Looksmaxxing: Wenn Selbstoptimierung für Jugendliche zum Schönheitsdruck wird
„Looksmaxxing“ ist ein Social-Media-Trend, bei dem Jugendliche – vor allem Jungen und junge Männer – versuchen, ihr Aussehen gezielt zu „optimieren“. Auf TikTok, Reddit und Instagram kursieren dazu tausende Videos über Hautpflege, Fitness, Frisuren oder Ernährung. Dahinter steckt oft zunächst ein (verständlicher?) Wunsch: attraktiver wirken, selbstbewusster werden oder gesellschaftlichen Schönheitsidealen entsprechen. Problematisch wird der Trend dort, wo aus Selbstfürsorge extremer Leistungsdruck entsteht.
Besonders verbreitet sind Begriffe wie „Hunter Eyes“, „Mewing“ oder „Bone Smashing“. Während einige Tipps harmlos wirken, reichen andere Methoden bis zu riskanten Eingriffen, gefährlichen Nahrungsergänzungsmitteln oder sogar Selbstverletzung. Fachleute warnen, dass viele dieser Methoden wissenschaftlich nicht belegt sind und körperliche Schäden verursachen können.
Gleichzeitig zeigt der Trend, wie stark soziale Medien Schönheitsnormen prägen. Jugendliche bewerten sich und andere zunehmend nach „Ratings“, Kieferlinien oder Muskeldefinitionen. In Teilen der Szene vermischen sich diese Inhalte mit toxischen Männlichkeitsbildern und Incel-Ideologien, in denen Frauenfeindlichkeit und die Vorstellung biologischer „Überlegenheit“ verbreitet werden. Algorithmen können Jugendliche schrittweise in diese radikaleren Inhalte hineinziehen.
Ableitungen für die Jugendarbeit
Looksmaxxing zeigt, wie stark Jugendliche heute unter digitalem Vergleichsdruck stehen. Jugendarbeit kann hier wichtige Gegenräume schaffen: Orte, an denen Aussehen nicht über Zugehörigkeit entscheidet. Gleichzeitig sollte der Trend nicht vorschnell verurteilt werden. Viele Jugendliche interessieren sich ehrlich für Styling, Fitness oder Selbstpflege – das ist Teil ihrer Identitätsentwicklung.
Entscheidend ist deshalb die Frage, wann Selbstfürsorge kippt und nur noch Selbstoptimierung zählt. Jugendleiter*innen können Gespräche über Körperbilder, Schönheitsfilter, Algorithmen und Männlichkeitsbilder anstoßen. Wichtig ist auch, Jugendlichen alternative Vorstellungen von Attraktivität, Stärke und Selbstwert zu vermitteln, die nicht allein auf Äußerlichkeiten beruhen.
Diskussionsfragen für deine Gruppe
Der Trend eignet sich gut, um mit Jugendlichen über Schönheitsideale, Social Media und Selbstbild ins Gespräch zu kommen.
- Warum glauben viele Jugendliche heute, möglichst „perfekt“ aussehen zu müssen?
- Wo liegt für euch der Unterschied zwischen Selbstpflege und ungesundem Optimierungsdruck?
- Welche Rolle spielen TikTok, Instagram und KI-Filter dabei, wie wir uns selbst sehen?

