Projekt: eine Weltausstellung veranstalten

Was wäre, wenn Kinder und Jugendliche selbst zur Kuratorin und zum Kurator einer Weltausstellung werden? Dieses Projekt macht genau das möglich – und ist dabei viel mehr als Geografie-Unterricht.

Eine Weltkarte an der Wand, ein paar Flaggen und typisches Essen: Klingt nach einer Schulstunde – ist es aber nicht. Die Weltausstellung im Gruppenraum ist ein partizipatives Gemeinschaftsprojekt, bei dem Kinder und Jugendliche eigenständig Länder der Erde erforschen, aufbereiten und anderen vorstellen. Das Besondere daran: Nicht Faktenlernen steht im Mittelpunkt, sondern echtes Verstehen, kritisches Denken und das respektvolle Begegnen fremder Kulturen.

Und ja – Klischees sind dabei ausdrücklich verboten.

Die Grundidee: Nicht repräsentiert werden, sondern selbst repräsentieren

Bei echten Weltausstellungen präsentieren Länder sich selbst – mit ihren eigenen Geschichten, Errungenschaften und Perspektiven. Genau diesen Ansatz übertragt ihr in den Gruppenraum: Jede Kleingruppe übernimmt die Verantwortung für ein Land und entscheidet selbst, was sie zeigen will – und was eben nicht.

Das ist ein entscheidender Unterschied zu klassischen Referaten. Es geht nicht darum, eine Liste von Hauptstadt, Einwohnerzahl und Lieblingsessen abzuliefern. Es geht darum, zu fragen: Wie leben Menschen dort wirklich? Was bewegt sie? Was sind sie selbst stolz auf?


Vorbereitung: Länder zuweisen oder selbst wählen?

Ihr könnt die Länder per Los zuteilen oder die Kinder und Jugendlichen selbst wählen lassen. Beides hat Vor- und Nachteile:

  • Losverfahren: Verhindert, dass alle bekannte oder „coole“ Länder wählen – und fördert echte Entdeckungen. Besonders empfehlenswert!
  • Freie Wahl: Motiviert stärker, kann aber zu blinden Flecken auf der Weltkarte führen.

Ein guter Kompromiss: Die Gruppe legt gemeinsam fest, welche Kontinente oder Weltregionen vertreten sein sollen – dann wird innerhalb dieser Bereiche gelost. So entsteht eine wirklich vielfältige Ausstellung.

Tipp: Plant bewusst Länder aus dem Globalen Süden ein. Länder aus Subsahara-Afrika, Zentralasien oder der Karibik werden in solchen Projekten oft vergessen – dabei gibt es dort unglaublich viel zu entdecken.


Der Knackpunkt: Authentizität statt Klischee

Das ist die wichtigste pädagogische Aufgabe in diesem Projekt. Bevor die Gruppen loslegen, lohnt sich eine kurze, aber ehrliche Einstiegsrunde. Fragt gemeinsam: Welche Bilder habt ihr im Kopf, wenn ihr an dieses Land denkt? Woher kommen diese Bilder – aus Filmen, von Social Media, aus dem Urlaub?

Dann: Sind diese Bilder vollständig? Oder zeigen sie nur einen kleinen Ausschnitt?

Beispiele, die gut ankommen:

  • Brasilien ist nicht nur Karneval und Fußball – es ist auch ein Land mit einer der stärksten indigenen Kulturvielfalt weltweit.
  • Japan ist nicht nur Manga und Technologie – es hat auch eine lebendige ländliche Kultur, jahrhundertealte Handwerkstraditionen und eine intensive Diskussion über gesellschaftlichen Wandel.
  • Kenia ist nicht nur Savanne und Wildtiere – es ist auch ein Zentrum für Innovation, Literatur und Musikproduktion auf dem Kontinent.

Helft den Kindern und Jugendlichen, mindestens eine Perspektive zu finden, die überrascht – etwas, das die meisten Menschen nicht kennen.


Was gehört zum Ausstellungsstand?

Jede Gruppe gestaltet ihren eigenen Stand. Was genau dort zu finden ist, kann die Gruppe selbst entscheiden – aber folgende Elemente bieten sich an:

Pflicht-Elemente (gemeinsam festgelegt):

  • Name des Landes und geografische Einordnung (Karte)
  • Mindestens eine „überraschende Tatsache“, die Klischees bricht
  • Eine persönliche Geschichte oder ein Mensch aus diesem Land (real oder fiktiv)

Freie Elemente (Gruppe wählt selbst):

  • Musik oder ein Hörausschnitt
  • Etwas zum Anfassen (Stoff, Objekt, Pflanze, Gewürz)
  • Ein Kunstwerk, Foto oder selbst Gemaltes
  • Ein typisches Rezept – selbst zubereitet oder als Karte
  • Ein Quiz für Besucherinnen und Besucher
  • Ein kurzes Video oder eine Präsentation

Wichtig: Wer kein Smartphone oder Computer hat oder nutzen möchte, soll genauso gute Möglichkeiten haben wie alle anderen. Plant analoge Alternativen von Anfang an mit ein.


