Jahresplanungs-Guide für die Jugendarbeit

🗳️ Gesellschaftliche Ereignisse & aktuelle Themen aufgreifen

Wahlen, Klimakrise, gesellschaftliche Debatten, Medienereignisse – wie Gruppenarbeit darauf reagieren kann

Kinder- und Jugendarbeit ist niemals losgelöst vom gesellschaftlichen Kontext. Ganz im Gegenteil: Sie ist ein Spiegel und zugleich ein Resonanzraum für das, was draußen geschieht. Ob Wahlen, Klimastreiks, mediale Aufreger oder Diskussionen über Vielfalt, Gender oder Krieg – junge Menschen erleben diese Themen mit, fragen nach, entwickeln Meinungen. Die Gruppenarbeit bietet einen wichtigen Raum, um solche Themen aufzugreifen, zu reflektieren und gemeinsam einzuordnen. Nicht belehrend, sondern partizipativ, dialogisch und altersgerecht.


🧠 Warum aktuelle Themen in der Gruppenarbeit?

Kinder und Jugendliche sind Teil dieser Gesellschaft – mit Sorgen, Fragen und Perspektiven. Wenn Jugendarbeit aktuelle Entwicklungen ignoriert, verpasst sie Gelegenheiten zur:

  • Demokratiebildung und Meinungsentwicklung
  • Stärkung der Urteilskraft
  • Identitätsfindung im gesellschaftlichen Kontext
  • Förderung von Engagement und Selbstwirksamkeit

Der Anspruch lautet nicht: alle Nachrichten pädagogisch „abzuarbeiten“. Vielmehr geht es darum, offene Räume für Austausch und Orientierung zu schaffen – ganz im Sinne von „Was beschäftigt euch gerade?“ und „Was bedeutet das für uns als Gruppe?“


🗳️ Wahlen & Demokratieerleben

Wenn Wahlen anstehen – sei es kommunal, national oder europäisch – bieten sich vielfältige Anknüpfungspunkte:

  • Was ist Demokratie und wie funktioniert sie?
  • Welche Themen sind für junge Menschen relevant?
  • Wie sieht Beteiligung aus – auch unter 18?

Planspiele, Jugendforen, Diskussionsrunden, Plakataktionen oder Begegnungen mit Politiker*innen können solche Zeiten beleben. Besonders spannend: gemeinsam ein „Jugendwahlprogramm“ entwickeln – mit den Themen, die der Gruppe wichtig sind.


🌍 Klimakrise & Nachhaltigkeit

Die Klimafrage ist eines der zentralen Themen unserer Zeit – und viele junge Menschen fühlen sich davon existenziell betroffen. Gruppenarbeit kann hier:

  • Verantwortung ohne Überforderung fördern
  • Wissen vermitteln, ohne zu moralisieren
  • Aktionen initiieren, z. B. Müllsammeln, Kleidertausch, Klima-Workshops
  • Gefühle ernst nehmen: Klimaangst, Ohnmacht, aber auch Hoffnung

Dabei ist entscheidend, dass die Gruppe nicht nur über „Verzicht“ spricht, sondern über Zukunft, Gerechtigkeit und Handlungsmöglichkeiten.


🗞️ Medienereignisse & Diskurse

Ob Krieg in der Ukraine, Protestbewegungen im Iran, Social-Media-Trends oder mediale Aufregung um Prominente – Jugendliche sind oft bestens informiert. Umso wichtiger ist ein Raum, in dem sie ihre Eindrücke sortieren, diskutieren und einordnen können:

  • Was berührt uns – und warum?
  • Welche Quellen nutzen wir? Was ist glaubwürdig?
  • Wie gehen wir mit Widersprüchen oder Polarisierung um?

Ein niedrigschwelliger Einstieg kann sein: „Was habt ihr diese Woche in den Nachrichten gesehen, was euch nicht loslässt?“ Oder: „Welche Themen begegnen euch auf TikTok – und was denkt ihr darüber?“


💬 Gesellschaftliche Debatten & Wertefragen

Themen wie Diversität, Rassismus, Genderidentität, soziale Ungleichheit oder Meinungsfreiheit tauchen regelmäßig in medialen und politischen Debatten auf. Gruppenarbeit kann helfen, hier Sprache zu finden, Perspektiven zu verstehen und Haltung zu entwickeln:

  • Workshops zu Vorurteilen, Diskriminierung oder Machtstrukturen
  • Biografiearbeit und Perspektivwechsel
  • Raum für persönliche Geschichten und Fragen

Nicht jede Gruppe braucht sofort ein komplexes politisches Bildungsprojekt – aber jede Gruppe profitiert davon, wenn sie lernt, unterschiedliche Sichtweisen zu respektieren und eigene Werte zu reflektieren.


📣 Von der Diskussion zur Aktion

Gesellschaftliche Themen werden besonders wirksam, wenn sie nicht nur besprochen, sondern in Handlung überführtwerden. Beispiele:

  • Eine Diskussionsrunde über Plastikmüll endet mit einem Projekt zur Vermeidung im eigenen Gruppenalltag.
  • Eine Wahl wird zum Anlass, ein eigenes Jugendparlament zu simulieren.
  • Eine Nachrichtenlage führt zur Spendenaktion, Soli-Briefen oder kreativen Protestformen.

So erleben Kinder und Jugendliche: Meine Meinung zählt. Ich kann etwas tun.


🔄 Flexibilität & Sensibilität

Aktuelle Themen lassen sich nicht ein Jahr im Voraus planen. Umso wichtiger ist es, dass Gruppenleitungen eine Kultur der Offenheit und Spontaneität pflegen:

  • Themenfenster öffnen, auch wenn sie nicht im Plan stehen
  • Fragen zulassen, auch wenn keine fertigen Antworten existieren
  • Positionen aushalten, auch wenn sie unbequem sind

Das bedeutet auch: sich selbst als Leitungsperson nicht in der Expertenrolle zu verstecken, sondern gemeinsam zu lernen.


🧭 Weiterführende Reflexionen

  • Wie können wir aktuelle Ereignisse in altersgerechte Formate übersetzen?
  • Wie gehen wir mit kontroversen Meinungen in der Gruppe um?
  • Welche gesellschaftlichen Themen beschäftigen unsere Teilnehmenden wirklich – und nicht nur uns als Leitende?
  • Wie können wir Medienkompetenz fördern, ohne belehrend zu wirken?

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Autor*in

Daniel
Daniel
Hey, ich bin der Kopf hinter dem Jugendleiter-Blog und war über zehn Jahren in der Jugendarbeit aktiv, habe viele Jahre einen Verband geleitet und blogge hier seit mehr als 15 Jahren über meine Erfahrungen aus mehr als 100 Freizeittagen und 200 Gruppenstunden. Du findest hier fertige Gruppenstunden, Spiele, Freizeit-Ideen und mehr von mir. Die besten Spiele und Ideen sind als Bücher erschienen.