Vollständig ausgearbeitete Gruppenstunde

Gruppenstunden-Modul: Stammtischparolen kontern

Eintreten gegen Extreme, Demokratie

14-17 Jahre

indoor

90min
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Wie reagiere ich, wenn im Klassenchat eine Parole fällt? Diese Gruppenstunde gibt Jugendlichen einen geschützten Übungsraum, um genau das auszuprobieren – ohne Belehrung, mit viel Selbermachen. Sie setzt die Methode aus dem Grundlagenartikel „Stammtischparolen kontern“ praktisch um.

Wichtig vorab: deine Haltung
Du moderierst, du belehrst nicht. Gib keine Meinung vor – das Überwältigungsverbot des Beutelsbacher Konsens gilt auch hier. Benenne zu Beginn die rote Linie: Bei strafbaren Aussagen (z. B. Holocaustleugnung) wird nicht diskutiert, hier zeigst du klar Haltung und brichst ab. Mehr dazu im Grundlagenartikel.

Der Ablauf

Phase 0 – Ankommen & Regeln (10 Min.)

Kurz erklären, worum es geht: kein Test, kein Schlagabtausch, sondern ein Übungsraum. Drei Regeln gemeinsam festhalten: respektvoller Umgang, jede*r darf aussteigen, und was hier gesagt wird, bleibt hier. Die rote Linie ansprechen.

Phase 1 – Parolen sammeln (15 Min.)

Frage in die Runde: „Welche Sprüche habt ihr schon gehört – auf dem Schulhof, im Chat, in Kommentaren?“ Die Jugendlichen schreiben sie auf Karten (auch anonym möglich) und heften sie an die Pinnwand. Erfahrungsgemäß kommt schnell eine ganze Wand zusammen. Wichtig: Es geht um reale Sätze aus ihrer Lebenswelt, nicht um Lehrbuchbeispiele.

Phase 2 – Muster erkennen (15 Min.)

Gemeinsam ein paar Karten genauer ansehen: Was steckt dahinter? Sortiert nach Mustern wie Pauschalisierung („die machen alle …“), Angstmache, Sündenbock-Logik oder Themenwechsel/Whataboutism. Die Jugendlichen merken: Hinter den meisten Parolen stecken wenige, wiederkehrende Maschen – und die kann man durchschauen.

Phase 3 – Kontertechniken kennenlernen (15 Min.)

Jetzt den Spickzettel austeilen und die Techniken durchgehen (siehe unten). An ein, zwei gesammelten Parolen gemeinsam vormachen, wie eine Technik konkret klingt. Betone besonders den Fokuswechsel: Ziel ist nicht, die Person umzustimmen, sondern die Mitzuhörenden zu erreichen.

Phase 4 – Üben im Rollenspiel (25 Min.)

Das Herzstück. In Zweier-Teams: Eine Person bringt eine Parole, die andere kontert zwei Minuten lang mit den Techniken. Danach Rollen tauschen. Wer mag, spielt eine Runde vor der Gruppe. Variante „Speed-Dating“: nach zwei Minuten rotieren, neue Paarung, neue Parole. Das senkt den Druck und bringt Tempo rein.

Phase 5 – Auswertung & Transfer (10 Min.)

Abschlussrunde: Was hat sich gut angefühlt? Was war schwer? Den Kerngedanken sichern – man muss nicht gewinnen, es reicht, sichtbar zu widersprechen. Zum Schluss die Frage: „Was nimmst du dir für das nächste Mal konkret vor?“


Der Spickzettel (zum Ausdrucken)

So konterst du eine Parole:

  1. Nachfragen: „Wen genau meinst du? Woher hast du das?“
  2. Pauschalisierung knacken: „Wirklich alle? Kennst du auch Gegenbeispiele?“
  3. Widerspruch zeigen: Den Denkfehler oder Widerspruch benennen.
  4. An die Zuhörer denken: Du sprichst für die, die zuhören – nicht für die Parole.
  5. Kurz halten: Position beziehen, ruhig bleiben, nicht endlos diskutieren.
  6. Rote Linie: Bei Hetze oder strafbaren Aussagen nicht diskutieren – Haltung zeigen, ggf. Hilfe holen, melden oder blocken.

Szenario-Karten (Beispiele)

Diese alltagsnahen Parolen eignen sich für die Rollenspiele – passe sie an das an, was deine Gruppe selbst genannt hat:

  • „Die nehmen uns doch nur die Arbeitsplätze weg.“
  • „Man wird ja wohl noch sagen dürfen.“
  • „Die wollen sich doch gar nicht integrieren.“
  • „Klimaschutz bei uns bringt nichts, solange China weitermacht.“
  • „Früher war alles besser.“

Bewusst keine Slurs oder strafbaren Aussagen: An solchen Sätzen lässt sich Argumentieren üben, ohne Hass zu reproduzieren.

Altersvarianten

Mit Jüngeren (13–14) kürzer halten, mehr Beispiele vormachen und stärker auf die digitale Ebene (Chat) fokussieren. Mit Älteren (16+) kann die Auswertung tiefer gehen: Warum fällt Widerspruch so schwer, wenn die Parole von Freunden kommt? Hier lohnt ein Blick auf Gruppendruck und kognitive Dissonanz.

Stolperfallen für die Leitung

  • Nicht selbst ins Dauer-Dozieren geraten – die Gruppe arbeitet, du moderierst.
  • Niemanden zur „Parolen-Rolle“ zwingen; Freiwilligkeit schützt.
  • Keine echten Streits zulassen – es bleibt ein Übungsraum.
  • Toxische Positivität vermeiden: Sorgen der Jugendlichen ernst nehmen, nicht wegwischen.

Zum Weiterlesen

Auf dem Jugendleiter-Blog:

Externe Quellen & Material:

Material: Moderationskarten, Stifte, Pinnwand oder Plakat, ausgedruckter Spickzettel (siehe oben), optional Szenario-Karten

Daniel
Daniel
Hey, ich bin der Kopf hinter dem Jugendleiter-Blog und war über zehn Jahren in der Jugendarbeit aktiv, habe viele Jahre einen Verband geleitet und blogge hier seit mehr als 15 Jahren über meine Erfahrungen aus mehr als 100 Freizeittagen und 200 Gruppenstunden. Du findest hier fertige Gruppenstunden, Spiele, Freizeit-Ideen und mehr von mir. Die besten Spiele und Ideen sind als Bücher erschienen.

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