Projekt: Brettspiel entwickeln

Ein eigenes Brettspiel zu entwickeln ist eines der vielseitigsten Projekte für die Kinder- und Jugendarbeit. Es verbindet Kreativität, Gespräch, Teamarbeit und Entscheidungsprozesse – ganz ohne Leistungsdruck. Gleichzeitig erleben Kinder und Jugendliche etwas sehr Konkretes: Am Ende liegt ein spielbares Ergebnis auf dem Tisch, das sie selbst erdacht haben. Genau darin liegt die große Stärke dieses Projekts.

Dieses Projekt ist bewusst kein klassisches DIY im Sinne von „nach Anleitung basteln“. Es ist ein Prozessprojekt. Der Weg ist mindestens genauso wichtig wie das fertige Spiel. Kinder und Jugendliche erleben, wie aus Ideen Regeln werden, aus Diskussionen Entscheidungen und aus Einzelmeinungen ein gemeinsames Produkt.

Warum ein Brettspiel entwickeln?

Brettspiele sind allen vertraut. Jede*r bringt eigene Spielerfahrungen mit: Lieblingsspiele, Frustmomente, Spielregeln, die nerven – oder genau das Gegenteil. Diese Erfahrungen sind ein idealer Ausgangspunkt für Gespräche über Fairness, Zusammenarbeit, Konkurrenz, Glück und Strategie.

Gleichzeitig fördert das Projekt zentrale Kompetenzen der Jugendarbeit:

  • Mitbestimmung und Partizipation
  • Kommunikation und Kompromissfähigkeit
  • Kreatives Denken und Problemlösen
  • Durchhaltevermögen und Frustrationstoleranz

Und ganz nebenbei entsteht etwas, das auch nach der Gruppenstunde noch genutzt werden kann.

Phase 1: Einstieg ins Thema – Spielen und Reflektieren

Der Einstieg sollte spielerisch sein. Beginnt das Projekt idealerweise mit einer gemeinsamen Spielrunde. Das kann ein bekanntes Brettspiel sein oder mehrere kurze Spiele in Kleingruppen. Wichtig ist nicht das Spiel selbst, sondern die anschließende Reflexion.

Leitfragen für diese Phase können sein:

  • Was hat am Spiel Spaß gemacht?
  • Wo war es langweilig oder unfair?
  • Gab es Wartezeiten? Glücksfaktoren? Streit?
  • Was würdest du ändern, wenn es dein Spiel wäre?

Hier entsteht bereits die Grundlage für die spätere Entwicklung. Kinder und Jugendliche merken: Spiele sind gemacht – und damit auch veränderbar.

Phase 2: Die große Idee – Worum soll es gehen?

Bevor Regeln entstehen, braucht das Spiel ein Herz. Gebt der Gruppe Zeit, über das Grundthema nachzudenken. Das kann ganz offen sein oder durch Impulse unterstützt werden.

Mögliche Ansatzpunkte:

  • Abenteuerreise, Schatzsuche, Fantasiewelt
  • Alltagsthemen wie Schule, Freundschaft, Zusammenhalt
  • Natur, Nachhaltigkeit, Stadt, Insel, Weltreise
  • Lustige oder absurde Ideen (z. B. Tiere regieren die Welt)

Wichtig: Die Idee muss nicht originell sein. Sie muss zur Gruppe passen. Lieber ein einfaches, klares Thema als eine überladene Spielwelt.

Phase 3: Spielprinzip festlegen

Nun wird es konkreter. Unterstützt die Gruppe dabei, sich für ein Grundprinzip zu entscheiden. Das geht gut in Kleingruppen, die jeweils einen Vorschlag ausarbeiten.

Typische Spielprinzipien sind:

  • Laufspiel mit Würfel und Spielfiguren
  • Sammelspiel (Karten, Punkte, Ressourcen)
  • Kooperationsspiel gegen das Spiel selbst
  • Wettbewerb zwischen Teams oder Einzelpersonen

Diskutiert gemeinsam:

  • Spielen alle gegeneinander oder miteinander?
  • Gibt es Gewinner*innen – oder ein gemeinsames Ziel?
  • Wie lange soll eine Runde dauern?

Gerade hier wird Mitbestimmung erlebbar. Nicht jede Idee setzt sich durch – aber jede wird gehört.

