Jugendleiter*innen gewinnen und halten

Teil 2: Jugendleiter*innen gewinnen

Wer Menschen für die Jugendarbeit begeistern will, muss dort ansetzen, wo Menschen sind. Das klingt selbstverständlich – und doch läuft die Suche nach neuen Jugendleiter*innen in vielen Organisationen noch immer nach dem gleichen Schema ab: ein Aushang am schwarzen Brett, eine kurze Ansage im Gruppenabend, vielleicht ein Post auf Facebook. Und dann das enttäuschte Warten.

Das funktioniert manchmal. Aber es reicht nicht mehr. In diesem Kapitel schauen wir uns an, was wirklich wirkt – und warum.


Wo und wie ihr potenzielle Engagierte erreicht

Die Frage ist nicht nur wo ihr Menschen findet, sondern auch wann und wie ihr sie ansprecht. Engagement entsteht oft in einem bestimmten Lebensmoment – nach dem Abitur, nach einem Umzug, nach dem Ende einer Beziehung. Menschen, die gerade etwas Neues suchen, sind empfänglicher für Angebote.

Schulen und Berufsschulen Gerade für junge Erwachsene zwischen 16 und 22 Jahren ist die Schule ein wichtiger Ort. Soziale Projekte, Projektwochen, Kooperationen mit Schulklassen – das sind Wege, um Menschen früh mit der Jugendarbeit in Berührung zu bringen. Wer einmal erlebt hat, wie toll es ist, eine Gruppe zu leiten, ist viel eher bereit, das weiterzumachen.

Soziale Netzwerke und digitale Kanäle Instagram, TikTok, YouTube – dort sind die Menschen, die ihr ansprechen wollt. Wichtig dabei: Keine Hochglanzwerbung, sondern authentische Einblicke. Zeigt, was Jugendarbeit wirklich bedeutet. Echte Momente, echte Menschen, echte Geschichten. Kurze Videos, in denen Jugendleiter*innen erzählen, warum sie dabei sind, wirken oft stärker als jeder Werbeflyer.

Lokale Communitys und Netzwerke Moscheen, Kirchengemeinden, Kulturvereine, Sportclubs – viele engagierte Menschen sind bereits in anderen Kontexten aktiv. Eine gute Zusammenarbeit und gegenseitige Empfehlung kann Türen öffnen, die ihr allein nicht gefunden hättet.

Hochschulen und FSJ-Stellen Studierende suchen oft nach Praxiserfahrung, nach Projekten, die zu ihrem Studium passen – und nach sinnvoller Freizeitgestaltung. Ein FSJ oder Bundesfreiwilligendienst kann außerdem ein guter Einstieg in ein längerfristiges Ehrenamt sein.

Das eigene Netzwerk Nicht unterschätzen: Die beste Werbung kommt oft aus dem eigenen Team. Wenn Jugendleiter*innen begeistert sind, erzählen sie davon – ihren Freund*innen, Geschwistern, Kommiliton*innen. Diese persönlichen Empfehlungen haben eine Wirkung, die kein Flyer erreicht.


Ansprache, die wirkt – authentisch und einladend

Es gibt einen entscheidenden Unterschied zwischen einer Bitte und einer Einladung. Eine Bitte signalisiert: Wir haben ein Problem, und du könntest es lösen. Eine Einladung signalisiert: Wir haben etwas Tolles, und du könntest ein Teil davon sein.

Die meisten Aufrufe zur Mitarbeit in der Jugendarbeit klingen wie Bitten. Manchmal sogar wie Notrufe: „Wir suchen dringend Unterstützung!“ Das schreckt eher ab als an.

Was eine gute Ansprache ausmacht:

  • Konkret statt vage: Nicht „Wir suchen Jugendleiter*innen“, sondern „Wir suchen jemanden, der einmal im Monat Samstagnachmittag mit unserer Gruppe bastelt und spielt.“
  • Nutzen benennen: Was hat die Person davon? Was lernt sie, was erlebt sie, wen trifft sie?
  • Geschichten erzählen: Ein konkretes Erlebnis – eine besondere Aktion, ein bewegender Moment, eine lustige Anekdote – bleibt viel mehr im Gedächtnis als allgemeine Aussagen.
  • Echte Menschen zeigen: Lasst eure aktuellen Jugendleiter*innen sprechen. Ihre Worte klingen anders als Werbetext – weil sie es meinen.
  • Den ersten Schritt niedrigschwellig halten: „Komm einfach mal vorbei und schau, wie’s ist“ ist eine viel leichtere Einladung als „Werde Jugendleiter*in“.

