Jugendliche erleben sich oft im Spannungsfeld zwischen dem, wie sie sich selbst sehen, und dem, was andere in ihnen wahrnehmen. Gerade in dieser Entwicklungsphase wird das Außenbild immer wichtiger – und kann stark verunsichern. Wie sehe ich aus? Wie wirke ich auf andere? Und: Was davon stimmt überhaupt?
Dieses Kapitel lädt dazu ein, Fremd- und Selbstwahrnehmung spielerisch zu vergleichen, ohne Jugendliche bloßzustellen oder zu verunsichern. Die Methoden eröffnen Räume für gegenseitiges Feedback, Staunen, Selbsterkenntnis – und auch für Überraschung. Ziel ist es, ein Gespür dafür zu entwickeln, wie vielseitig Identität ist und wie sich Wahrnehmung verändert – je nach Perspektive, Beziehung und Kontext. Wichtig ist dabei immer: Die Übungen sollen achtsam begleitet werden und auf Vertrauen und Freiwilligkeit beruhen.
1. Steckbrief-Tausch
In dieser Methode erstellen die Jugendlichen anonyme Steckbriefe über sich selbst – mit kurzen Aussagen wie: „Ich lache gern“, „Ich bin morgens müde“, „Ich liebe Musik“, „Ich bin eher leise“. Die Steckbriefe werden gesammelt, gemischt und anschließend versucht die Gruppe herauszufinden, wer zu welchem Steckbrief gehört. Im Anschluss wird ausgewertet: Wurde ich erkannt? Warum? Was war überraschend? Diese Methode zeigt, wie gut sich die Gruppe kennt – oder eben auch nicht – und regt an, das eigene Selbstbild mit dem Bild anderer abzugleichen.
Material: Steckbriefvorlagen oder leere Blätter, Stifte, Box oder Umschlag zum Mischen
2. Spieglein, Spieglein
Jede*r Jugendliche schreibt einen kurzen Satz über sich selbst auf ein Blatt – beginnend mit „Ich bin jemand, der …“ oder „An mir ist besonders …“. Anschließend schreiben alle anderen (anonym oder mit Namen) auf kleine Zettel, was ihnen an dieser Person positiv auffällt. Diese „Spiegelaussagen“ werden in einen Umschlag gelegt und der Person übergeben. In der Auswertung kann reflektiert werden: Was überrascht mich? Was freut mich? Die Methode ist besonders wirksam, wenn sie ruhig und respektvoll begleitet wird.
Material: Papier, Stifte, Umschläge oder Klarsichthüllen
3. Persönlichkeitswürfel
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Die Jugendlichen basteln einen eigenen Würfel aus Papier oder Pappe. Auf jede Seite schreiben sie eine Eigenschaft oder Rolle, die sie beschreibt – z. B. „kreativ“, „hilfsbereit“, „unkonzentriert“, „Teamplayer“, „Sportfan“. Dann werden die Würfel getauscht. Jede*r würfelt mit dem Würfel eines anderen und beschreibt, wie sie oder er diese Eigenschaft wahrnimmt: „Stimmt das?“, „Würde ich auch sagen?“ oder „Ich sehe eher …“. Diese Methode regt zum Austausch über unterschiedliche Perspektiven an und macht die Vielfalt von Selbst- und Fremdbild sichtbar.
Material: Würfelvorlagen (aus Papier oder Karton), Scheren, Kleber, Stifte
4. Blindbild
Eine Jugendlicher setzt sich vor die Gruppe. Eine andere Person, die sie gut kennt, zeichnet sie – allerdings ohne hinzusehen (z. B. mit Blick zur Wand oder Augen zu). Danach zeigt sie das Bild der gezeichneten Person, ohne zu sagen, wer es gezeichnet hat. Die Gruppe errät, wer gemeint ist. In der Auswertung geht es nicht um das künstlerische Ergebnis, sondern um die Frage: Welche Merkmale wurden betont? Wie fühle ich mich dargestellt? Was sehe ich an mir – und was andere?
