Meine Freizeiten waren ja immer von der katholischen Kirche aus organisiert. Zumindest war das der Träger. Tischgebete und zwei Gottesdienste gehören also zum festen Programm und die meisten Leiter waren auch selbst christlich eingestellt. Das man es aber mit dem Glauben auch etwas übertreiben kann, haben wir selbst erlebt: In einem Jahr hatten wir ein Haus nahe Chemnitz, das von einem christlichen Träger vermietet wird. Sehr schnell hat man die christliche Veranlagung auch entdecken können: An der Wand im Essensraum stand mitt einem dicken, langen Seil „Jesus liebt Dich“. Im ersten Stock im Flur war das M von MacDonalds zu sehen – mit dem Schriftzug „My Jesus – every time a good time“. Im zweiten Stock das Ikea-Logo mit dem Inhalt „Glaube“ dem Slogan: „Entdecke die Möglichkeiten.“ Und im Küchenschrank fanden sich zahlreiche Becher mit dem Aufdruck „Come follow Jesus“. Zudem Bibelzitate gerahmt an den Wänden. Das war quasi eine Art Gehirnwäsche, an der keine vorbei kam. Unsere Kinder haben das aber gleich recht kreativ umgesetzt und die regelmäßige Lager-Stimmungsrakete (Stufe 1: alle klatschen, Stufe 2: alle trampeln, Stufe 3: alle jubeln) um weitere Stufen ergänzt (jeweils im Chor): Stufe 4: „Jesus liebt Dich“, Stufe 5: „Come follow Jesus“. Am Ende des Lagers hatte die Rakete 17 Stufen, soweit ich mich erinnern kann.
Selbst unser Pastoralreferent, der mit im Lager war, kommentierte die Situation schon am zweiten Abend trocken mit den Worten: „Ist ja eckt klasse hier, auch das Haus ist super, aber dieser ganze Jesus-Plüsch geht mir doch irgendwie ganz schön auf den Sack.“ Ach ja, da hat er uns allen irgendwie aus der Seele gesprochen!

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