Wenn wir an Leitung denken, haben viele von uns ein bestimmtes Bild vor Augen: Eine Person gibt die Richtung vor, trifft Entscheidungen und trägt die Verantwortung. Lange Zeit war das das vorherrschende Verständnis von Führung. Doch gerade in der Jugendarbeit lohnt es sich, dieses Bild neu zu denken.
Denn gute Leitung bedeutet nicht, alles selbst zu machen. Gute Leitung bedeutet, andere stark zu machen.
Viele Jugendleiter*innen kennen die Versuchung, Dinge lieber selbst zu übernehmen. Das geht oft schneller. Es wirkt sicherer. Und manchmal hat man das Gefühl, dass dann wenigstens alles funktioniert. Doch auf Dauer hat das einen Preis: Jugendliche bleiben in der Rolle der Mitmachenden, statt zu Gestaltenden zu werden.
Wer Verantwortung teilt, gibt Jugendlichen die Möglichkeit, sich auszuprobieren. Eigene Ideen einzubringen. Entscheidungen zu treffen. Erfahrungen zu sammeln. Das klappt nicht immer reibungslos. Es wird Fehler geben. Manches dauert länger. Und nicht jede Idee wird ein Erfolg.
Doch genau darin liegt das Lernen. Führungsrolle neu zu denken heißt, Macht nicht als etwas zu verstehen, das man festhalten muss. Sondern als etwas, das man bewusst nutzen kann, um andere wachsen zu lassen.
Das bedeutet nicht, Verantwortung abzugeben und sich zurückzulehnen. Es bedeutet, Verantwortung gemeinsam zu tragen. Orientierung zu geben, ohne alles zu kontrollieren. Räume zu öffnen, ohne sich selbst überflüssig zu machen.
Kinder und Jugendliche entwickeln Selbstvertrauen nicht dadurch, dass Erwachsene alles für sie regeln. Sie entwickeln es, wenn sie erleben: Meine Ideen zählen. Meine Entscheidungen haben Bedeutung. Ich kann etwas bewegen.
Vielleicht ist genau das eine der wichtigsten Aufgaben von Leitung: nicht im Mittelpunkt zu stehen, sondern andere zum Leuchten zu bringen.
Reflexionsfragen
- In welchen Bereichen eurer Arbeit fällt es euch leicht, Verantwortung zu teilen – und wo eher schwer?
- Welche Aufgaben könnten Kinder und Jugendliche übernehmen, wenn ihr ihnen mehr zutraut?
- Was verändert sich in einer Gruppe, wenn Verantwortung bewusst geteilt wird?






