… über Matthias Kopf. Und schon nimmt der Abend im Ferienlager einen ganz anderen Verlauf. Die Betreuer werden nervös, die Teilnehmerinnen kreischen, die anderen Jungs finden es irgendwie cool. Und Matthias weiß gar nicht, wie ihm geschieht. Denn auf einmal soll er zum Arzt, zur Apotheke, Haare waschen, Kleidungsstücke waschen, die Liste scheint gar kein Ende mehr zu nehmen. Und als auch irgendwann die Betreuer die Übersicht verlieren, rufen sie bei der juleiqua-Ferienfreizeit-Hotline an.

So ging es auch schon anderen Freizeiten in den letzten Jahren, sodass die Hotlinerinnen und Hotliner mittlerweile Kopfläuse als „Standardanruf“ behandeln können. Das fünfköpfige Team kann erst einmal beruhigen, dass Kopfläuse kein Zeichen für mangelnde Hygiene sind. Kopfläuse kommen und gehen. Aber eben nicht nur dorthin wo sich Teilnehmer weniger waschen, sondern auch auf blitzsaubere Köpfe. Meistens sind es einzelne Teilnehmer, die die Kopfläuse schon von zu Hause mitbringen und dann ist es für diese ganz leicht, beim allgemeinen Toben, Spielen oder beim Zusammenrücken am Lagerfeuer von einem zum anderen überzuwechseln.

Sind sie dann einmal entdeckt, dann wird der Kampf gegen die Laus zum echten Wettlauf. Während die einen also auf „Goldgeist“ und Co., die anderen aber auf Hausmittelchen von Mama setzen, weiß fast kaum eine Freizeit, dass Kopfläuse auch rechtlich nicht uninteressant sind. Denn das sogenannte „Infektionsschutzgesetz“ (IfSG) schreibt vor, dass Ferienlager Kopfläuse dem örtlichen Gesundheitsamt melden müssen.

Das Infektionsschutzgesetz richtet sich unter anderem an Gemeinschaftseinrichtungen. Und Gemeinschaftseinrichtungen sind: „Gemeinschaftseinrichtungen im Sinne dieses Gesetzes sind Einrichtungen, in denen überwiegend Säuglinge, Kinder oder Jugendliche betreut werden, insbesondere Kinderkrippen, Kindergärten, Kindertagesstätten, Kinderhorte, Schulen oder sonstige Ausbildungseinrichtungen, Heime, Ferienlager und ähnliche Einrichtungen.„(§ 33 IfSG)

Deshalb treffen auch alle Haus- und Zeltlager die gleichen Pflichten, wir wir sie sonst von Kindergärten und Schulen kennen. Tritt eine Krankheit auf, die das Gesetz in § 34 benennt, sollte daher die Leitung der Ferienfreizeit zum Telefon greifen und das Gesundheitsamt informieren. Das wird regelmäßig interessant für

  • Keuchhusten
  • Masern
  • Scharlach
  • Windpocken
  • oder eben Läuse.

Der Anruf beim Gesundheitsamt ist gar nicht gefährlich. Er soll erst einmal nur dazu dienen, die Information über die entdeckte Krankheit weiterzugeben. Außerdem kann das Gesundheitsamt dann die Ferienfreizeit auch beraten und betreuen. Gibt es zum Beispiel Ärzte, die auf einzelne Krankheiten spezialisiert sind? Ist die Krankheit vor kurzem schon einmal im Ort aufgetaucht? Wie sollte man erkrankte Teilnehmer und nicht erkrankte Teilnehmer am besten voreinander schützen?

Außerdem kann das Gesundheitsamt oft mit Informationen aushelfen, die das Ferienlager benötigt, um die Eltern und Erziehungsberechtigten zu Hause zu informieren. Hier empfiehlt es sich entweder auf die Informationsblätter des Robert-Koch-Instituts zurückzugreifen oder aber zu einem Kindergarten oder einer Kindertagesstätte in der Nähe Kontakt aufzunehmen. Dort liegen in der Regel schon vorbereitete Elternbriefe in der Schublade, die man bestimmt ausleihen und für das Ferienlager überarbeiten darf. Denn so können ganz leicht Informationen vorbereitet werden, die dann an die Eltern direkt nach der Rückfahrt aufgegeben werden sollten.

Hattet Ihr schon einmal Läuse im Ferienlager? Wie habt Ihr reagiert? Wie habt Ihr die Eltern informiert?

6 KOMMENTARE

  1. Bei uns war dies recht unkompliziert, die Kinder wurden mit Goldgeist behandelt und die Kleidungsstücke die schon getragen worden wahren sind in Tüten luftdicht verpackt worden, genauso wie die Kuscheltiere der Kinder. Das betroffene Kind, alle Zimmergenossen und alle Kinder die besonders viel mit diesem zu tun hatten machten die Goldgeist Behandlung. Alle anderen Kinder bekamen was zur Vorbeugung. Auserden wurde das komplette Beetzeug gewaschen. Nach der Behandlung wurden alle Kinder mit einem Nissenkamm untersucht und tote Nissen und Läuse entfernt. Die ganze Aktion dauerte fast 3 Stunden. Da wir Fahrräder mit hatten, besorgten wir uns ein für den Kopf verträgliches Spray mit dem wir die Fahrradhelme aller Kinder behandelt haben.
    Wir haben ständigen Kontakt mit den Eltern der betroffenen Kinder gehalten und diese darüber informiert, das diese auch zumindest einen teil der Kosten tragen müssen, die durch diese Aktion entstanden sind.
    Alle Eltern haben beim abholen des Kinder einen Zettel ausgehändigt bekommen auf dem sie alle wichtigen Informationen nachlesen konnten.

  2. Bei uns hatte dieses Jahr auch ein Mädchen Läuse. Der Arzt hat dann auch Goldgeist verschrieben, wir haben alles gewaschen etc. Zum Glück hatte sonst, bis auf die Zimmergenossin, kein anderes Kind Läuse. Bis uns sind, bis auf den Nissenkamm, aber nicht wirklich Kosten entstanden.
    Wir haben die Eltern des betroffenen Kindes telefonisch informiert. Diese haben dann auf ihren Vorschlag das Kind auch vom Hafen abgeholt, so dass es nicht im Zug fahren musste. Wir haben die anderen Kinder informiert und die Eltern beim Abholen des Gepäcks mündlich.
    Der Arzt meinte übrigens, wir bräuchten das Gesundheitsamt nicht unbedingt zu verständigen, so lange es nur bei dem einen Fall bleibe…

  3. Na, dann scheint das ja wirklich ein weit verbreitetes Standardthema zu sein. 🙂 Übrigens ist grundsätzlich jede einzelne Laus, also jede/r Teilnehmer/in zu melden. So lästig das ist. Man wird von der Meldepflicht auch nicht dann frei, wenn der Arzt sagt, er würde seinerseits eine Meldung machen. Erst wenn man hierüber eine schriftliche Bestätigung vorlegen kann, muss man sich als Ferienlager keine Gedanken mehr um den Kontakt zum Gesundheitsamt machen.

  4. Apropos Kopflaus: Eine andere sehr hartnäckige Species der Laus ist die Bartlaus. Über ihre Vorlieben könnt Ihr Euch hier informieren. Viel Spaß!

  5. Einen allgemeinen Artikel zum Thema Kopläuse habe ich in meinem Blog gepostet – vielleicht interessiert es ja den ein oder anderen.

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