✝️ Ostern & Frühlingsfeste: Sinnsuche, Hoffnung, religiöse und kulturelle Vielfalt
Neuanfang, Auferstehung, kulturelle Wurzeln, Brücken zwischen Weltanschauungen
Der Frühling ist nicht nur meteorologisch eine Zeit des Aufbruchs, sondern auch spirituell und kulturell stark aufgeladen. Ostern, das christliche Fest der Auferstehung, steht dabei im Zentrum – aber es ist nicht das einzige bedeutende Ereignis, das in diese Zeit fällt. Auch Pessach im Judentum, Nowruz (das persische Neujahrsfest), Frühlingsrituale in Naturreligionen oder säkular geprägte Feste wie das Maifest greifen das Motiv des Neubeginns auf.
Für die Jugendarbeit eröffnet das vielfältige Festgeschehen rund um das Frühjahr Chancen, über Sinnfragen, Hoffnung, Veränderung und Vielfalt ins Gespräch zu kommen – über kulturelle, religiöse und weltanschauliche Grenzen hinweg.
🕊️ Ostern: Mehr als ein christliches Fest
Ostern ist – vor allem im deutschsprachigen Raum – fest in der Gesellschaft verankert, selbst dort, wo religiöse Bindungen schwächer werden. Die Symbolik von Tod und Auferstehung, Dunkelheit und Licht, Verlust und Neuanfang hat eine Tiefe, die weit über das Christentum hinaus Bedeutung hat. Für viele Kinder und Jugendliche ist Ostern jedoch primär ein Fest mit Schokohasen und bunten Eiern.
Hier bietet sich ein doppelter Impuls an:
- Einerseits die religiösen und spirituellen Dimensionen des Festes erlebbar zu machen – ohne Zwang zur Glaubensübernahme.
- Andererseits Ostern als Anlass zu nehmen, um über universelle Themen wie Hoffnung, Verwandlung, Abschied und Neubeginn zu sprechen.
Auch für Gruppen mit gemischten religiösen Hintergründen gilt: Der Fokus muss nicht auf theologischen Details liegen, sondern auf den gemeinsamen menschlichen Erfahrungen, die das Fest thematisiert.
🌍 Vielfalt der Frühlingsfeste: Gemeinsamkeiten entdecken
Die Osterzeit kann ein Einstieg sein, um interreligiöse oder interkulturelle Lernprozesse zu ermöglichen:
- Was feiert man in anderen Kulturen im Frühling?
- Welche Rituale gibt es, um den Wechsel der Jahreszeit zu begehen?
- Welche Rolle spielen Freiheit, Reinigung, Dankbarkeit oder Hoffnung?
Ein Blick auf Pessach, das jüdische Fest zur Befreiung aus der Sklaverei, eröffnet Gespräche über Freiheit und Verantwortung. Nowruz, das Neujahrsfest vieler Menschen aus dem Iran, Afghanistan oder Zentralasien, lässt sich zum Anlass nehmen, über Lebenszyklen, Aufbruch und Heimat zu sprechen. Auch säkulare oder naturbezogene Feste – vom Frühlingstanz bis zur Walpurgisnacht – sind Teil einer kulturellen Vielfalt, die in Jugendgruppen wertschätzend aufgegriffen werden kann.
🧠 Pädagogische Impulse: Sinn, Werte, Perspektiven
Diese Feste eignen sich hervorragend, um in Jugendgruppen existenzielle Fragen aufzugreifen, die viele junge Menschen ohnehin beschäftigen – oft unausgesprochen:
- Was bedeutet Hoffnung für mich?
- Gibt es Dinge, an die ich glaube – unabhängig von Religion?
- Wie gehe ich mit Verlust und Veränderung um?
- Welche Rituale helfen mir, Übergänge zu gestalten?
Die Gruppenarbeit kann durch kreative und symbolische Methoden bereichert werden:
- Geschichten (religiös oder säkular) über Wandel und Hoffnung
- Rituale wie das Pflanzen eines „Hoffnungssamens“
- Symbole wie Licht, Eier, Wasser oder Feuer nutzen
- Diskussionen über Werte, Herkunft, Glauben – ohne Missionsabsicht
🤝 Respektvoller Umgang mit Differenz
Wichtig ist ein sensibler, inklusiver Umgang mit religiöser Vielfalt. In vielen Gruppen sind Kinder und Jugendliche mit unterschiedlichen Weltanschauungen vertreten – von religiös engagierten Christ*innen über säkulare Jugendliche bis hin zu muslimischen oder jüdischen Teilnehmenden. Es braucht Räume, in denen jede*r von der eigenen Sicht erzählen darf, ohne belehrt oder bewertet zu werden.
Die Devise für Jugendleiter*innen: nicht vermeiden, sondern gestalten – Gespräche über Religion, über Sinn und Zweifel, über Tradition und Moderne.

