10 Spiele und Methoden für Jugendliche: Biografiearbeit kreativ gestalten

Jugendliche sind nicht nur „im Werden“, sondern auch geprägt von dem, was war. Erfahrungen, Beziehungen, Entscheidungen und Umwege formen ihre Identität – oft, ohne dass sie diese bewusst wahrnehmen. Die Biografiearbeit eröffnet ihnen die Möglichkeit, ihre persönliche Geschichte zu betrachten, Sinn in Erlebtem zu entdecken und den eigenen Lebensweg aktiv mitzugestalten.

Dabei geht es nicht darum, alles zu analysieren oder schmerzhaft zu durchleuchten, sondern um kreative Reflexion: Was hat mich geprägt? Was nehme ich mit? Was will ich hinter mir lassen – und wo möchte ich hin? Durch Symbole, Bilder, Musik und Bewegung werden Lebensgeschichten lebendig. Jugendliche gewinnen so Selbstvertrauen, weil sie erkennen, dass sie Expert*innen für ihr eigenes Leben sind – mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Alle Methoden dieses Kapitels laden dazu ein, die eigene Biografie als Schatz zu begreifen – und sich als Handelnde*r im eigenen Lebensbuch zu erleben.

1. Zeitstrahl

Die Jugendlichen gestalten einen persönlichen Zeitstrahl ihres bisherigen Lebens. Auf einem langen Papierstreifen markieren sie wichtige Stationen – z. B. „Mein erster Schultag“, „Ein Umzug“, „Der Tod meiner Oma“, „Das erste Konzert“, „Der Beginn eines Hobbys“. Je nach Wunsch können sie Text, Symbole oder kleine Zeichnungen verwenden. Die Zeitstrahlen werden anschließend betrachtet: Was war mir wichtig? Was hat mich verändert? Wer möchte, stellt ausgewählte Stationen in der Gruppe vor. Die Methode hilft, das eigene Leben als Entwicklungslinie wahrzunehmen und bedeutsame Erfahrungen zu würdigen.

Material: Lange Papierbögen (z. B. Tapetenreste), Lineale, Stifte, Klebematerial, ggf. Vorlagen

2. Lebensrucksack

In dieser Übung packen die Jugendlichen einen symbolischen „Lebensrucksack“: Was habe ich an Erfahrungen, Fähigkeiten, Erinnerungen und Menschen dabei, die mich begleiten und stärken? Die Inhalte können gezeichnet, geschrieben oder als Gegenstände aus einem bereitgestellten Materialpool ausgewählt und in eine (Papier-)Tasche gelegt werden. Anschließend stellen sie ihre gepackten Rucksäcke vor oder beschriften sie mit Werten oder Stichworten. Diese Methode macht Ressourcen sichtbar und zeigt, wie viel Jugendliche schon mitbringen – oft mehr, als ihnen bewusst ist.

Material: Papiertüten oder Rucksack-Vorlagen, Stifte, Bastelmaterial, Symbole, ggf. kleine Gegenstände

3. Biografiekoffer

Hier geht es um die Frage: Was erzählt etwas über mich? Die Jugendlichen gestalten einen symbolischen Koffer – aus Schuhkartons oder Papier – und „füllen“ ihn mit Erinnerungsstücken: gezeichnete Fotos, Texte, Gegenstände, Orte, Musik, Lieblingsdinge. Alles, was ihnen für ihre Geschichte wichtig erscheint, bekommt darin einen Platz. Der Koffer kann mit Collagen, Farben oder Symbolen verziert werden. In kleinen Gruppen werden die Koffer vorgestellt. Die Methode stärkt das Selbstbewusstsein und macht die eigene Geschichte sichtbar – nicht als Lebenslauf, sondern als Erzählung.

Material: Schuhkartons oder Papier-Vorlagen, Zeitschriften, Kleber, Scheren, Deko-Material

4. Lebenslinie

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Auf einem DIN-A3-Papier zeichnen die Jugendlichen eine „Lebenslinie“ – eine Linie, die sich je nach Lebensphase hebt oder senkt. Hochphasen stehen für gute Zeiten, Tiefpunkte für herausfordernde Erfahrungen. Entlang dieser Linie markieren sie Ereignisse, Wendepunkte, wichtige Personen oder Gefühle. Diese können mit Symbolen oder kurzen Sätzen versehen werden. Die Linie darf auch kurvig, unterbrochen oder bunt sein. In der Reflexion geht es um die Frage: Wo waren Herausforderungen, wo bin ich gewachsen? Diese Methode zeigt, dass Entwicklung nie linear verläuft – und dass auch Tiefen Teil der eigenen Geschichte sind.