Praxistipp: Schreibt gemeinsam im Team drei bis fünf kurze „Warum-ich-dabei-bin“-Geschichten. Nutzt sie für euren Social-Media-Kanal, für Flyer oder für persönliche Gespräche. Echte Stimmen wirken.


Niedrigschwellige Einstiege und Schnuppermöglichkeiten schaffen

Einer der wichtigsten Grundsätze beim Gewinnen von Ehrenamtlichen lautet: Macht den ersten Schritt so klein wie möglich.

Wer noch nie in der Jugendarbeit aktiv war, weiß nicht, ob es zu ihm oder ihr passt. Das ist keine Ausrede – das ist eine berechtigte Unsicherheit. Eure Aufgabe ist es, einen Rahmen zu schaffen, in dem Menschen gefahrlos ausprobieren können.

Mögliche Formate:

  • Schnuppertag oder -abend: Einmal dabei sein, ohne sich zu verpflichten. Zuhören, mithelfen, Fragen stellen – und dann entscheiden.
  • Einzelaktionen: Wer eine Hürde vor dem regelmäßigen Engagement hat, kann erst mal an einem einmaligen Projekt mitmachen. Wenn’s gut war, kommt oft mehr.
  • Projektbezogenes Engagement: Statt „Werde festes Teammitglied“ lieber: „Hilf uns bei unserem Sommerfest“ oder „Begleite uns auf der Herbstfreizeit.“ Wer so einsteigt, kommt häufig wieder.
  • Co-Leitung: Neue Jugendleiter*innen müssen nicht sofort alleine stehen. Als Co-Leitung an der Seite einer erfahrenen Person zu beginnen, ist für viele der angenehmste Einstieg.
  • Digitale Beteiligung: Nicht jeder kann sofort vor Ort dabei sein. Wer hilft, einen Social-Media-Kanal zu betreuen, Fotos zu machen oder ein Konzept zu entwickeln, baut trotzdem eine Bindung auf.

Wichtig: Niedrigschwellige Einstiege bedeuten nicht, dass ihr keine Qualität erwartet. Es bedeutet, dass ihr Menschen dort abholt, wo sie sind – und ihnen Zeit gebt, anzukommen.


Mund-zu-Mund-Werbung: Begeisterte Ehrenamtliche als beste Botschafter*innen

Die Forschung zu Ehrenamt ist eindeutig: Der häufigste Grund, warum Menschen sich engagieren, ist die persönliche Ansprache durch jemanden, den sie kennen. Nicht der Flyer. Nicht der Instagram-Post. Das direkte Gespräch.

Das bedeutet: Eure wichtigsten „Werbekanäle“ sitzen bereits in eurem Team.

Was das konkret bedeutet:

  • Redet mit euren Jugendleiter*innen darüber, wie wichtig persönliche Einladungen sind. Wer aus eurem Umfeld könnte sich vorstellen, mitzumachen? Wen könnten sie heute noch ansprechen?
  • Schafft Anlässe, bei denen potenzielle Neue einfach dabei sein können – ohne Verpflichtung. Ein Grillfest, ein Kennenlernabend, eine offene Probenaktion.
  • Macht Begeisterung sichtbar: Menschen, die mit Freude über ihre Arbeit sprechen, sind ansteckend. Gebt ihnen Raum dafür – in Gesprächen, in sozialen Netzwerken, in eurem Newsletter.

Eine begeisterte Jugendleiterin, die ihrer besten Freundin von einem wunderbaren Wochenende erzählt, ist wertvoller als jede Werbekampagne. Helft ihr, diese Begeisterung zu teilen.

Reflexionsfrage: Wann habt ihr eure Jugendleiter*innen zuletzt explizit darum gebeten, Menschen aus ihrem Umfeld anzusprechen? Was hat dabei geholfen – oder was hat gefehlt?

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Autor*in

Daniel
Daniel
Hey, ich bin der Kopf hinter dem Jugendleiter-Blog und war über zehn Jahren in der Jugendarbeit aktiv, habe viele Jahre einen Verband geleitet und blogge hier seit mehr als 15 Jahren über meine Erfahrungen aus mehr als 100 Freizeittagen und 200 Gruppenstunden. Du findest hier fertige Gruppenstunden, Spiele, Freizeit-Ideen und mehr von mir. Die besten Spiele und Ideen sind als Bücher erschienen.