Gerade für Jugendliche sind familiäre Treffen oft eine Mischung aus Liebe, Überforderung und purer Anstrengung. In dieser Gruppenstunde sollen die Jugendlichen mithilfe von „Verwandtschaftstreffen“ von RIAN sich damit auseinandersetzen, wie sie solche Situationen selbst erleben.
- Aufwärm-Methode: Typische Familiensätze als Einstieg
- Einführung des Themas für die Kinder und Jugendlichen
- Arbeit am Thema: Song hören und Reflexion
- Arbeit am Thema: Familienrollen sichtbar machen
- Arbeit am Thema: Konfliktbewältigung durch Rollenspiele
- Spiel: Der Familientisch
- Abschlussrunde und Verabschiedung
- Weiterführende Links zur Recherche für Jugendleiter*innen
Aufwärm-Methode: Typische Familiensätze als Einstieg
Um die Jugendlichen behutsam ins Thema einzuführen, beginnt die Stunde mit einer kleinen Sammlung typischer Familiensätze. Lest einige prägnante Aussagen vor, die wohl fast jede*r schon einmal gehört hat. Sätze wie: „Wie läuft’s denn in der Schule?“, „Früher war alles ganz anders.“, „Hast du zugenommen?“, oder „Wann bringst du endlich mal jemanden mit nach Hause?“. Nach jeder Aussage wird eine kurze Pause gemacht. Die Jugendlichen dürfen mit einem Handzeichen signalisieren, ob sie diesen Satz schon einmal gehört haben. Nach und nach entsteht eine Atmosphäre, in der viele leise schmunzeln oder sich direkt wiedererkennen.
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Einführung des Themas für die Kinder und Jugendlichen
Erklärt anhand des Songs, dass Familienfeste oft voller Erwartungen, unausgesprochener Konflikte und generationsübergreifender Missverständnisse stecken. Der Song zeigt humorvoll, wie Gespräche ganz harmlos beginnen und dann plötzlich kippen. Jugendliche erleben in solchen Situationen häufig ein Dazwischen: Sie sind alt genug, vieles zu verstehen, aber manchmal noch zu jung, um selbstbewusst Position zu beziehen oder sich dem Geschehen zu entziehen. Genau hier setzt diese Gruppenstunde an und gibt den Jugendlichen einen sicheren Raum, über ihre Erlebnisse zu sprechen.
Arbeit am Thema: Song hören und Reflexion
Nun hören sich die Jugendlichen gemeinsam den Song „Verwandtschaftstreffen“ an. Jede*r bekommt den Liedtext ausgedruckt. Während des Hörens markieren sie Zeilen, die sie ansprechen, aufrütteln oder an eigene Situationen erinnern. Direkt danach beginnt die gemeinsame Reflexion. Die Szene, in der der Onkel alkoholisiert seine Exfrau kritisiert, die Tante mit den Verschwörungstheorien oder der politisch provozierende Opa – fast jede*r kennt solche oder ähnliche Situationen. Stellt behutsam Fragen: Wer sitzt bei euch auf solchen Feiern oft am Rand? Wer provoziert? Wer versucht zu schlichten? Und wo steht ihr selbst? Die Jugendlichen werden ermutigt, über eigene Empfindungen zu sprechen.
Arbeit am Thema: Familienrollen sichtbar machen
Nachdem die Jugendlichen einen ersten Einblick in die typischen Konfliktdynamiken erhalten haben, wird im nächsten Schritt noch genauer hingeschaut. Legt vorbereitete Kärtchen mit verschiedenen Rollen auf einen Tisch. Diese Rollen umfassen beispielsweise den politisch lauten Opa, die überkritische Tante, den ständig drängelnden Onkel, die alles relativierende Mutter, die schweigsame Tochter oder den ironisch ausweichenden Jugendlichen. Jede*r darf sich eine Rolle auswählen, die er*sie aus der eigenen Familie kennt, selbst übernimmt oder schon häufiger beobachtet hat. In Kleingruppen wird anschließend gemeinsam besprochen, warum Menschen in Familien solche Rollen einnehmen, was hinter bestimmten Verhaltensweisen stehen könnte und wie sich die Jugendlichen selbst dabei fühlen, wenn sie diese Situationen miterleben.
Arbeit am Thema: Konfliktbewältigung durch Rollenspiele
In kleinen, einfachen Rollenspielen werden konkrete Situationen nachgestellt, wie sie sich auf vielen Familienfeiern abspielen. Bereitet dazu verschiedene Szenarien vor, zum Beispiel: die Tante kommentiert das Aussehen, der Onkel provoziert, die Oma erkundigt sich drängend nach dem Liebesleben oder die Eltern äußern ungefragt Berufsvorstellungen. Zwei Freiwillige übernehmen jeweils die Rollen. Nach der kurzen Spielsituation wird gemeinsam analysiert, wie die Jugendlichen reagiert haben und welche Optionen es gäbe, um sich abzugrenzen, ohne die Situation weiter eskalieren zu lassen. Die Jugendlichen sollen erleben, dass es möglich ist, freundlich aber bestimmt die eigenen Grenzen zu wahren.
Spiel: Der Familientisch
In der Mitte des Raumes wird ein Stuhlkreis aufgebaut, der symbolisch einen großen Familientisch darstellt. Reihum nehmen die Jugendlichen an diesem Tisch Platz. Werft typische Gesprächsimpulse in den Raum, die so oder ähnlich bei Familienfeiern vorkommen könnten: „Wann willst du denn endlich mal Kinder?“, „Also früher hätten wir uns so etwas nicht erlauben dürfen!“, „Du solltest vielleicht mal ein bisschen Sport machen.“ Die Jugendlichen am Tisch dürfen spontan auf diese Aussagen reagieren. Die übrigen Gruppenmitglieder beobachten, wie ihre Mitspieler*innen antworten und geben anschließend Rückmeldung.
Abschlussrunde und Verabschiedung
In der Abschlussrunde erhalten die Jugendlichen kleine Zettel. Auf diese dürfen sie – anonym – drei kurze Gedanken notieren: Einen Satz, den sie beim nächsten Familienfest einmal aussprechen möchten, einen Satz, den sie künftig besser ignorieren wollen und einen Satz, der ihnen helfen kann, ruhig und gelassen zu bleiben. Mit diesen kleinen Erinnerungen an die heutige Gruppenstunde gehen die Jugendlichen gestärkt in zukünftige Begegnungen mit ihrer Familie. Beendet die Stunde mit einem letzten Impuls: In jeder Familie gibt es Spannung und Reibung. Perfekte Harmonie ist selten. Doch es lohnt sich, eigene Strategien zu entwickeln. Niemand muss sich klein machen, niemand muss immer mitdiskutieren. Aber jede*r darf lernen, sich selbst zu schützen.
Weiterführende Links zur Recherche für Jugendleiter*innen
Material: Lautsprecher, Ausdrucke des Songtexts, Stifte, große Papierbögen, Rollenspielkarten, Affirmationskarten, Reflexionszettel, Box

