Wenn Zahnstocher zum TikTok-Risiko werden
Zahnstocher werden auf TikTok gerade nicht als Hygieneprodukt, sondern als Lifestyle-Accessoire inszeniert: lässig im Mundwinkel, mit Geschmack, als Kaugummi- oder Zigarettenersatz. Problematisch wird der Trend, weil aromatisierte Zahnstocher optisch kaum von nikotinhaltigen Varianten zu unterscheiden sind. Expert*innen warnen, dass Kinder und Jugendliche dadurch niedrigschwellig an Nikotin herangeführt werden können. Laut Berichten können einzelne Nikotinzahnstocher sogar mehrere Milligramm Nikotin enthalten; Bestellungen aus dem Ausland seien teils ohne wirksame Alterskontrolle möglich. An Schulen ist der Trend bereits sichtbar, eine Münchner Realschule verbot Zahnstocher deshalb ganz. Für Jugendliche ist daran nicht nur der Stoff reizvoll, sondern auch die Pose: erwachsen wirken, auffallen, dazugehören. Genau deshalb sollte der Trend nicht nur als „Quatsch aus TikTok“ abgetan werden, sondern als Mischung aus Statussymbol, Gruppendruck und möglichem Suchtrisiko verstanden werden.
Ableitungen für die Jugendarbeit
Jugendleiter*innen sollten das Thema ruhig und ohne Panik aufgreifen: Nicht jeder Zahnstocher ist ein Suchtmittel, aber die Unklarheit ist das Problem. In Gruppenstunden oder Ferienlagern kann vereinbart werden, dass Zahnstocher im Mund wegen Verletzungs- und Nachahmungsrisiken nicht dazugehören. Wichtiger als Verbote allein ist Medien- und Konsumkompetenz: Warum wirkt etwas „cool“? Wer verdient daran? Und warum sind Geschmack, Verpackung und TikTok-Ästhetik oft gezielt jugendnah gestaltet?
Diskussionsfragen für deine Gruppe
- Warum können so einfache Dinge wie Zahnstocher plötzlich cool wirken, wenn sie auf TikTok auftauchen?
- Woran erkennt man, ob ein Trend harmlos, riskant oder gezielt vermarktet ist?
- Wie kann man in einer Gruppe reagieren, wenn jemand etwas ausprobiert, nur um dazuzugehören?