Phase 4: Regeln entwickeln – einfach, klar, fair

Regeln sind oft der schwierigste Teil. Kinder und Jugendliche neigen dazu, Spiele zu kompliziert zu machen. Eure Rolle als Leitung ist hier moderierend: vereinfachen, nachfragen, testen lassen.

Hilfreiche Leitfragen:

  • Was darf ich in meinem Zug tun?
  • Wann bin ich dran – und wann nicht?
  • Wie kann ich gewinnen oder verlieren?
  • Was passiert, wenn etwas unklar ist?

Ein guter Grundsatz: Lieber zu wenig Regeln als zu viele. Regeln können später ergänzt werden.

Phase 5: Prototyp bauen – schnell und unfertig

Jetzt darf gestaltet werden – aber bewusst roh. Ein Prototyp muss nicht schön sein, sondern spielbar. Ein Blatt Papier als Spielbrett, Stifte für Felder, Zettel als Karten reichen völlig aus.

Das Ziel dieser Phase ist das Testen.

Lasst die Gruppe ihr Spiel selbst ausprobieren. Greift nicht sofort ein, wenn etwas hakt. Oft merken die Kinder selbst:

  • Das Spiel dauert zu lange.
  • Manche haben nichts zu tun.
  • Eine Regel funktioniert nicht.

Diese Erkenntnisse sind Gold wert.

Phase 6: Testen, ändern, verbessern

Plant bewusst Zeit für Überarbeitung ein. Gute Spiele entstehen durch Wiederholung. Nach jeder Testrunde lohnt sich eine kurze Auswertung:

  • Was lief gut?
  • Was hat genervt?
  • Was war unklar?

Hier zeigt sich echte Teamarbeit. Entscheidungen werden neu getroffen, Regeln angepasst, Ideen verworfen. Das kann herausfordernd sein – und genau deshalb so wertvoll.

Phase 7: Gestaltung & Abschluss

Erst jetzt lohnt sich die optische Ausarbeitung: Spielbrett sauber zeichnen, Karten gestalten, Spielfiguren auswählen. Je nach Zeitrahmen kann das Spiel auch bewusst unfertig bleiben – als Projektstand.

Zum Abschluss bietet sich eine Präsentation an:

  • Die Gruppe erklärt ihr Spiel
  • Andere spielen es probeweise
  • Feedback wird gesammelt

So wird aus einem Gruppenprojekt ein Gemeinschaftserlebnis.

Varianten & Erweiterungen
– Mehrere Gruppen entwickeln verschiedene Spiele
– Ein Spiel für jüngere Kinder entwerfen
– Ein kooperatives Spiel für die ganze Gruppe
– Spielregeln bewusst inklusiv gestalten
– Ein Spiel, das die Gruppe im Jahresverlauf begleitet

Ein Brettspiel zu entwickeln ist weit mehr als eine kreative Beschäftigung. Es ist ein Lern- und Erfahrungsraum, in dem Kinder und Jugendliche ernst genommen werden, Verantwortung übernehmen und gemeinsam etwas schaffen. Das fertige Spiel ist am Ende fast Nebensache – entscheidend ist die Erfahrung: Wir können etwas erfinden. Zusammen. Und es funktioniert. Ein Projekt, das genau das verkörpert, wofür gute Kinder- und Jugendarbeit steht.

Beitrag speichern
gespeichert
Daniel
Daniel
Hey, ich bin der Kopf hinter dem Jugendleiter-Blog und war über zehn Jahren in der Jugendarbeit aktiv, habe viele Jahre einen Verband geleitet und blogge hier seit mehr als 15 Jahren über meine Erfahrungen aus mehr als 100 Freizeittagen und 200 Gruppenstunden. Du findest hier fertige Gruppenstunden, Spiele, Freizeit-Ideen und mehr von mir. Die besten Spiele und Ideen sind als Bücher erschienen.

Jede Woche neue Ideen und Anregungen mit dem Jugendleiter-Newsletter!

Schon über 8.200 Jugendleiter*innen erhalten meinen Newsletter – hol auch du dir regelmäßig frische Ideen für Gruppenstunde, Ferienlager und Co. in dein Postfach.

Ähnliche Artikel entdecken

Kommentare & Anmerkungen

HINTERLASSE EINEN KOMMENTAR

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein