Leitungs-Impuls: Räume statt Programme

Eine gelungene Gruppenstunde wird oft daran gemessen, wie gut das Programm war. Hat alles funktioniert? Waren die Spiele abwechslungsreich? Haben wir alle Inhalte geschafft Doch vielleicht ist das gar nicht die wichtigste Frage. Vielleicht sollten wir vielmehr fragen: Was konnte heute entstehen?

Jugendarbeit lebt natürlich von guten Ideen und einer sorgfältigen Vorbereitung. Ein durchdachter Ablauf gibt Orientierung und Sicherheit. Aber Programme sind kein Selbstzweck. Sie sind Mittel zum Zweck. Das eigentliche Ziel ist immer die Begegnung zwischen Menschen.

Ein Spiel ist deshalb nicht erfolgreich, weil alle Regeln perfekt funktioniert haben. Es ist erfolgreich, wenn daraus gemeinsames Lachen entsteht. Ein Workshop gelingt nicht wegen seiner Präsentation, sondern weil Jugendliche beginnen, miteinander ins Gespräch zu kommen. Eine Gruppenstunde wird nicht dadurch wertvoll, dass ihr jeden Programmpunkt abhakt, sondern dadurch, dass Kinder und Jugendliche sich angenommen, beteiligt und gesehen fühlen.

Deshalb brauchen gute Gruppen nicht nur Programme. Sie brauchen Räume. Räume für Gespräche, die ungeplant entstehen. Räume für Fragen, auf die es keine fertigen Antworten gibt. Räume für Stille. Räume zum Ausprobieren. Räume, in denen Jugendliche Ideen entwickeln dürfen, ohne sofort bewertet zu werden.

Manchmal bedeutet das auch, den Mut zu haben, den Ablaufplan für einen Moment beiseitezulegen. Weil gerade ein Kind etwas Wichtiges erzählen möchte. Weil aus einem kleinen Missgeschick ein gemeinsamer Lachanfall wird. Oder weil ein Gespräch gerade viel bedeutsamer ist als das nächste Spiel.

Die schönsten Erinnerungen entstehen selten, weil alles perfekt organisiert war. Sie entstehen, weil Menschen sich begegnet sind. Programme können Gemeinschaft ermöglichen. Beziehungen schaffen sie nicht automatisch. Als Jugendleiter*innen gestaltet ihr deshalb nicht nur Inhalte. Ihr gestaltet Räume. Räume, in denen Vertrauen wachsen kann. Räume, in denen Kinder und Jugendliche sich ausprobieren dürfen. Räume, in denen Gemeinschaft entsteht. Und vielleicht ist genau das eure wichtigste Aufgabe.

Reflexionsfragen

  1. Wann war in eurer Gruppenarbeit das Wertvollste nicht geplant?
  2. Welche Freiräume bietet eure Gruppenstunde für spontane Begegnungen?
  3. Wo haltet ihr vielleicht zu sehr am Ablauf fest, obwohl gerade etwas Wichtigeres entsteht?
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Daniel
Daniel
Hey, ich bin der Kopf hinter dem Jugendleiter-Blog und war über zehn Jahren in der Jugendarbeit aktiv, habe viele Jahre einen Verband geleitet und blogge hier seit mehr als 15 Jahren über meine Erfahrungen aus mehr als 100 Freizeittagen und 200 Gruppenstunden. Du findest hier fertige Gruppenstunden, Spiele, Freizeit-Ideen und mehr von mir. Die besten Spiele und Ideen sind als Bücher erschienen.

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