Schule, Freundschaften, Familie oder die eigenen Erwartungen an sich selbst erzeugen Druck bei den meisten Jugendlichen. In dieser Gruppenstunde geht es darum, sich bewusst zu machen, wo jede*r aktuell steht, welche Dinge gut laufen und wo Unsicherheiten bestehen.
Aufwärmspiel: Balanceakt
Zum Einstieg stellt ihr eine kleine spielerische Aufgabe: Die Gruppe bildet einen Kreis. Ein Freiwilliger oder eine Freiwillige stellt sich in die Mitte und versucht, auf einem Bein das Gleichgewicht zu halten. Nach einigen Sekunden wird es erschwert, indem der- oder diejenige die Augen schließt. Danach wird das Experiment erneut gemacht, diesmal darf die Person sich mit den Händen an zwei anderen Personen im Kreis festhalten. Die Reflexion folgt direkt danach: Was war leichter? Warum ist es wichtig, Unterstützung anzunehmen?
Einführung des Themas: Was bedeutet Kontrolle?
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Die Gruppe setzt sich in einen Stuhlkreis. Jede*r bekommt einen kleinen Zettel und schreibt spontan drei Dinge auf, die gerade in ihrem oder seinem Leben gut laufen und drei Dinge, die problematisch sind. Anschließend werden die Zettel gefaltet und in eine Box geworfen. Ohne Namen zu nennen, zieht die Gruppenleitung einige Zettel und liest die Inhalte vor. Dabei geht es nicht darum, einzelne Probleme zu lösen, sondern zu erkennen, dass viele in der Gruppe ähnliche Herausforderungen erleben. Anschließend folgt ein kurzes Gespräch: Was bedeutet es, „alles im Griff“ zu haben? Ist das überhaupt realistisch? Wie fühlt es sich an, wenn man glaubt, die Kontrolle zu verlieren?
Hauptteil: Die Einfluss-Zonen
Nun geht es darum, gemeinsam herauszufinden, welche Dinge jede*r selbst beeinflussen kann und wo es notwendig ist, loszulassen. Dafür wird auf einem großen Plakat ein Kreis gemalt, der in drei verschiedene Bereiche unterteilt wird. Jede dieser Zonen steht für eine unterschiedliche Form von Einfluss:
1. Der direkte Einfluss umfasst all jene Dinge, die jede*r unmittelbar und eigenständig verändern kann. Dazu gehören zum Beispiel die eigene Zeiteinteilung, das Verhalten gegenüber anderen oder die Entscheidung, wie man auf eine bestimmte Situation reagiert. Wer etwa merkt, dass die Hausaufgaben zu lange dauern, kann überlegen, die eigene Arbeitsweise zu ändern. Wer sich über einen Streit ärgert, entscheidet selbst, ob er oder sie aktiv das Gespräch sucht oder sich zurückzieht. In dieser Kategorie liegt also die größte Kontrolle, da Veränderungen direkt aus eigener Kraft umgesetzt werden können.
2. Der indirekte Einfluss betrifft Situationen, auf die man zwar Einfluss nehmen kann, die aber nicht allein von einem selbst abhängen. Beispiele hierfür sind schulische Noten, Konflikte mit Freund*innen oder die Option, in ein Team oder eine Gruppe aufgenommen zu werden. Wer sich um bessere Noten bemüht, kann zwar lernen und sich anstrengen, aber die endgültige Bewertung liegt in den Händen der Lehrkraft. Ähnlich verhält es sich mit zwischenmenschlichen Beziehungen: Man kann versuchen, ein Problem zu klären oder ein Gespräch anzustoßen, doch die Reaktion des Gegenübers bleibt unvorhersehbar.
3. Kein Einfluss – dieser äußere Bereich umfasst all jene Dinge, die sich dem persönlichen Einfluss vollständig entziehen. Das Wetter, politische Entscheidungen auf hoher Ebene oder unerwartete Veränderungen im Umfeld gehören dazu. Wer beispielsweise ein Outdoor-Treffen geplant hat und dann von Regen überrascht wird, kann daran nichts ändern. In solchen Fällen bleibt nur, alternative Lösungen zu finden oder sich bewusst dafür zu entscheiden, die Situation so anzunehmen, wie sie ist.
Um dieses Konzept greifbarer zu machen, bekommen die Jugendlichen Zettel mit verschiedenen Situationen aus ihrem Alltag. Darauf stehen Szenarien wie: „Ein*e Lehrer*in ist ungerecht“, „Ein*e Freund*in meldet sich nicht zurück“, „Ich habe eine wichtige Prüfung“, „Meine Eltern erlauben mir etwas nicht“ oder „Ein geplantes Treffen fällt aus“. Gemeinsam überlegen sie, in welche der drei Kategorien diese Situationen gehören. Dabei wird schnell deutlich, dass es nicht immer eine eindeutige Zuordnung gibt. Falls sich Unsicherheiten ergeben oder Meinungen stark auseinandergehen, greift ihr als Leitung moderierend ein.
Spiel: Der Weg zum Ziel
Nun folgt ein Bewegungsspiel, das die Probleme des Alltags in eine körperliche Erfahrung übersetzt. Im Raum werden Hindernisse wie Stühle oder Seile auf dem Boden aufgebaut, die einen Parcours darstellen. Zwei Jugendliche bekommen jeweils die Augen verbunden und müssen sich durch den Parcours bewegen. Die restliche Gruppe gibt Anweisungen, um sie sicher hindurchzuführen. Danach wird das Spiel reflektiert: War es schwer, sich auf andere zu verlassen? Hatte man das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren oder zu gewinnen? Was bedeutet das für den Alltag?
Abschlussrunde und Verabschiedung
Zum Abschluss wird noch einmal die Frage gestellt: „Habe ich alles im Griff?“ Die Jugendlichen können ihre Gedanken aus der Stunde teilen oder sagen, was sie mitnehmen. Wer möchte, kann auch einen Satz vervollständigen wie „Ich habe heute gelernt, dass…“ oder „Etwas, das ich mitnehmen möchte, ist…“. Danach werden alle mit einem positiven Gefühl verabschiedet, indem ihr betont, dass es völlig normal ist, nicht immer alles unter Kontrolle zu haben und dass man lernen kann, damit umzugehen.
Weiterführende Links zur Recherche für Jugendleiter*innen
Material:
Zettel, Stifte, Plakate, Klebeband, eventuell Musik

