Einen Buchclub für Kinder & Jugendliche gründen

Immer mehr geraten Bücher in den Hintergrund, weil sie von Filmen, Serien, Videos und andere Medien abgelöst werden. Man könnte sagen, dass die Menschen immer weniger Lust und Motivation zum Lesen finden und richtig “lesefaul” werden. Wer schon mal ein gutes Buch gelesen und in den Händen gehalten hat, weiß, wie schade das eigentlich ist.
Der Vorteil beim Lesen ist nämlich, dass uns die Figuren zwar vorgestellt und beschrieben werden, wir sie jedoch genau wie die Umgebung selbst in unserem Kopf und unserer Fantasie ausmalen und anpassen können. Gleichzeitig erfahren wir mehr über das Innenleben der Figuren und wie sie eine Situation wahrnehmen. Das steigert die kreative Denkweise ungemein und sorgt außerdem dafür, dass wir in Sachen schreiben und lesen fit bleiben.

In diesem Beitrag finden Jugendleiter*innen Ideen, wie sie mit Kindern und Jugendlichen einen Buch- bzw. Leseclub gründen können. Von der Gründung bis zur Umsetzung werden hier einige eurer Fragen gezielt beantwortet.

Was ist ein Buchclub?

Zunächst müssen wir uns mit dem Begriff “Club” auseinandersetzen, um zu verstehen, was ein guter Buchclub ausmacht. Da ist zum einen der Aspekt, dass es sich um einen Verein bzw. eine Organisation von Menschen handelt. Es geht also in erster Linie um das Miteinander und eine gemeinsame Sache. Zum anderen beschäftigt sich ein Club oftmals mit einer bestimmten Thematik, wie wir im folgenden Teil feststellen werden.

Bezogen auf Bücher bedeutet das nämlich, dass die Menschen in einem Buch- oder Leseclub zusammenkommen, um über das Geschehen in einem bestimmten Buch zu sprechen und sich auszutauschen. Es werden Fragen geklärt, die Eigenschaften und Handlungen bestimmter Charaktere hinterfragen und diskutiert und der Horizont wird durch den Input der anderen Leder*innen um ein Vielfaches bereichert.

Ihr lest dazu ein von euch ausgewähltes, bestimmtes Buch bis zu einer Stelle. Dann findet wieder ein Treffen in eurem Buchclub statt und ihr sprecht darüber. Es gibt auch die Möglichkeit, in diesem Club gemeinsam weiterzulesen, indem beispielsweise jeder mal ein paar Zeilen oder Seiten vorliest.

Wie wird ein solcher Verband oder Verein gegründet?

Im Prinzip ist das ganz leicht: Ihr müsst euch vorab Gedanken machen, welche Art von Buchclub ihr sein wollt. Also beispielsweise, ob ihr wissenschaftliche Lektüren lesen wollt, gesellige oder was euch bzw. in erster Linie die Kinder und Jugendlichen sonst so interessiert.

Besprecht das Buch-Genre, welches vorzugsweise von euch gelesen wird. Dabei kommt es natürlich auch auf das Alter der Kinder und Jugendlichen an, die mitmachen wollen. Ein Thriller ist da logischerweise eher weniger geeignet, auch wenn er für euch und die älteren Teilnehmer*innen spannend sein mag. Und da kommen wir auch schon zum nächsten Punkt: Klärt, wer alles mitmachen möchte und geht dann gemeinsam in die Vorbereitungen und die Organisation über.

Die Vorbereitungen und Organisation

An der Stelle wird es langsam ernst, denn nun beginnen die ersten Vorbereitungen zu eurem ersten Buchclub-Treffen. Sammelt Ideen, wo der Club stattfinden soll, falls er nicht in einem Gruppenraum stattfindet. Dazu eignen sich ruhige Orte wie ein Wohnzimmer, ein eigener Gruppenraum, eine Bücherei oder auch ein virtuelles Gruppengespräch. Falls ihr euch für eine Bücherei entscheidet, ist es ratsam, vorab mit dieser zu besprechen, ob sie euch als Buchclub unterstützen möchten und ihr dort eure Treffen stattfinden lassen könnt.

