Zwischen Inspiration und Überforderung: Social Media als widersprüchlicher Wohlfühlort

Soziale Medien sind für Jugendliche weder nur Zeitverschwendung noch ein ausschließlich positiver Begegnungsraum. Die JIMplus-Studie 2026 zeigt vielmehr ein ständiges Wechselspiel: Plattformen wie YouTube, Instagram, TikTok und Snapchat liefern Unterhaltung, Wissen, Inspiration und das Gefühl, verstanden zu werden. 82 Prozent der befragten Jugendlichen sehen Social Media als wichtigen Zugang zu Wissen. Gleichzeitig berichten drei von vier, dass sie dadurch von anderen Aufgaben abgelenkt werden. Etwa die Hälfte der 14- bis 17-Jährigen empfindet, dass ihnen Zeit für Erholung und andere Freizeitaktivitäten fehlt.

Besonders Mädchen erleben häufiger Vergleichsdruck und Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper. Hinzu kommen problematische Inhalte: 71 Prozent sind bereits Fake News begegnet, 43 Prozent extremen politischen oder religiösen Beiträgen und 40 Prozent Hate Speech. Meist scrollen Jugendliche einfach weiter; nur rund ein Viertel meldet problematische Beiträge. Obwohl TikTok besonders kritisch bewertet wird, gehört die Plattform zu den Angeboten, die Jugendliche am stärksten vermissen würden.

Ableitungen für die Jugendarbeit

Jugendarbeit sollte Social Media nicht verteufeln, sondern Jugendliche dabei unterstützen, die eigenen Nutzungserfahrungen bewusst einzuordnen. Entscheidend ist nicht nur die Bildschirmzeit, sondern was Jugendliche sehen, wie sie sich danach fühlen und ob noch genügend Raum für Schlaf, Erholung, Bewegung und persönliche Begegnungen bleibt. Jugendleiter*innen können offen über Empfehlungsalgorithmen, Körperbilder, politische Inhalte und Meldefunktionen sprechen.

Dabei sollte niemand gezwungen werden, persönliche Accounts, Nutzungszeiten oder belastende Erlebnisse offenzulegen. Sinnvoll sind außerdem smartphonefreie Phasen, die gemeinsam vereinbart und nicht als Strafe gestaltet werden. Gruppenstunden und Ferienlager können erfahrbar machen, dass Gemeinschaft, Kreativität und Anerkennung auch ohne Likes entstehen – ohne dabei digitale Freundschaften und Interessen abzuwerten. Verlässliche Beziehungen bleiben eine wichtige Ressource für das Wohlbefinden Jugendlicher.

Diskussionsfragen für deine Gruppe

Die folgenden Fragen helfen dabei, sowohl positive Erfahrungen als auch Belastungen sichtbar zu machen:

  1. Welche Inhalte geben dir nach dem Anschauen Energie – und welche ziehen dir eher Energie?
  2. Woran merkst du, dass aus entspanntem Scrollen Druck, Stress oder Ablenkung wird?
  3. Was müssten Plattformen, Erwachsene und Jugendliche selbst verändern, damit Social Media sich besser anfühlt?

15-Minuten-Methode: Das Feed-Gefühlsbarometer

Markiert im Raum eine Linie mit den Polen „tut mir gut“ und „belastet mich“. Lies nacheinander Situationen vor, etwa: „Ich entdecke ein neues Hobby“, „Ich vergleiche mich mit anderen“, „Ich bleibe länger online als geplant“, „Ich bekomme Unterstützung“ oder „Mir werden verstörende Inhalte gezeigt“. Die Teilnehmenden positionieren sich auf der Linie. Wer möchte, erklärt freiwillig die eigene Entscheidung.

Sammelt anschließend zwei Plakate: „Das möchten wir häufiger erleben“ und „Das hilft bei Belastungen“. Zum Abschluss wählt die Gruppe eine konkrete Vereinbarung für ihre gemeinsame Mediennutzung – beispielsweise keine ungefragten Fotos, bewusste Offline-Zeiten oder gegenseitige Unterstützung beim Melden problematischer Inhalte.

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Daniel
Daniel
Hey, ich bin der Kopf hinter dem Jugendleiter-Blog und war über zehn Jahren in der Jugendarbeit aktiv, habe viele Jahre einen Verband geleitet und blogge hier seit mehr als 15 Jahren über meine Erfahrungen aus mehr als 100 Freizeittagen und 200 Gruppenstunden. Du findest hier fertige Gruppenstunden, Spiele, Freizeit-Ideen und mehr von mir. Die besten Spiele und Ideen sind als Bücher erschienen.

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