Jahresplanungs-Guide für die Jugendarbeit

🔥 Pfingsten & religiöse Vielfalt: Spirituelle Themen in der Gruppenarbeit

Pfingsten, Ramadan, interreligiöse Kompetenz, spirituelle Fragen altersgerecht ansprechen

Im Jahresverlauf begegnen Kinder- und Jugendgruppen immer wieder religiös geprägten Zeiten – wie Ostern, Weihnachten, Ramadan oder Pfingsten. In einem pluralen, oft nur teils religiös geprägten Umfeld ist das nicht nur Herausforderung, sondern auch eine wertvolle Chance: Vielfalt sichtbar machen, eigene Zugänge finden, über Sinn, Werte und Spiritualität ins Gespräch kommen – ohne zu missionieren, aber mit Haltung.

Pfingsten nimmt dabei eine besondere Rolle ein: Als christliches Fest der „Geistausgießung“ steht es symbolisch für Kommunikation, Verständigung, Begeisterung – und den Beginn von Gemeinschaft. In seiner Offenheit bietet es einen starken Brückenschlag zu Fragen, die Kinder und Jugendliche unabhängig von Religion bewegen: Was inspiriert mich? Was gibt mir Halt? Was verbindet uns?


🕊️ Pfingsten als Impuls – nicht nur für Christ*innen

Das Pfingstfest erinnert daran, wie sich nach christlicher Überlieferung Menschen aus unterschiedlichen Sprachen und Kulturen plötzlich verstehen konnten – durch einen „gemeinsamen Geist“.
Dieses Motiv lässt sich auch in der Gruppenarbeit aufgreifen, unabhängig vom religiösen Hintergrund der Teilnehmenden:

  • Was bedeutet für uns Gemeinschaft?
  • Wann verstehen wir einander wirklich – und wann nicht?
  • Welche Sprache sprechen wir, wenn wir über Gefühle, Vertrauen oder Werte sprechen?

Statt theologischer Belehrung geht es hier um pädagogisch-spirituelle Zugänge, die offen, niedrigschwellig und alltagsnah sind.


🌙 Ramadan, religiöse Vielfalt und Sichtbarkeit

Rund um Pfingsten fällt in vielen Jahren auch der Fastenmonat Ramadan, der für viele muslimische Kinder und Jugendliche eine Zeit der Konzentration, Gemeinschaft und spirituellen Praxis bedeutet. Für Jugendleiter*innen stellt sich dann oft die Frage:
Wie können wir diesen religiösen Alltag integrieren, ohne zu vereinnahmen – und ohne andere auszuschließen?

Mögliche Antworten:

  • Sichtbar machen, was ist, z. B. durch Raum für Gespräche, Fragen, Geschichten.
  • Respekt zeigen, etwa beim Thema Essen, Rückzugsmöglichkeiten oder Abendveranstaltungen.
  • Gemeinsamkeiten entdecken, etwa im Fasten als Praxis des Verzichts – ob religiös motiviert oder nicht.

Die Thematisierung religiöser Feste kann eine Tür öffnen zu persönlichen Erfahrungen, familiären Prägungen und inneren Fragen – immer vorausgesetzt, sie wird wertschätzend, freiwillig und dialogorientiert gestaltet.


🧭 Impulse für spirituelle Bildung ohne Dogma

1. Spirituelle Fragen stellen – nicht beantworten müssen
Jugendarbeit darf Fragen stellen, ohne Lösungen zu liefern. Gerade Themen wie „Was ist mir heilig?“, „Woran glaube ich?“ oder „Gibt es mehr als das, was wir sehen?“ können altersangemessen angesprochen werden – kreativ, spielerisch oder philosophisch.

Formate dafür könnten sein:

  • Gespräche mit Impulskarten oder Symbolgegenständen
  • Kreativmethoden (z. B. „Male deinen inneren Kompass“)
  • Spaziergänge mit Reflexionsfragen („Was gibt dir Kraft?“)

2. Interreligiöse Kompetenz als pädagogische Haltung
Es geht nicht um das bloße „Wissen über Religionen“, sondern um sensiblen Umgang mit Differenz:

  • Keiner muss erklären, aber jeder darf.
  • Alle Perspektiven sind gleichwertig, auch atheistische.
  • Irritationen dürfen Raum haben – sie sind Lernanlässe.

Jugendleiter*innen können hier Brückenbauer*innen sein – zwischen Weltsichten, zwischen Tradition und Gegenwart, zwischen Unsicherheit und Offenheit.


💬 Weiterführende Reflexionen

  • Was gibt mir Kraft in schwierigen Zeiten?
  • Gibt es einen Moment, in dem ich mich „verbunden“ gefühlt habe?
  • Wie können wir in unserer Gruppe mit Unterschiedlichkeit achtsam umgehen?

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Autor*in

Daniel
Daniel
Hey, ich bin der Kopf hinter dem Jugendleiter-Blog und war über zehn Jahren in der Jugendarbeit aktiv, habe viele Jahre einen Verband geleitet und blogge hier seit mehr als 15 Jahren über meine Erfahrungen aus mehr als 100 Freizeittagen und 200 Gruppenstunden. Du findest hier fertige Gruppenstunden, Spiele, Freizeit-Ideen und mehr von mir. Die besten Spiele und Ideen sind als Bücher erschienen.