Künstliche Intelligenz produziert heute Texte, Bilder, Stimmen und Videos in Sekundenschnelle. In sozialen Netzwerken tauchen immer mehr Inhalte auf, die automatisch generiert wurden. Manche sind kreativ und hilfreich – andere wirken beliebig, irreführend oder einfach nur massenhaft produziert. Für dieses Phänomen hat sich der Begriff „AI-Slop“etabliert: Inhalte, die schnell und ohne großen Aufwand durch KI erstellt werden und das Internet zunehmend fluten.
Für Kinder und Jugendliche stellt sich damit eine neue Herausforderung: Wie gehe ich mit Medien um, wenn ich nicht mehr sicher sein kann, was von Menschen und was von Maschinen stammt? Diese Gruppenstunde greift das Thema auf und fördert Medienkompetenz. Dabei steht nicht nur die Frage „Echt oder Fake?“ im Mittelpunkt, sondern vor allem die Fähigkeit, Inhalte kritisch zu bewerten.
Die Gruppenstunde eignet sich besonders für Kinder und Jugendliche ab etwa 11–12 Jahren und kann gut im Rahmen einer medienpädagogischen Einheit stattfinden.
Einstiegsspiel: Echt oder Fake?
Zum Start zeigst du der Gruppe verschiedene Beispiele: ein KI-generiertes Bild, ein echtes Foto, einen kurzen Text, ein mögliches KI-Bild oder eine Schlagzeile. Die Kinder und Jugendlichen müssen spontan entscheiden: „Echt oder Fake?“
Sie positionieren sich beispielsweise im Raum (eine Seite „Echt“, die andere „Fake“) oder stimmen mit Handzeichen ab. Danach löst du kurz auf. Wichtig: Hier geht es nicht darum, dass jemand „gewinnt“. Oft liegen selbst Erwachsene falsch – und genau das ist der Punkt.
Kurze Gesprächsrunde: Wie sicher wart ihr euch? (10 Minuten)
Nun reflektiert ihr gemeinsam:
- Woran habt ihr eure Entscheidung festgemacht?
- Was war leicht zu erkennen?
- Was war schwierig?
- Wie fühlt es sich an, wenn man sich nicht sicher sein kann?
Dabei merken viele schnell: Die Grenze zwischen echt und künstlich wird immer schwieriger zu erkennen.
Input: Was ist eigentlich „AI-Slop“?
Nun führst du kurz in das Thema ein. Erkläre in einfachen Worten:
ℹ️ KI kann heute Bilder, Videos, Stimmen und Texte erzeugen
ℹ️ Dadurch entstehen im Internet riesige Mengen an Inhalten
ℹ️ Viele davon werden schnell produziert und haben wenig Qualität
ℹ️ Diese Inhalte nennt man manchmal „AI-Slop“
Ein gutes Bild für Kinder und Jugendliche ist: Wie Fast Food im Internet – schnell produziert, überall verfügbar, aber nicht immer besonders wertvoll.
Sammlung: Wo begegnet euch das im Alltag?
Jetzt dürfen die Kinder und Jugendlichen Beispiele aus ihrem Alltag sammeln. Fragen können sein:
- Wo habt ihr schon KI-Bilder gesehen?
- Welche Inhalte wirken „komisch“ oder künstlich?
- Gibt es Videos oder Accounts, bei denen ihr euch nicht sicher seid?
Die Antworten können auf einem großen Plakat gesammelt werden. Typische Beispiele sind: TikTok-Videos mit KI-Stimmen, seltsame Instagram-Bilder mit unrealistischen Motiven, automatisch generierte Bilder von Prominenten sowie KI-Kommentare oder Bots.
Diskussion: Ist „Echt oder Fake?“ überhaupt die richtige Frage?
Nachdem ihr euch bereits mit KI-generierten Inhalten beschäftigt habt, lohnt sich ein Perspektivwechsel. Häufig wird beim Thema künstliche Intelligenz sofort die Frage gestellt: „Ist das echt oder ist das Fake?“ Doch diese Frage wird mit der Weiterentwicklung von KI immer schwieriger zu beantworten – und möglicherweise auch immer weniger hilfreich.
Stellt der Gruppe daher bewusst die provokante Frage:
Wenn KI immer besser wird – ist „Echt oder Fake?“ überhaupt noch die wichtigste Frage im Internet?
Gebt den Kindern und Jugendlichen einen Moment, darüber nachzudenken, und sammelt anschließend erste spontane Reaktionen. Viele werden zunächst sagen, dass es natürlich wichtig ist zu wissen, ob etwas echt ist. Andere werden vielleicht einwerfen, dass sie bei vielen Inhalten im Internet ohnehin nicht sicher sind.
Nun kann das Gespräch vertieft werden. Macht gemeinsam deutlich, dass sich unsere Medienwelt verändert hat. Früher war die Annahme oft: Ein Foto zeigt etwas, das tatsächlich passiert ist. Ein Text wurde von einem Menschen geschrieben. Heute können Bilder, Stimmen und sogar Videos künstlich erzeugt werden – und sie können trotzdem überzeugend wirken.
Damit verschiebt sich die eigentliche Herausforderung. Vielleicht geht es nicht mehr nur darum, ob etwas echt ist, sondern auch darum, welche Bedeutung ein Inhalt hat und wie wir damit umgehen.
Hilfreiche Gesprächsimpulse können sein:
❓ Muss ein Bild unbedingt echt sein, damit es interessant oder kreativ ist?
❓ Wenn eine KI eine Geschichte schreibt, kann sie trotzdem spannend oder inspirierend sein?
❓ Wann wird es problematisch, wenn KI-Inhalte nicht als solche erkennbar sind?
❓ Worauf sollten wir achten, bevor wir etwas glauben oder weiterteilen?
In vielen Gruppen entsteht hier eine spannende Diskussion. Einige Kinder und Jugendliche merken schnell, dass sie Inhalte oft nach anderen Kriterien bewerten: ob sie unterhaltsam sind, ob sie sinnvoll erscheinen oder ob sie zu dem passen, was sie bereits wissen.
Hier könnt ihr gemeinsam herausarbeiten, dass Medienkompetenz heute mehr bedeutet als nur „Fake erkennen“. Wichtiger wird die Fähigkeit, Inhalte kritisch zu hinterfragen. Dazu gehört zum Beispiel zu überlegen:
ℹ️ Wer hat diesen Inhalt erstellt?
ℹ️ Warum wurde er veröffentlicht?
ℹ️ Will mich jemand informieren, unterhalten oder vielleicht auch manipulieren?
ℹ️ Kann ich dieser Quelle vertrauen?
Diese Perspektive hilft Kindern und Jugendlichen, sich nicht ausschließlich auf die Suche nach Fälschungen zu konzentrieren. Stattdessen lernen sie, Inhalte bewusst einzuordnen und kritisch zu bewerten.
Am Ende dieses Abschnitts kann ein kurzer Gedanke stehen, der die Diskussion zusammenfasst:
In einer Welt mit immer mehr KI-Inhalten ist vielleicht nicht mehr nur entscheidend, ob etwas „echt“ ist – sondern ob wir lernen, klug und verantwortungsvoll mit Informationen umzugehen.
Dieser Gedanke bildet eine gute Überleitung zur nächsten Phase der Gruppenstunde, in der die Teilnehmenden selbst Kriterien entwickeln können, um Inhalte im Internet besser zu beurteilen.
Gruppenarbeit: Drei Fragen für gute Inhalte
Teile die Gruppe in kleine Teams. Jede Gruppe entwickelt drei Fragen, die helfen können, Inhalte im Internet zu bewerten. Beispiele könnten sein:
❓ Wer hat diesen Inhalt erstellt?
❓ Warum wurde er veröffentlicht?
❓ Kann ich der Quelle vertrauen?
❓ Will mich jemand beeinflussen?
❓ Passt das zu anderen Informationen?
Danach stellen die Gruppen ihre Fragen vor.
Praxisübung: KI selbst ausprobieren
Wenn möglich, nutzt ihr jetzt ein KI-Tool (z. B. Text- oder Bildgenerator). Aufgabe: Die Gruppe erstellt gemeinsam etwas, zum Beispiel:
- ein Bild zur „verrücktesten Ferienfreizeit der Welt“
- eine kurze Geschichte über eine Jugendgruppe
- ein absurdes Werbeplakat
Danach schaut ihr euch das Ergebnis an.
Fragen:
- Was wirkt überzeugend?
- Was wirkt komisch oder unrealistisch?
- Würde man merken, dass KI beteiligt war?
Reflexionsrunde: Wie wollen wir KI nutzen?
Zum Ende reflektiert ihr gemeinsam:
➡️ Wann kann KI sinnvoll sein?
➡️ Wann kann sie problematisch werden?
➡️ Welche Verantwortung haben wir beim Teilen von Inhalten?
Hier können Kinder und Jugendliche auch eigene Regeln formulieren.
Abschlussimpuls: Medienkompetenz statt Angst
Zum Abschluss der Gruppenstunde lohnt sich ein kurzer gemeinsamer Blick auf das, was Kinder und Jugendliche heute im Internet erleben. Bilder, Videos und Texte können inzwischen von künstlicher Intelligenz erstellt werden – oft so überzeugend, dass man kaum noch erkennen kann, was von Menschen und was von Maschinen stammt. Deshalb reicht es nicht mehr aus, nur nach „Fake“ zu suchen.
Viel wichtiger ist eine andere Fähigkeit: kritisch mit Medien umzugehen. Kinder und Jugendliche brauchen Werkzeuge, um Inhalte zu hinterfragen. Dazu gehört, sich zu fragen, wer hinter einem Beitrag steckt, welche Absicht dahinter stehen könnte und ob eine Information vertrauenswürdig wirkt.
Medienkompetenz bedeutet deshalb auch, Verantwortung zu übernehmen: nicht alles sofort zu glauben, Inhalte bewusst zu teilen und aufmerksam zu bleiben.
Oder anders gesagt: Nicht alles im Internet muss unbedingt echt sein. Entscheidend ist, dass Kinder und Jugendliche lernen, bewusst, reflektiert und verantwortungsvoll mit digitalen Medien umzugehen.
Mehr zum Thema KI + Jugendarbeit gibt es hier im Blog.