Recherchezeit: Wie helft ihr dabei?

Stellt eurer Gruppe gute Quellen zur Verfügung – und erklärt gleichzeitig, warum manche Quellen besser sind als andere. Ein paar Impulsfragen, die die Recherche lenken:

  • Wer hat das geschrieben – und aus welcher Perspektive?
  • Gibt es Menschen aus diesem Land, die selbst darüber schreiben oder erzählen?
  • Was würde eine Person aus diesem Land an eurem Stand gut finden – was würde sie stören?

Die letzte Frage ist besonders kraftvoll. Sie zwingt zur Empathie und zur Selbstreflexion.


Der Ausstellungstag: So läuft’s ab

Plant den Ausstellungstag am besten so, dass alle Gruppen gleichzeitig ihre Stände aufgebaut haben und die Besucherinnen und Besucher frei durch die Ausstellung schlendern – ähnlich wie auf einer echten Messe. Das sorgt für Bewegung, Gespräche und lebendige Atmosphäre.

Ablauf (Beispiel für einen 3-Stunden-Block):

  1. Aufbauphase (30 Min.): Alle Gruppen richten ihre Stände ein
  2. Ausstellungsrunde 1 (40 Min.): Eine Hälfte der Gruppe besucht, andere Hälfte betreut den Stand
  3. Wechsel (5 Min.)
  4. Ausstellungsrunde 2 (40 Min.)
  5. Abbau und Reflexion (30 Min.)

Damit alle Kinder und Jugendlichen auch andere Stände sehen können, empfiehlt sich das „Schichtmodell“: Innerhalb jeder Kleingruppe wechseln sich Besuchende und Standbetreuung ab.


Reflexion: Was haben wir gelernt – und was nicht?

Am Ende steht eine gemeinsame Auswertung. Keine Benotung, kein Ranking – sondern echte Fragen:

  • Was hat euch am meisten überrascht?
  • Welches Land würdet ihr gerne noch mehr kennenlernen?
  • Habt ihr ein Klischee entdeckt, das ihr vorher selbst geglaubt habt?
  • Was würdet ihr beim nächsten Mal anders machen?

Dieser letzte Punkt ist besonders wichtig: Wenn Kinder und Jugendliche merken, dass sie selbst Vorurteile hatten – und das ohne Scham ansprechen können – ist das ein echtes Lernmoment, der weit über das Projekt hinausgeht.


Variationen und Erweiterungen

Für kürzere Zeit: Nicht alle Länder gleichzeitig, sondern eine „Staffel-Ausstellung“ über mehrere Wochen – jede Woche stellt eine Gruppe ihr Land vor.

Für ältere Jugendliche: Fügt eine Gerechtigkeitsperspektive hinzu – Klimagerechtigkeit, Handelsbeziehungen, koloniale Geschichte. Was hat das, was wir konsumieren, mit dem jeweiligen Land zu tun?

Mit persönlichem Bezug: Falls Kinder oder Jugendliche in eurer Gruppe familiäre Wurzeln in bestimmten Ländern haben, fragt sie vorab behutsam, ob sie einbezogen werden möchten – aber setzt es nie voraus und stellt niemanden ungefragt in eine Experten-Rolle.

Digital: Fotografiert alle Stände, erstellt eine digitale Ausstellung und teilt sie (mit Einverständnis) in eurer Community.

Was ihr für das Projekt braucht
Tische oder Stellflächen für die Stände
Papier, Stifte, Bastelzeug
Internetzugang oder vorbereitete Materialien zur Recherche
Eine gemeinsam erstellte Checkliste, was zum Stand gehört
Gute Laune und Neugierde – der wichtigste Rohstoff

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Die Sommerferien stehen vor der Tür und bieten die perfekte Gelegenheit, kreative Aktionen zu planen. Lass dich inspirieren von Spielen und Rätseln, die deine Gruppe begeistern und für unvergessliche Erlebnisse sorgen werden.

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Daniel
Daniel
Hey, ich bin der Kopf hinter dem Jugendleiter-Blog und war über zehn Jahren in der Jugendarbeit aktiv, habe viele Jahre einen Verband geleitet und blogge hier seit mehr als 15 Jahren über meine Erfahrungen aus mehr als 100 Freizeittagen und 200 Gruppenstunden. Du findest hier fertige Gruppenstunden, Spiele, Freizeit-Ideen und mehr von mir. Die besten Spiele und Ideen sind als Bücher erschienen.

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