Jugendliche stehen in einer Lebensphase, in der vieles im Wandel ist: Körper, Freundschaften, Interessen – und nicht zuletzt das eigene Selbstbild. Die Frage „Wer bin ich?“ ist allgegenwärtig, manchmal leise, manchmal laut. In dieser Zeit sind Jugendliche besonders empfänglich für Erfahrungen, die ihnen helfen, sich selbst besser kennenzulernen. Doch gerade dann werden sie häufig mit Defiziten, Anforderungen und Erwartungen konfrontiert – von Schule, Medien oder Umfeld.
Die Methoden in diesem Kapitel setzen bewusst einen anderen Fokus: Sie laden Jugendliche ein, ihre positiven Eigenschaften zu entdecken, ihre persönlichen Werte zu reflektieren und eigene Ressourcen sichtbar zu machen. Es geht nicht um Leistung oder Bewertung, sondern um Stärkung, Selbstakzeptanz und Orientierung. In der Gruppe erleben die Teilnehmenden, dass jeder Mensch Talente und Werte mitbringt – und dass es sich lohnt, diese zu entdecken und zu teilen.
1. Superheld*innenkarte
In dieser Methode gestalten Jugendliche ihre eigene „Superheldinnenkarte“, auf der sie sich selbst als Heldin mit besonderen Fähigkeiten präsentieren. Zu Beginn erklärt die Leitung: „Jede*r hat eine Superkraft – vielleicht Mut, Zuhören, Kreativität oder Humor.“ Die Jugendlichen zeichnen eine Figur, geben ihr einen Namen und beschreiben Eigenschaften, besondere Kräfte sowie eine persönliche Held*innenmission. Wichtig: Die „Kräfte“ sollen reale Stärken sein, keine Fantasiesuperkräfte. Anschließend tauschen sich die Teilnehmenden in Kleingruppen aus. Wer möchte, kann seine Karte vorstellen. Die Methode stärkt das Selbstwertgefühl und regt dazu an, eigene Kompetenzen sichtbar zu machen – unabhängig von Noten oder äußerem Erfolg.
Material: Blanko-Karten oder A4-Papier, Buntstifte, Stifte, ggf. Beispielkarte
2. Werte-Poker
Diese Methode bringt Jugendliche ins Gespräch über Werte, ohne belehrend zu wirken. Jede*r erhält zehn Karten mit verschiedenen Werten wie Freundschaft, Freiheit, Ehrlichkeit, Familie, Mut usw. Ziel ist es, die Karten nach persönlicher Wichtigkeit zu sortieren – der „höchste“ Wert liegt oben. In der Gruppe oder zu zweit tauschen sich die Jugendlichen darüber aus: Warum ist dir dieser Wert so wichtig? Wo zeigt sich das in deinem Leben? Danach wird gepokert: Reihum darf jede*r einen Wert „ausspielen“ und sagen, warum dieser für sie oder ihn unschlagbar ist. Diese niedrigschwellige Übung verbindet Reflexion mit einem spielerischen Element.
Material: Wertkarten (z. B. 30–40 Begriffe, mehrfach ausgedruckt), Tischfläche
3. Spiegelbilder
Jugendliche erhalten ein leeres Blatt mit einem gezeichneten Spiegelrahmen. In einer ersten Runde sollen sie sich selbst beschreiben – mit positiven Eigenschaften, Fähigkeiten und Eigenheiten. In einer zweiten Runde schreiben die Gruppenmitglieder reihum (anonym oder offen) je einen positiven Satz oder ein Adjektiv zum jeweiligen Spiegelbild dazu. Diese Fremdbeschreibungen werden anschließend gemeinsam gelesen. Die Jugendlichen können ihre Selbst- und Fremdeinschätzung vergleichen: Was überrascht mich? Was freut mich? So wird Selbstbildarbeit mit Anerkennung und Wertschätzung verbunden.
Material: Ausdrucke mit Spiegelrahmen, Stifte
4. Stärken-Story
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Jede*r schreibt oder erzählt eine kurze Geschichte aus dem eigenen Leben, in der sie oder er stolz auf sich war. Das kann eine mutige Entscheidung, eine gute Tat oder ein durchgestandenes Erlebnis sein. Danach tauschen sich die Jugendlichen in Kleingruppen aus: Was hat dich dabei stark gemacht? Welche Fähigkeiten haben dir geholfen? Optional können die Geschichten auf Plakaten oder in einem „Stärkenbuch“ gesammelt werden. Diese Methode hilft, persönliche Ressourcen nicht nur zu benennen, sondern emotional zu verankern – in Form von echten Erfahrungen.
