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Was vom „Mythos Fliegen“ übrig blieb

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Bei den Simpsons ist er einer der größten Schurke. Bei jedem Erscheinen hat er böses im Sinne. Einst haftete er Krusty ein Verbrechen an, wollte Bart umbringen und ganz Springfield in den Fluten eines Stausees ertränken. Doch dieser Mann sprach Worte, denen es Beachtung zu schenken gilt. In Folge „3F08 – Tingeltangel-Bobs Rache“ richtet sich Sideshow Bob an die Menge: „Früher war Fliegen noch ein Gentleman-Sport. Heutzutage kann sich jeder Quackel hinter ein Frühstücksbrett klemmen und nach Houston jetten.“ Er trifft den Nagel auf den Kopf.

Neulich machte ich mich auf den Weg von Münster-Osnabrück (in Pilotensprache: FMO) nach Venedig und musste traurigerweise feststellen, dass von der Faszination des Fliegens nur noch weniges übrig geblieben ist. Ein Abgesang auf den Mythos Fliegen:


FMOFolgen wir der Chronologie des Geschehens. Anreise zum Flughafen FMO mit dem Schnellbus, der dank des Semestertickets kostenlos für mich war. Rein in den Terminal, ran an den Schalter der TuiFly, keine Schlange, kein Warten und eine Frage, die ich schon seit langem nicht gehört habe: Am Fenster oder am Gang? Am Gang natürlich, besser für die Beine! Nach insgesamt 2 Minuten hatte ich eingecheckt und noch sage und schreibe 60 Minuten zur freien Verfügung bis die Boeing 737-700 nach Norditalien aufbrach. Ein kleines Schlendern hier, ein bissel gucken dort und hinauf zur Panorama-Terrasse, freilich kostenlos. Dreißig Minuten vor Abflug zum Gate, noch geschwind eine Flasche Cola für €1,05 und ab in den Flieger. Schnell kristallisierte sich heraus, dass aus Platz 9C die ganze Reihe 9 wurde, sechs Plätze für mich ganz allein, Video-Entertainment und Zeitschriften inklusive. „Ein Kissen für Sie?“ – sehr aufmerksam, dankeschön! Hatte ich schon erwähnt, dass die Reise mich insgesamt €22 kostete?

Und? Hat es mich glücklich gemacht? Wohlkaum! Wo versteckte sich hinter diesen ganzen Annehmlichkeiten die „Faszination Fliegen“? Das Aufregende? Das Spannende? Das Abenteuer? Das, warum Kinder sich ihre kleinen Nasen an einer Scheibe zerdrücken nur um ein Flugzeug fliegen zu sehen? Wo ist der Mythos Fliegen?

Viel berechtigter noch, was verstehe ich eigentlich unter dem „Mythos Fliegen?“: Ich möchte mich zwei Stunden am Frankfurter Kreuz verfahre und dann auch noch im Stau stehen. Der Satz „Das Flugzeug fliegt auch ohne uns“ gehört für mich zu jeder Flughafenanreise dazu. Erst nach mehreren Verlaufsvorhängen möchte ich meinen Schalter gefunden haben, an dem neben einer 100m langen Schlange nur noch ein verbliebener Platz im Raucherbereich (die Flugveteranen erinnern sich) auf mich wartet. Natürlich sitzen die ganzen Raucher im Nichtraucherbereich, sie haben ja schließlich Kinder und haben frühzeitig eingecheckt. Eigene Sitzreihe? Beinfreiheit? I wo! Wer braucht das schon? Die paar Stunden halte ich es auch im Mittelsitz zwischen zwei opulenten Damen aus, die drauf spekuliert hatten, dass der Platz zwischen Ihnen frei bleibt. Doch zu hoch gepokert meine Damen! Ihren Konversationsdrang und ihre körperliche Nähe schränkt dies jedoch in keinster Weise ein und ich nehme es dankend als zwischenmenschliche Beziehung hin und entzücke innerlich beim Gedanken daran, endlich mal wieder neue Leute „enger“ kennen zu lernen. Nun in der Luft erfreue ich mich an der monoton präsentierte Frage der Flugbegleiter: „Kaffee, Tee oder etwas aus dem steuerfreien Bordshop?“ Wusstet ihr, dass der „Verkauf von steuerfreien Waren aus dem Bordshop“ bei Tuifly mit folgender Frage eingeleitet wird „Möchten Sie etwas aus dem Servicewagen?“ Ja sind wir denn bei der Tour de France? Tretet ihn ruhig weiter mit Füßen, den Traum vom Fliegen. Der Vorgang des Fliegens war ja schon immer ein bissel langweilig, hier ist der Mythos vom Fliegen nicht auszurotten, er war an dieser Stelle niemals existent.

PadovaNun schauen wir doch mal auf die Ankunft und erblicken eine Welt, die vollkommen in Ordnung ist und die mit der Faszination Fliegen immer noch im Einklang steht. Herbstlicher Donnerstagnachmittag, Venedig Marco Polo Aeroporto, strömender Regen und insgesamt ein Wetter zum Weglaufen. Ankunft auf dem Vorfeld, parken und nun ein schöner Bustransfer im stehen. Rein in die Ankunftshalle und auf die Koffer warten, dauerte ein bissel, aber egal, man ist ja im Urlaub. Durst? Cola, sehr gerne, 3Euro die kleine Flasche. Nun schauen wir mal, wie man weiter kommt. „Public Transport“ ist das Zauberwort, bringt natürlich ein längeres Warten am Informationsstand mit sich. Zwischendurch mal an der Abflugshalle vorbeigeschaut, ein ähnliches Bild sowohl an den Schaltern als auch an der Sicherheitsschleuse, riesige Menschenschlangen, warten, warten, warten. Aber gehört das nicht alles zum Mythos Fliegen? Innerlich zufrieden denke ich: In Venedig ist die Welt noch in Ordnung! Und so soll es auch sein. Ich möchte warten, ich möchte im Laden abgezockt werden und ja, die möchte viel zu viel Geld für den Flug bezahlt haben. Und nein, ich möchte nicht in 10 Minuten vom Münchener Hauptbahnhof zum Flughafen Franz-Josef-Strauß kommen, Transrapid nein danke!

In diesem Sinne stimmen wir ein mit Sideshow Bob: Früher war Fliegen noch ein Gentleman-Sport. Heutzutage kann sich jeder Quackel hinter ein Frühstücksbrett klemmen und nach Houston jetten…

P.S. Ich bin mir überaus im Klaren, dass hier weder “RUF” noch das Thema “Jugendreisen” angeschnitten wird, aber es musste einfach mal gesagt werden, dass der Mythos Fliegen in Gefahr ist ;-)

4 KOMMENTARE

  1. Hallo!! ich kann nur einen Beitrag über Parkplätzen in Venedig geben:
    das Saba Venezia Mestre Hauptbahnhof Parken .. jemand kennt dieses Parken? Es ist nicht so teuer wie andere Parken (€ 80.00 gespart für 4 Tage!!) und es ist mit dem Santa Lucia Hauptbahnhof sehr gut verbindet!! Außerdem, gibt es auch einen Abschnitt von € 30.00 zu einkaufen !! Schau mal :
    http://www.sabait.it

  2. Ich finds eigentlich recht erfrischend. da haben wir ja einen Philosophen als neuen Autor ;-) Mal gespannt, was demnächst in Verbindung mit Freizeiten folgt… Die Fotos sind ein wenig groß finde ich…

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Daniel
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