Fabel: Der glitzernde Rabe

Auf einer großen Wiese stehen ein klein wenig voneinander entfernt zwei große, alte Eichen. In der einen Eiche wohnt ein Rabe, in der anderen Eiche hat sich eine Elster ihr Nest gebaut. Obwohl die Vögel nur wenige Meter voneinander trennen, reden sie kein einziges Wort miteinander. Sie haben schon viele Geschichten über sich gehört, denn immer wieder wird im Dorf über sie geredet.

Mit jedem Sonnenstrahl wird der Rabe von dem Funkeln in der anderen Eiche geblendet. Das Elsternnest funkelt so doll, dass sich der Sonnenschein ganz oft darin spiegelt. Der Rabe wurde traurig – gerne hätte er auch so ein schönes Nest. Nachdenklich flog er los. Mitten im Flug hält er inne und schaut nach unten. „Das muss es sein“, denkt er und setzt zur Landung an. Auf dem Boden liegen unendlich viele Kronkorken, die im Sonnenschein herrlich funkeln. Schnell packt der Rabe sich einen Kronkorken und fliegt zu seinem Nest. Um mächtiger als die Krähe zu strahlen, versucht er so viele blinkende Verschlüsse wie möglich in sein Nest zu bringen. 

Am frühen Abend sitzt er erschöpft auf einem großen Ast. Da kommt die Elster nach Hause. Sie hat etwas Glitzerndes in ihrem Schnabel. Sie schaut den Raben von oben herab an und fliegt sofort wieder los. Der Rabe macht sich keine großen Sorgen, denn er denkt, dass er das Versteck der Elster gefunden hat und will morgen die anderen funkelnden Gegenstände in sein Nest holen. Zufrieden und stolz auf seine Leistung schläft der Rabe ein. 

Am nächsten Morgen wird er jedoch nicht wie sonst von der Sonne geweckt. Diesmal reißt ihn lautes Gebrüll aus dem Schlaf. Zwischen den großen Eichen stehen die Dorfbewohner. Sie haben Stöcke in der Hand und versuchen, den Raben zu treffen. Hilfesuchend schaut dieser zu der anderen Eiche hinüber, doch die Elster ist nicht da. Der Rabe überlegt und weiß nicht, was er machen soll. Genau in diesem Moment landet ein riesiger Stock in seinem Nest. Der Rabe flattert erschrocken auf den Boden und kurz neben ihm landet sein Schatz, den er am Tag zuvor so mühsam gesammelt hatte. 

Die Dorfbewohner sind sicher, den Dieb nun gefasst zu haben. Doch als sie in das Nest des Raben gucken, staunen sie nicht schlecht. Alles was sie zu sehen bekommen, sind glitzernde Kronkorken von alten Glasflaschen. In diesem Moment kommt die Elster angeflogen. In ihrem Schnabel glitzert und funkelt es. Als die Elster sieht, was passiert ist, fällt ihr vor Schreck die Beute aus dem Schnabel und landet genau vor einem der Dorfbewohner. Dieser hebt das funkelnde Etwas auf und hebt es in die Luft. Nun wird es allen klar – nicht der Rabe hat den funkelnden Schmuck gestohlen, sondern die Elster. Ab sofort wollen sie nie mehr vorschnell urteilen.

Daniel
Danielhttps://www.jugendleiter-blog.de
Hallo, schön, dass du hier vorbeischaust. Ich bin der Kopf hinter dem Jugendleiter-Blog und bin seit über 10 Jahren in der Jugendarbeit aktiv, habe viele Jahre einen Verband geleitet und blogge hier über meine Erfahrungen aus mehr als 100 Freizeittagen und 200 Gruppenstunden. Meine besten Spiele und Ideen sind als Bücher erschienen.

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