsweise in wechselnden, klar begrenzten Verantwortungsrollen.






