5 Mini-Achtsamkeitsübungen für zwischendurch

Manchmal braucht es keine große Achtsamkeitsstunde, sondern nur einen kurzen Moment zum Durchatmen. Nach einem wilden Spiel, vor einer Gesprächsrunde, wenn die Unruhe steigt oder die Köpfe voll sind: Genau dann helfen kleine Übungen, die Kinder und Jugendliche wieder bei sich ankommen lassen. Die folgenden fünf Mini-Übungen dauern höchstens drei Minuten, brauchen kein Material und funktionieren fast überall – im Gruppenraum, draußen oder unterwegs.

Ein Tipp vorab: Leitet die Übungen mit ruhiger, langsamer Stimme an und macht sie selbst mit. Eure Gelassenheit überträgt sich. Wer tiefer einsteigen möchte, findet weitere Ideen in der Gruppenstunden-Idee: Achtsamkeit.

1. Die 5-4-3-2-1-Übung

Diese Übung holt die Gedanken aus dem Karussell und verankert sie im Hier und Jetzt – ideal, wenn jemand aufgedreht oder angespannt ist. Bittet die Gruppe, nacheinander wahrzunehmen: fünf Dinge, die ihr sehen könnt. Vier Dinge, die ihr hören könnt. Drei Dinge, die ihr spüren könnt – etwa den Boden unter den Füßen. Zwei Dinge, die ihr riechen könnt. Und ein Ding, das ihr schmecken könnt. Lasst euch dabei Zeit und sprecht die Schritte langsam vor. Die Übung wirkt, weil sie die Aufmerksamkeit ganz konkret auf die Sinne lenkt – und das Grübeln dabei ganz nebenbei verstummt.

Info-Box Die 5-4-3-2-1-Methode stammt aus der Stress- und Angstbewältigung und eignet sich besonders gut vor aufregenden Situationen, etwa vor einem Auftritt, einer Prüfung oder einem schwierigen Gespräch. Kinder und Jugendliche können sie später auch allein anwenden.

2. Der Atemanker

Der Atem ist immer dabei – das macht ihn zum perfekten Anker. Bittet alle, bequem zu sitzen oder zu stehen, und einfach den eigenen Atem zu beobachten, ohne ihn zu verändern. Wo spüre ich ihn am deutlichsten? An der Nase, im Brustkorb, im Bauch? Nach ein paar Atemzügen ladet ihr dazu ein, das Ausatmen etwas länger werden zu lassen als das Einatmen. Genau dieses längere Ausatmen beruhigt das Nervensystem spürbar. Schon eine Minute reicht, um das Tempo aus einer aufgewühlten Gruppe zu nehmen.

Variante für jüngere Kinder Verpackt den Atem in ein Bild: „Riecht an einer Blume“ (einatmen) und „pustet vorsichtig eine Kerze aus, ohne dass sie ausgeht“ (langsam ausatmen). So wird das lange Ausatmen für Kinder greifbar – und macht nebenbei Spaß.

3. Anspannen und Loslassen

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Diese Übung verbindet Körper und Aufmerksamkeit und ist gerade nach langem Sitzen oder bei innerer Anspannung wohltuend. Lasst die Gruppe nacheinander einzelne Körperteile fest anspannen und nach einigen Sekunden wieder bewusst loslassen: erst die Fäuste, dann die Schultern bis zu den Ohren, dann das ganze Gesicht, schließlich der ganze Körper. Der Kontrast zwischen Anspannung und Entspannung macht spürbar, wie sich Loslassen anfühlt – ein Gefühl, das viele im Alltag gar nicht mehr kennen. Bittet alle, am Ende kurz nachzuspüren, wie sich der Körper jetzt anfühlt.

Variante für jüngere Kinder Das Spaghetti-Bild kommt gut an: „Macht euch ganz steif wie eine rohe, harte Spaghetti“ – und dann: „Jetzt seid ihr eine gekochte, weiche Spaghetti.“ Das Loslassen wird so zum kleinen Spiel.

4. Achtsames Lauschen

Eine der einfachsten und zugleich wirkungsvollsten Übungen. Bittet alle, die Augen zu schließen (wer mag) und für eine Minute nur zu lauschen. Welche Geräusche gibt es? Nahe und ferne, laute und ganz leise? Gebt ein klares Startsignal und beendet die Übung nach etwa einer Minute leise. Danach könnt ihr sammeln, was alle gehört haben – ihr werdet staunen, wie viele Geräusche vorher gar nicht aufgefallen waren. Die Übung schult das Wahrnehmen und schafft fast automatisch Stille, weil alle ganz still sein müssen, um zu hören.

Variante draußen Im Freien wird die Übung noch reicher: Vögel, Wind, Blätter, entfernte Stimmen. Daraus lässt sich ein kleines Ratespiel machen – „Wie viele verschiedene Geräusche findet ihr?“ Weitere ruhige Ideen findet ihr bei den Entspannungs-Spielen für Kinder.

5. Die Fünf-Finger-Atmung

Hier verbinden sich Atem und Berührung – das wirkt besonders erdend. Alle strecken eine Hand aus und fahren mit dem Zeigefinger der anderen Hand langsam die Umrisse nach: An jedem Finger geht es eine Seite hinauf (einatmen) und die andere wieder hinab (ausatmen). Fünf Finger, fünf ruhige Atemzüge. Das langsame Nachfahren gibt dem Atem einen Takt und beschäftigt zugleich die Hände – das hilft besonders unruhigen Kindern und Jugendlichen, zur Ruhe zu kommen. Eine Runde dauert keine Minute und lässt sich beliebig wiederholen.

Info-Box Diese Übung ist unauffällig genug, um sie überall einzusetzen – im Bus, im Wartezimmer, vor einer Klassenarbeit. Genau das macht sie wertvoll: Kinder und Jugendliche nehmen ein Werkzeug mit, das sie jederzeit selbst nutzen können, auch ohne euch.

Klein, aber wirksam

Achtsamkeit muss nicht aufwendig sein. Oft sind es genau diese kurzen Momente, die im hektischen Alltag den größten Unterschied machen. Probiert die Übungen selbst aus, baut sie nach und nach in eure Gruppenstunden ein – und gebt Kindern und Jugendlichen damit kleine Werkzeuge an die Hand, mit denen sie selbst zur Ruhe finden können. Präsent statt perfekt: Schon drei Minuten genügen.

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Daniel
Daniel
Hey, ich bin der Kopf hinter dem Jugendleiter-Blog und war über zehn Jahren in der Jugendarbeit aktiv, habe viele Jahre einen Verband geleitet und blogge hier seit mehr als 15 Jahren über meine Erfahrungen aus mehr als 100 Freizeittagen und 200 Gruppenstunden. Du findest hier fertige Gruppenstunden, Spiele, Freizeit-Ideen und mehr von mir. Die besten Spiele und Ideen sind als Bücher erschienen.

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