Kennt ihr das? Die Gruppenstunde läuft eigentlich gut – aber ein Kind ruft ständig dazwischen, läuft herum, macht Quatsch, provoziert andere oder bringt immer wieder Unruhe in die Gruppe. Ihr erklärt etwas, und genau dann kommt ein Kommentar. Ihr startet ein Spiel, und plötzlich werden Regeln absichtlich verdreht. Ihr wollt weitermachen, aber ein großer Teil eurer Aufmerksamkeit landet immer wieder bei diesem einen Kind.
Das kann anstrengend sein. Für euch als Leitung, aber auch für die Gruppe. Schnell entsteht das Gefühl: „Schon wieder!“ Und manchmal rutscht man dann in eine Dauerschleife aus Ermahnen, Unterbrechen und Genervtsein. Das ist verständlich – hilft aber oft nur kurzfristig.
Denn störendes Verhalten hat fast immer einen Grund. Das bedeutet nicht, dass alles okay ist oder ihr jedes Verhalten hinnehmen müsst. Aber es lohnt sich, nicht nur auf das Verhalten zu schauen, sondern auch auf das Bedürfnis dahinter. Vielleicht sucht das Kind Aufmerksamkeit. Vielleicht ist es überfordert. Vielleicht versteht es die Aufgabe nicht. Vielleicht braucht es Bewegung, Sicherheit, eine klare Rolle oder eine Pause. Manchmal ist Stören auch ein Versuch, Unsicherheit zu überspielen oder Kontrolle zu bekommen.
Hilfreich ist deshalb ein doppelter Blick: klar bleiben – und gleichzeitig zugewandt. Ihr dürft Grenzen setzen. Kinder und Jugendliche brauchen Orientierung. Gleichzeitig hilft es, das Kind nicht vor der ganzen Gruppe bloßzustellen. Statt immer wieder laut zu ermahnen, kann ein kurzer Kontakt oft mehr bewirken: neben das Kind stellen, Blickkontakt aufnehmen, leise ansprechen, eine kleine Aufgabe geben oder es bewusst positiv einbinden.
Wichtig ist auch, nicht erst dann Kontakt aufzunehmen, wenn etwas schiefläuft. Sucht bewusst gute Momente: Begrüßt das Kind persönlich, gebt ihm eine kleine Verantwortung, lobt konkrete Beiträge und zeigt: Du bist nicht nur „das Kind, das stört“. Gerade Kinder, die häufig anecken, erleben oft viele negative Rückmeldungen. Eine verlässliche, wertschätzende Beziehung kann viel verändern.
Natürlich braucht es trotzdem klare Absprachen. Wenn ein Verhalten andere stört, verletzt oder gefährdet, muss es benannt werden. Möglichst ruhig, konkret und ohne lange Diskussion: „Ich möchte, dass du beim Erklären sitzen bleibst, damit alle zuhören können.“ Oder: „Wenn du gerade Bewegung brauchst, geh bitte einmal mit Lisa vor die Tür und komm dann wieder dazu.“ So bleibt die Grenze klar, ohne das Kind als Person abzuwerten.
Direkt ausprobieren:
Wählt in der nächsten Gruppenstunde bewusst eine positive Kontaktaufnahme, bevor es schwierig wird. Sprecht das Kind beim Ankommen freundlich an, gebt ihm eine kleine Aufgabe oder fragt: „Was brauchst du heute, damit du gut mitmachen kannst?“ Achtet darauf, mindestens einmal konkret positives Verhalten zurückzumelden.
Fürs Leitungsteam:
Vereinbart vorher, wer das Kind besonders im Blick hat und wer die Gruppe weiterleitet, falls eine kurze Einzelansprache nötig wird. Sprecht außerdem nach der Gruppenstunde kurz darüber: Wann trat das störende Verhalten auf? Was könnte der Auslöser gewesen sein? Was hat geholfen? So entsteht nach und nach ein gemeinsamer, ruhiger Umgang statt spontaner Einzelreaktionen.