Material: Papier, Stifte, ggf. Hefter oder Plakatpapier
5. Talent-Bingo
Zu Beginn erhalten alle eine Bingo-Karte mit Aussagen wie „Kann gut zuhören“, „Spricht eine andere Sprache“, „Hat ein gutes Gedächtnis“, „Kann schnell rennen“. Die Jugendlichen gehen durch den Raum und suchen Menschen, auf die eine Aussage zutrifft. Wenn jemand sich wiedererkennt, unterschreibt er oder sie das entsprechende Feld. Ziel ist es, fünf Felder in einer Reihe voll zu bekommen. Die Methode bringt Bewegung in die Gruppe, fördert das gegenseitige Kennenlernen – und verdeutlicht spielerisch, dass Talente vielfältig sind.
Material: Vorgefertigte Bingo-Karten, Stifte
6. Insel der Stärken
Jede*r gestaltet eine persönliche „Stärkeninsel“. Auf einem großen Blatt Papier wird eine Insel gezeichnet, auf der die Jugendlichen ihre Stärken als Orte verorten: z. B. „Der Mut-Berg“, „Das Zuhörer*innen-Zelt“, „Der Tanz-Dschungel“. In einer kleinen Präsentation oder im Tandem können die Jugendlichen einander über ihre Insel führen. Die bildhafte Gestaltung macht eigene Stärken greifbar und hilft, sie im eigenen „Lebensraum“ zu verorten – eine kreative Möglichkeit, sich selbst besser zu verstehen.
Material: A3-Papier, Buntstifte, ggf. Beispielinsel
7. Wertesortierung
Auf Karten stehen verschiedene Werte (z. B. Ehrlichkeit, Sicherheit, Gerechtigkeit, Liebe, Erfolg, Loyalität). In Kleingruppen oder alleine sortieren die Jugendlichen diese nach persönlicher Wichtigkeit. Variante: Jede*r darf nur fünf behalten – welche sind das? Im Anschluss wird in der Gruppe diskutiert: Gab es Überraschungen? Gibt es Werte, die viele gewählt haben? Diese Übung fördert ein Bewusstsein für persönliche Prioritäten und bringt Jugendliche in Austausch über das, was ihnen im Leben wichtig ist.
Material: Wertkarten (z. B. 40 Begriffe), Sortierfläche
8. Wer bin ich, wer nicht?
Auf einem großen Plakat oder einem Arbeitsblatt stehen verschiedene Aussagen, z. B. „Ich bin sportlich“, „Ich bin kreativ“, „Ich bin schüchtern“, „Ich bin gerne in Gruppen“, „Ich bin laut“. Die Jugendlichen kreuzen an, was auf sie zutrifft und was nicht – und fügen ggf. eigene Aussagen hinzu. Im Anschluss können sie sich mit anderen austauschen: Was war leicht, was schwer anzukreuzen? Diese Methode fördert die Selbstklärung und macht deutlich, dass nicht jede Zuschreibung passt – und dass Identität sich verändern darf.
Material: Arbeitsblätter mit Aussagen, Stifte
9. Lebensmotto finden
In dieser Übung setzen sich Jugendliche mit ihrer Lebenshaltung auseinander. Zunächst gibt es eine Sammlung von inspirierenden Zitaten, Lebensmottos oder Songzeilen. Die Jugendlichen wählen eine Aussage aus, die sie anspricht – oder formulieren ein eigenes Motto. Danach gestalten sie ein Motto-Plakat oder ein kleines Kärtchen für die Brieftasche. In Kleingruppen sprechen sie darüber: Warum gerade dieses Motto? In welchen Situationen gibt es mir Orientierung? Die Methode fördert die Werteorientierung auf kreative Weise.
Material: Zitatkarten, Blankokarten, Stifte, ggf. Musikimpuls
10. Stärken-Memospiel
Die Gruppe sammelt typische Stärken auf Karten (z. B. Mut, Geduld, Kreativität, Organisation, Humor). Dann erstellt jede*r ein „Stärken-Memo“: auf einer Karte steht die Stärke, auf der passenden Karte eine persönliche Situation, in der diese Stärke gezeigt wurde. In Zweiergruppen spielen die Jugendlichen das Memo gegeneinander – die Partner*innen müssen raten, welche Situation zur jeweiligen Stärke passt. Die Methode verbindet Selbsterkenntnis mit Spaß – und macht Stärken alltagsnah und greifbar.
Material: Blankokarten, Stifte, Tischfläche
Diese Spielideen für Jugendliche sind schnell erklärt, leicht umzusetzen und ideal für Gruppenstunden, Freizeiten und Zeltlager.

