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Smartphone im Ferienlager: Zwischen Verbot, Kontrolle und Vertrauen

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Zitat einer Instagram-Nutzerin

Sie steht wieder vor der Tür: Die großartige Zeit, in der ihr gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen ins Sommerlager aufbrecht. Eine Woche Spiel, Spaß und Abenteuer. Gemeinsam raus aus dem Alltag, neue Freundschaften knüpfen und Natur und Umwelt hautnah erleben. Passt da ein Smartphone rein?

In vielen Ferienlagern wird im Vorfeld darum gebeten, Smartphones nicht mit ins Ferienlager zu nehmen. Und dennoch ist es meist das gleiche Bild: In den Sanitärräumen fügt sich an den Steckdosen ein Smartphone ans Nächste.

Auf Instagram habe ich euch in den Stories gefragt, ob bei euch im Ferienlager die Mitnahme und Nutzung von Handys erlaubt ist. Wie ihr abgestimmt habt, könnt ihr der folgenden Grafik entnehmen:

handy-ferienlager
nicht-repräsentative Befragung auf instagram.com/jugendleiter

Dass der Anteil der Ferienlager mit Handy-Verbot so hoch ist, hat mich dann doch überrascht. Dass ich generelle Verbote nicht sinnvoll finde und Smartphones Chancen für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen bieten, habe ich in diesem Artikel bereits vorgestellt. Die Argumente, dort für die Gruppenstunde, gelten genau so auch für das Ferienlager.

Und sind wir ehrlich: Ein Ferienlager bietet so viele Möglichkeiten, um tolle Fotos, Snaps, Stories und Videos mit dem Smartphone zu machen. Warum also nicht im Rahmen von klaren Regeln Smartphones erlauben? Eure Öffentlichkeitsarbeit kann von solchen Medien nur profitieren.

Smartphone-Regeln im Ferienlager

image-from-rawpixel-id-387690-jpeg-300x200Wie können solche Regeln also aussehen? Ihr solltet festlegen, dass die Smartphones nicht während des Programms genutzt werden dürfen. Auch beim Essen oder während der Erfüllung von Diensten sollten Smartphones in der Hosentasche stecken bleiben. Je nach Alter solltet ihr auch festlegen, ab wann in der Nacht das Smartphone im Rucksack bzw. im Koffer bleiben muss. Aber warum sollten Kinder und Jugendliche in der Freizeit nicht die Chance haben, Fotos zu machen und sich kreativ auszuleben?

Besonders interessant ist für mich die Idee der „Auszeit-Kiste“, die auf Instagram genannt wurde. Kinder und Jugendliche können sich ganz bewusst und freiwillig für eine Handy-Auszeit entscheiden und ihr Handy bei der Lagerleitung abgeben. Wie es ihnen damit geht, andere Ablenkungen und Projekte können dann in einer eigenen „Handy-frei-AG“ besprochen und umgesetzt werden. Dies setzt für mich einen ganz besonderen Fokus auf Grundprinzipien der Jugendarbeit, wie Freiwilligkeit und Selbstbestimmung.

Ebenso lohnt sich ein Blick auf die Einsatzmöglichkeiten von Smartphones in der Programmgestaltung, zum Beispiel beim gemeinsamen Erstellen eines Films oder bei Schnitzeljagden, die mit digitalen Tools noch abwechslungsreicher werden können.

Sinnvoll ist es auch, gemeinsam mit den Teilnehmern Konsequenzen zu definieren, die bei Verstößen greifen. Das erhöht aus meiner Erfahrung heraus massiv die Akzeptanz, wenn dann doch mal Konsequenzen gezogen werden müssen.

UND: Natürlich müssen sich auch die Jugendleiter diesen Regeln unterwerfen. Ihr seid immerhin eine Gemeinschaft, die sich gemeinsam Regeln gibt und in der das Betreuungsteam ein gutes Beispiel abgeben sollte. Daher: Seid Vorbilder und legt selbst das Smartphone zur Seite und nutzt es nur in der Freizeit.

Vertrauen ist gut, …

und Kontrolle bessern? Nun, das führt zu der Frage, wie ihr das Einhalten der Regeln kontrollieren könnt. Nun, erst einmal durch wache Augen. Wenn ihr Regelverstöße feststellt, sucht das Gespräch mit den Teilnehmern, zieht nicht direkt strenge Konsequenzen.

Bei erneuten Verstößen zieht dann die gemeinsam verordneten Konsequenzen durch. Appelliert dabei auch an die Vernunft und holt in Erinnerung, dass die Regeln und Folgen gemeinsam vereinbart worden sind.

Wie viel Kontrolle braucht es?

Insbesondere untertags würde ich nicht dazu tendieren, zu stark zu kontrollieren. Wenn sich Teilnehmer aus dem Programm wegen ihres Smartphones zurückziehen, bekommt ihr das sowieso mit. Dann heißt es, die Teilnehmer direkt auf den Regelverstoß anzusprechen.

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Zitat einer Instagram- Nutzerin

In der Nacht würde ich keine zusätzlichen Kontrollen nur wegen Smartphones einsetzen. Waren wir nicht alle früher auch länger auf (auch wenn es keine Smartphones gab) und haben noch heimlich Karten gespielt, Musik mit dem Discman gehört oder haben das andere Geschlecht in ihren Zelten besucht?

Ein Smartphone ist da nicht schlimmer – es ist einfach eine andere Art, die Nachtruhe zu umgehen. Und ein wenig gehört das ja auch zum Spiel „Teilnehmer vs. Jugendleiter“ in einem Ferienlager, oder?

Grenzen & Konsequenzen

Sicherlich ist das Einziehen des Handys eine der härtesten Konsequenzen, die gezogen werden kann. Ein absolutes No-Go ist das Kontrollieren der Inhalte des Smartphones. Hier haben die Teilnehmer einen persönlichen Schutzbereich, in den ihr nicht eingreifen solltet.

Mögliche Konsequenzen, die ihr über Instagram gesammelt habt:

Mein Tipp: Die Konsequenzen (wie oben schon erwähnt) vorab gemeinsam mit der Gruppe definieren. Damit erhaltet ihr eine deutlich höhere Akzeptanz.

Eure Meinung ist gefragt

Nun bin ich auf eure Erfahrungen mit Smartphones im Ferienlager gespannt. Sind diese bei euch erlaubt? Welche Regeln gibt es? Lasst es mich in den Kommentaren wissen.

Dieser Artikel ist mein Beitrag zur SCHAU HIN!-Blogparade „Vertrauen und Kontrolle in der Medienerziehung„.

Mehr dazu auch im Jugendleiter-Podcast:

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Danielhttps://www.jugendleiter-blog.de
Hallo, schön, dass du hier vorbeischaust. Ich bin der Kopf hinter dem Jugendleiter-Blog und bin seit über 10 Jahren in der Jugendarbeit aktiv, habe viele Jahre einen Verband geleitet und blogge hier über meine Erfahrungen aus mehr als 100 Freizeittagen und 200 Gruppenstunden. Meine besten Spiele und Ideen sind als Bücher erschienen.

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Hallo, schön, dass du hier vorbeischaust. Ich bin der Kopf hinter dem Jugendleiter-Blog und bin seit über 10 Jahren in der Jugendarbeit aktiv, habe viele Jahre einen Verband geleitet und blogge hier über meine Erfahrungen aus mehr als 100 Freizeittagen und 200 Gruppenstunden. Meine besten Spiele und Ideen sind als Bücher erschienen.

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