Material: A3-Papier, Stifte, evtl. Vorlage mit Linie als Orientierung

5. Song meines Lebens

Musik ist oft mit Erinnerungen verknüpft. In dieser Methode wählen die Jugendlichen einen oder mehrere Songs aus, die eine bestimmte Lebensphase oder ein Gefühl für sie repräsentieren. Sie schreiben auf, warum sie diesen Song gewählt haben: Was erinnert mich daran? Wie ging es mir damals? Was spiegelt sich im Text oder in der Stimmung wider? Wer möchte, kann den Song in der Gruppe vorspielen oder vorstellen. Diese Methode nutzt den emotionalen Zugang über Musik, um über sich selbst ins Gespräch zu kommen – oft mit großer Offenheit.

Material: Musikgeräte oder Smartphones, Kopfhörer (optional), Arbeitsblätter oder Blankopapier, Stifte

6. Fotoalbum der Zukunft

Diese Übung richtet den Blick nach vorn: Die Jugendlichen gestalten ein „Fotoalbum der Zukunft“. Auf einzelnen Seiten oder einem großen Plakat entwerfen sie Lebensstationen, die sie sich wünschen – z. B. „Meine erste eigene Wohnung“, „Mein Beruf“, „Eine Reise“, „Ein großer Moment“. Sie können malen, ausschneiden, schreiben oder zeichnen. Ziel ist es, Lebensvisionen zu formulieren – ohne Zwang zur Realität. In der Auswertung geht es um Träume, Möglichkeiten und nächste kleine Schritte. Die Methode gibt Mut und Orientierung.

Material: Papier, alte Magazine, Kleber, Scheren, Stifte, ggf. Vorlagen für Fotoalbum-Seiten

7. „Damals war ich…“

Diese einfache, aber kraftvolle Schreibübung lädt zum Rückblick ein: „Damals war ich …, heute bin ich …“. Die Jugendlichen schreiben kurze Sätze zu einer früheren Version von sich selbst – z. B. im Alter von sechs, neun oder zwölf Jahren. Was hat sich verändert? Was geblieben? Was hat sie geprägt? Die Ergebnisse können auf Karten oder in Heftform gesammelt werden. Im Anschluss kann ein freiwilliger Austausch stattfinden. Diese Reflexion hilft Jugendlichen, Entwicklung sichtbar zu machen und sich selbst mit Wohlwollen zu betrachten.

Material: Schreibpapier oder vorbereitete Karten, Stifte

8. Familienrad

Identität ist immer auch mit Herkunft verbunden. In dieser Methode gestalten die Jugendlichen ein Familienrad – ein Kreis, in dem sie wichtige Personen aus ihrem familiären Umfeld eintragen: Eltern, Großeltern, Geschwister, Patchwork-Familien, Bezugspersonen. Zu jeder Person schreiben sie Eigenschaften, Werte, gemeinsame Erlebnisse. Das Rad zeigt: Wer hat Einfluss auf mich genommen? Wer begleitet mich? Wer fehlt? Die Übung eignet sich gut als Einstieg in familiäre Reflexion – und macht familiäre Vielfalt sichtbar.

Material: Kopiervorlage für das Familienrad oder leeres Kreisdiagramm, Stifte

9. Wegweiser

Die Jugendlichen erstellen einen symbolischen Wegweiser mit wichtigen Stationen und Entscheidungen ihres bisherigen Lebens. Dafür schreiben sie auf kleine Holzstäbchen oder Papierpfeile Situationen wie „Schulwechsel“, „Trennung“, „Neue Freundschaft“, „Hobby entdeckt“. Diese werden auf ein Blatt oder in eine Bodenstation (z. B. Blumentopf mit Knete) gesteckt. In der Auswertung geht es darum: Welche Entscheidungen waren wichtig? Was hätte auch anders verlaufen können? Wo bin ich meinem Weg gefolgt – oder habe ihn selbst verändert?

Material: Holzstäbchen, Papierpfeile, Kleber, Blumentöpfe mit Knete/Sand oder Plakate

10. Erinnerungskiste

Für diese Methode bringt jede*r ein oder zwei Gegenstände mit, die etwas mit der eigenen Geschichte zu tun haben – z. B. ein Kuscheltier, ein Musikinstrument, ein Foto, ein Stein vom Lieblingsort. Diese „Erinnerungskiste“ wird gemeinsam geöffnet. Jede*r erzählt etwas zu einem mitgebrachten Objekt. Alternativ kann eine Kiste auch symbolisch gefüllt werden – mit gemalten oder beschriebenen Gegenständen. Die Übung schafft emotionale Tiefe, stärkt die Selbstakzeptanz und lässt auch stille Teilnehmende zu Wort kommen – durch Dinge, die für sie sprechen.

Material: Karton oder dekorierte Box, ggf. Papier für symbolische Gegenstände, Stifte

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Daniel
Daniel
Hey, ich bin der Kopf hinter dem Jugendleiter-Blog und war über zehn Jahren in der Jugendarbeit aktiv, habe viele Jahre einen Verband geleitet und blogge hier seit mehr als 15 Jahren über meine Erfahrungen aus mehr als 100 Freizeittagen und 200 Gruppenstunden. Du findest hier fertige Gruppenstunden, Spiele, Freizeit-Ideen und mehr von mir. Die besten Spiele und Ideen sind als Bücher erschienen.

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