Viele Leitungsteams in der Jugendarbeit kennen dieses Gefühl: Es gibt neue Ideen, kreative Impulse und den Wunsch, Dinge anders oder besser zu machen – aber es fehlt an Zeit, Energie oder Menschen. Der Kalender ist voll, das Team ausgelastet, und trotzdem entsteht das Gefühl, auf der Stelle zu treten.
Die entscheidende Frage lautet dann nicht mehr: Was könnten wir noch alles machen? Sondern: Was müssen wir vielleicht lassen, um Neues möglich zu machen?
Lesetipp: Entdecke mehr zum Thema hier im Artikel zu Exnovation & Jugendarbeit.
Warum neue Angebote nicht einfach „on top“ gehen
In der Jugendarbeit entsteht Neues oft zusätzlich zum Bestehenden. Ein weiteres Projekt, ein zusätzlicher Termin, ein neues Format. Was dabei selten passiert: Altes wird beendet.
Viele Angebote laufen weiter, weil sie Tradition haben, weil sie „schon immer dazugehören“ oder weil niemand den Mut hat, sie infrage zu stellen. Das Ergebnis: Überlastung, sinkende Motivation und wenig Raum für Innovation.
Neue Angebote brauchen jedoch nicht nur Ideen, sondern freie Ressourcen – Zeit, Aufmerksamkeit, Engagement und emotionale Energie.
Exnovation: Bewusst aufhören, um Raum zu schaffen
Der Begriff Exnovation beschreibt genau diesen Prozess: das gezielte Beenden, Vereinfachen oder Loslassen bestehender Strukturen, um Entwicklung zu ermöglichen.
Exnovation ist kein Rückschritt. Sie ist ein Zeichen von Reflexion und Reife. Denn nicht alles, was einmal sinnvoll war, ist es auch dauerhaft. Jugendarbeit verändert sich – Zielgruppen verändern sich, Lebenswelten verändern sich, Teams verändern sich.
Die zentrale Frage lautet deshalb:Was erfüllt heute noch seinen Zweck – und was nicht mehr?
Den Ist-Zustand ehrlich betrachten
Ein guter erster Schritt ist eine ehrliche Bestandsaufnahme im Leitungsteam. Dabei geht es nicht um Bewertung, sondern um Klarheit.
Hilfreiche Leitfragen können sein:
➡️ Welche Angebote kosten viel Energie?
➡️ Welche werden kaum noch genutzt?
➡️ Wo entsteht echter Mehrwert für Kinder und Jugendliche?
➡️ Was machen wir vor allem aus Gewohnheit?
Oft zeigt sich dabei: Ein kleiner Teil der Angebote bindet einen großen Teil der Ressourcen – ohne entsprechend wirksam zu sein.
Gemeinsam entscheiden statt allein streichen
Exnovation sollte nie eine einsame Entscheidung sein. Wer allein „den Rotstift ansetzt“, riskiert Widerstand oder Verletzungen.
Deshalb ist es wichtig, Entscheidungen gemeinsam im Team zu treffen und transparent zu kommunizieren. Auch Abschiede dürfen Raum bekommen: Ein Angebot zu beenden heißt nicht, dass es schlecht war – sondern dass es seine Zeit hatte.
Manchmal hilft es, Dinge bewusst zu pausieren statt endgültig zu streichen. Eine Pause schafft Abstand und ermöglicht neue Perspektiven.
Qualität vor Quantität
In der Jugendarbeit gilt nicht: je mehr, desto besser. Oft ist das Gegenteil der Fall. Weniger Angebote können mehr Wirkung entfalten, wenn sie gut vorbereitet, motiviert getragen und mit Freude umgesetzt werden.
Ressourcen freizusetzen heißt also auch, Prioritäten zu setzen. Was ist im Moment wirklich wichtig? Wo liegt der Schwerpunkt der Arbeit? Was passt zur aktuellen Lebenssituation des Teams? Diese Klarheit schützt vor Aktionismus – und stärkt die Qualität der Angebote.
Den neu gewonnenen Raum bewusst nutzen
Wenn Altes endet, entsteht Raum. Dieser Raum sollte nicht sofort wieder gefüllt werden. Manchmal ist es wichtig, ihn erst einmal auszuhalten: für Reflexion, für Austausch, für neue Ideen.
Erst dann stellt sich die Frage:
➡️ Was brauchen die Kinder und Jugendlichen wirklich?
➡️ Was motiviert das Team?
➡️ Wo liegt gerade unsere Kraft?
Neue Angebote entstehen nachhaltiger, wenn sie aus diesem Freiraum heraus wachsen – nicht aus dem Gefühl, ständig reagieren zu müssen.

