Ein Teil von Jugendarbeit besteht darin, da zu sein. Ein anderer – vielleicht der schwerste – darin, loszulassen. Kinder und Jugendliche wachsen, verändern sich, treffen eigene Entscheidungen. Und irgendwann gehen sie Wege, die nicht mehr unsere sind.
Loslassen fühlt sich oft ambivalent an. Da ist Stolz: auf das, was gewachsen ist. Und gleichzeitig Unsicherheit: Machen sie gute Entscheidungen? Werden sie zurechtkommen? Haben wir genug mitgegeben?
Doch genau hier zeigt sich Vertrauen. Vertrauen heißt nicht, alles gutzuheißen oder keine Sorgen zu haben. Vertrauen heißt: Ich glaube an deine Fähigkeit, deinen Weg zu finden. Auch wenn er anders aussieht, als ich ihn mir vorgestellt habe.
Jugendarbeit ist keine Anleitung fürs Leben. Sie ist Begleitung auf Zeit. Ihr gebt Impulse, haltet Räume offen, seid Wegbegleiter*innen – aber ihr könnt und sollt nicht jede Abzweigung kontrollieren.
Loslassen bedeutet, Verantwortung zu übergeben. Kindern und Jugendlichen zuzutrauen, aus Erfahrungen zu lernen – auch aus Umwegen. Es bedeutet, nicht festzuhalten, um sich selbst sicher zu fühlen, sondern Freiheit zuzulassen, damit andere wachsen können.
Vertrauen zeigt sich oft leise: in einem ermutigenden Blick, in einem Satz wie „Du schaffst das“, in dem Mut, nicht alles im Griff haben zu müssen. Und manchmal zeigt sich Vertrauen auch darin, einen Schritt zurückzutreten.
Wenn Kinder und Jugendliche ihre eigenen Wege gehen dürfen, tragen sie etwas von euch mit – auch wenn ihr es nicht immer seht. Vielleicht genau das, was ihr ihnen mitgegeben habt: Zutrauen. Freiheit. Vertrauen.
❓Reflexionsfragen
- In welchen Situationen fällt euch Loslassen besonders schwer – und warum?
- Woran merkt ihr, dass Vertrauen wachsen darf – auch wenn Unsicherheit bleibt?
- Was möchtet ihr Jugendlichen mitgeben, wenn sie ihre eigenen Wege gehen?