Tipp: Achtet darauf, dass alle Teilnehmer*innen den ausgewählten Ort gut erreichen können und auch sicher wieder nach Hause kommen.

Habt ihr euch dann für einen Treffpunkt entschieden, besprecht ihr nun noch die Häufigkeit und den Zeitpunkt eurer Treffen und was das genaue Ziel sein soll. Also beispielsweise zwischen den Treffen 35 Seiten lesen oder 2 Kapitel und anschließend in dem Treffen drüber zu reden, zu philosophieren wie es weiter geht, oder gemeinsam weiterzulesen. Es geht in erster Linie darum, dass die Kinder und Jugendlichen des Clubs Gleichgesinnte finden, welche sich ebenso wie sie für die Lektüre begeistern können und darüber sprechen und sich austauschen wollen.

Auch die Verpflegung darf nicht fehlen. Wenn ihr euch über mehr als eine Stunde trefft, sind Snacks eine tolle Möglichkeit, um die Geselligkeit eurer Runde zu steigern. Doch auch Getränke sind sehr wichtig, denn ihr werdet viel sprechen, diskutieren, zuhören und eventuell ja auch vorlesen und da bekommt man schnell einen trocknen Mund.
Sorgt so also für eine angenehme und gut durchdachte Atmosphäre und Umgebung.

Findet man immer ein gemeinsames Oberthema für alle Bücher?

Es ist sehr schwierig, immer allen Wünschen, Bedürfnissen, Ideen und Interessen gerecht zu werden, ganz besonders dann, wenn die Gruppe wächst und eine große Teilnehmeranzahl bietet. Ihr habt aber verschiedene Optionen, wie ihr dem nachkommen könnt.
So könnt ihr beispielsweise mehrere kleine Buchclubs gründen, um so gezielter auf die Buchthemen der Kinder und Jugendlichen einzugehen. Andernfalls ist es auch möglich, bestimmte Buchclubs mit gezielten und von euch bereits ausgewählten Oberthemen anzubieten und hier den Club nach dem “Angebot-und-Nachfrage-Prinzip” zu gestalten.
Am einfachsten ist es jedoch, wenn ihr vorab mit den Teilnehmer*innen besprecht, dass ihr möglichst versucht, auf alle Wunsch-Bücher einzugehen, dies aber auch bedeutet, dass die Kinder und Jugendlichen vereinzelt Bücher lesen, die sie nicht so sehr interessieren, sich das aber immer wieder abwechselt. Macht deutlich, dass sich manche Titel sicherlich auch als lesenswert beweisen werden, auch wenn das Genre nicht unbedingt der “Lieblingsbereich” des Teilnehmenden ist. Wichtig in einem Buchclub ist also, offen für Neues zu sein. Es kann nicht immer alles nach der Nase eines*einer einzelnen laufen.

Diskussionsrunden mit dem richtigen Austausch

Damit auch ein fairer, guter und wertvoller Austausch zwischen den Kindern und Jugendlichen stattfinden kann, ist es wichtig, dass ihr über die Gesprächsregeln sprecht. Am besten macht ihr dazu sogar im Vorfeld gemeinsam ein Plakat, auf dem ihr aufschreibt, was euch beim Reden, zuhören und diskutieren wichtig ist.

Bestimmte Aspekte können dabei wie folgt sein:

  • Wir lassen einander ausreden und fallen uns nicht ins Wort.
  • Wir hören uns gegenseitig zu und versuchen auf den anderen einzugehen.
  • Wenn mich etwas nicht interessiert, halte ich mich zurück und warte auf ein Thema, bei dem ich mich wieder mehr einbringen kann.
  • Ich lasse mich auf Diskussionsansätze ein, darf meinen Standpunkt mitteilen, aber lasse auch andere Meinungen zu.
  • Damit wir alle die gleiche Chance haben, uns mitzuteilen, verhalte ich mich leise und ruhig. (Besonders in einer Bücherei wichtig!)

Ein Buchclub für alle!

In der Jugendarbeit ist es wichtig, allen Teilnehmer*innen die gleichen Chancen und Möglichkeiten zu bieten. Das bedeutet, dass ihr es allen Kindern und Jugendlichen ermöglichen solltet, sich die Bücher ausleihen zu können bzw. kostenlos Exemplare zu beschaffen. Eine Bibliothek sollte dazu bspw. mehrere Ausgaben eines Buches vorrätig und ausleihbar haben.