Material: Papier, Filzstifte, ggf. Klemmbretter oder harte Unterlagen
5. Perspektivtausch
Die Jugendlichen bilden Paare und bekommen jeweils die Aufgabe, für fünf Minuten in die Rolle der anderen Person zu schlüpfen. Sie stellen sich der Gruppe gegenseitig vor, so, wie sie denken, dass der*die andere sich selbst beschreiben würde – z. B.: „Ich bin Leon, und ich bin meistens ruhig, aber in Mathe richtig stark …“ Danach darf die vorgestellte Person sagen, was gepasst hat – und was nicht. Die Methode schult Einfühlungsvermögen und hilft, eigene blinde Flecken zu entdecken – spielerisch und humorvoll.
Material: Keine besonderen Materialien nötig, evtl. Zettel für kurze Notizen
6. Adjektiv-Stuhlkreis
Jede*r Jugendliche setzt sich auf einen Stuhl im Kreis. Dann bekommen sie von anderen Gruppenmitgliedern jeweils ein Adjektiv zugeordnet – spontan, ehrlich, kreativ, hilfsbereit, witzig, konzentriert, laut etc. Die Wörter werden gesammelt, aufgeschrieben und anschließend gemeinsam betrachtet. Wichtig ist hier ein wertschätzender Rahmen: Es dürfen nur positive oder neutrale Adjektive genannt werden. Die Übung ist kurzweilig, stärkt das Gruppengefühl und gibt neue Perspektiven auf das eigene Verhalten.
Material: Klebezettel, Stifte, ggf. Flipchart für gemeinsame Sammlung
7. Selfie und Fremdfoto
In dieser Methode machen die Jugendlichen zunächst ein Selfie von sich selbst – so, wie sie sich am liebsten sehen. Anschließend machen andere ein Porträtfoto von ihnen – aus der eigenen Perspektive. Beide Bilder werden nebeneinandergelegt und betrachtet. Was fällt auf? Was drückt das Selfie aus, was das Fremdfoto? Die Übung lässt sich gut mit Diskussionen über Selbstdarstellung in sozialen Medien verbinden und eignet sich besonders für medienaffine Gruppen.
Material: Smartphones oder Digitalkameras, Ausdrucke oder Bildschirme zur Präsentation
8. Feedback-Würfel
Ein Würfel zeigt auf jeder Seite eine Rückmeldekategorie: z. B. „Etwas, das ich an dir mag“, „Eine Stärke von dir“, „Eine Überraschung über dich“, „Eine Frage an dich“, „Etwas, das dich ausmacht“, „Etwas, das ich lernen will wie du“. In Kleingruppen würfeln die Jugendlichen füreinander und geben entsprechend Rückmeldung. Diese Form des Feedbacks ist klar strukturiert, gibt Sicherheit – und öffnet oft neue Sichtweisen auf sich selbst und andere.
Material: Würfel (fertig oder selbst gebastelt), Rückmeldekarten oder leere Blätter
9. Ich über dich, du über mich
Die Jugendlichen bilden Paare und füllen für einander einen Steckbrief aus: „Ich finde, du bist …“, „Ich erlebe dich als …“, „Ich sehe in dir …“. Danach vergleichen sie ihre Einschätzungen mit dem eigenen Selbstbild. Die Methode ist sehr direkt, deshalb sollte sie nur eingesetzt werden, wenn ausreichend Vertrauen in der Gruppe besteht. Sie ermöglicht tiefe Einblicke und stärkt die Fähigkeit, eigene blinde Flecken zu reflektieren – vorausgesetzt, sie wird achtsam moderiert.
Material: Steckbrief-Vorlagen oder leere Blätter, Stifte
10. Wahrnehmungsspiel
Ein einfaches und dynamisches Spiel, das spontane Fremdwahrnehmung aktiviert. Auf dem Boden liegen Adjektive auf Karten verteilt – z. B. humorvoll, ruhig, mutig, chaotisch, freundlich, still, hilfsbereit, verträumt. Eine Person stellt sich in die Mitte, und andere legen eine Karte, die sie spontan mit dieser Person verbinden, daneben. Danach darf die Person die Karten durchgehen und kommentieren: Was überrascht mich? Was freut mich? Was passt nicht? Die Übung ist besonders lebendig und funktioniert gut in größeren Gruppen.
Material: Adjektivkarten (ca. 30–50), freie Fläche im Raum
Diese Spielideen für Jugendliche sind schnell erklärt, leicht umzusetzen und ideal für Gruppenstunden, Freizeiten und Zeltlager.