Übrigens: Ein Buchclub kann auch so ausgelegt werden, dass jede*r ein anderes Buch mitbringt und einzeln vorlest und anschließend drüber sprecht. Auch das Rotieren untereinander ist möglich, während ihr dabei ein Lesetagebuch führt. Dazu braucht ihr ebenfalls nicht zwingend eigene Bücher, sondern könnt in einer Bücherei stöbern und nach dem richtigen Exemplar für den Club suchen.

Es kommt also nicht darauf an, dass ihr immer die neuesten Geschichten vor euch habt und diese verschlingt, sondern um den gemeinsamen Austausch, den inspirierenden Diskussionen und das Fördern des Lese- und Schreibverständnisses, gerade bei Kindern und Jugendlichen.

Hilfreiche Tipps für den eigenen Buchclub mit Kindern und Jugendlichen

  1. Seid offen für Buchvorschläge und lasst euch auch auf Bücher ein, die ihr euch alleine vielleicht nicht zugelegt bzw. durchgelesen hättet.
  2. Achtet auf eine ruhige, gemütliche und gesellige Atmosphäre, damit auch schüchterne Kinder und Jugendliche sich trauen, an den Diskussionen teilzunehmen und sich auszutauschen.
  3. Überlegt euch die Finanzierungsmöglichkeiten. Vielleicht findet ihr Sponsoren, die euch Bücher kaufen oder zum Ausleihen zur Verfügung stellen können.
  4. Achtet auf eine angenehme Anzahl an Beteiligten. Zu viele Mitglieder können Unruhe in die Gruppe bringen und da ist es vorteilhaft, sich in mehrere kleinere Gruppen aufzuteilen.
  5. Sprecht darüber, wie viele Seiten ihr bis zum nächsten Treffen lesen könnt, ohne dass ihr in Stress geratet. Der Club soll schließlich Spaß machen und euch nicht unnötige Gefühle des Zwangs aufbürden.
  6. Versucht euch alle aktiv in den Unterhaltungen einzubringen und sprecht ggf. über Unsicherheiten und Möglichkeiten, wie ihr euch wohler fühlen könntet.
  7. Wichtig ist, dass ihr einander und ebenso die Meinung der anderen akzeptiert und dass offen und ehrlich.
  8. Es ist gut, wenn die Leser*innen sich bei und nach dem Lesen Gedanken zu dem Gelesenen machen. So vergessen sie wesentliche Aspekte der Geschichte nicht und können diese später bei euren Treffen besser einbringen.

Tipp: Stiftungen wie die “Stiftung Lesen” fördern die Gründung von Leseclubs und helfen so bei der finanziellen Ausstattung eures neuen Clubs. Damit könnt ihr Material, Bücher und Aufwände durch Fördermittel finanzieren und gerade zum Start so gute Hilfe bekommen. Alternativ könnt ihr auch Spenden sammeln und so Bücher anschaffen.

Ideen, wie ihr euren Buchclub weiter ausbauen könnt

Ihr wisst nun, wie ihr einen Buchclub gründen und erfolgreich führen könnt, sodass sowohl ihr als auch die Kinder und Jugendlichen eurer Gruppe Spaß daran haben. Doch um das Ganze noch zu optimieren, könnt ihr weitere Angebote mit einbeziehen, welche ihr ergänzend zu eurem Buchclub entwickelt.

Bei jüngeren Kindern ist es beispielsweise ratsam, nach jedem Kapitel ein Bild zu dem Geschehenen malen zu lassen und dieses an einer Wand aufzuhängen. So können sich die Kinder beim nächsten Mal ganz leicht daran erinnern, was im letzten Kapitel geschehen ist.

Gerne darf das auch umgesetzt werden, während ihr die Geschichte vorlest.
Bei älteren Kindern empfiehlt sich ein Lesetagebuch. Dieses kann dann entweder aus kleinen Zusammenfassungen der Kapitel bestehen oder aus Antworten zu drei Fragen, die ihr am Ende eines jeden Treffens stellt.

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Daniel
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