Viele Jugendleiter suchen in den Ferien neben dem eigenen Zeltlager einen Ferienjob. Warum nicht die bekannte Arbeit mit Jugendlichen und Kindern auch als kleiner Nebenverdienst in den Ferien fortsetzen. Wie das bei RUF geht und was die RUF Akademie für Jugendleiter tun kann – diese Fragen habe ich mit Thilo und Christoph der RUF Akademie diskutiert.

Hier ist das Interview:

Hallo Thilo, Hallo Christoph,
stellt euch doch den Lesern des Jugendleiter-Blogs kurz vor.

Thilo: Ich fange mal bei meinen „Ursprüngen“ an: Vor 18 Jahren habe ich als Jugendleiter in einer evangelischen Kirchengemeinde angefangen. Dort habe ich meine „Jugendleitercard“ erworben und verschiedene Freizeiten und Gruppen geleitet. Das hat mich geprägt und seither habe ich immer wieder (und immer wieder gerne!) mit Arbeitsbereichen aus den Feldern Jugendarbeit und Jugendreisen zu tun. Meine Erfahrungen aus der Jugendarbeit haben mich übrigens dazu gebracht, Sozialpädagogik (damals noch auf Diplom) zu studieren. Seit 2 Jahren bin ich als pädagogischer Referent in der ruf akademie fest angestellt. Bei ruf reisen habe ich vor 15 Jahren als Teamer/Jugendreiseleiter begonnen und dann in Spanien, Italien, Frankreich und Schweden in verschiedenen Jobprofilen wie Teamer, Animateur, Chefreiseleiter und schließlich als Ausbilder der Jugendreiseleiter gearbeitet. Parallel war ich als freiberuflicher Trainer im Bereich Jugend- und Erwachsenenbildung aktiv und habe zum Beispiel Kommunikationsseminare, Jugendleiterkurse und erlebnispädagogische Klassenfahrten geleitet.

Christoph: Ich musste gerade mal nachrechnen…ich komme nun in meinen 18. ruf-Sommer- das ist eine ganz schön lange Jugendreisegeschichte. Davon war ich acht Sommer- und Wintersaisons sowohl für ruf als auch für mehrere weitere Reise- und Jugendreiseveranstalter in unterschiedlichen Jobprofilen wie Teamer, Snowguide/Lehrer, Animateur, Chefreiseleiter und Hausleiter in verschiedenen Ländern Europas unterwegs. Parallel dazu habe ich an der Uni Erziehungswissenschaften studiert. Zunächst habe ich mich mit der Freizeitpädagogik und Medienpädagogik beschäftigt und später die Schwerpunkte berufliche Bildung und Erwachsenenbildung vertieft. Ebenfalls studienbegleitend war ich viele Jahre (neben ca. 40 weiteren freien und ehrenamtlichen Mitarbeitern) als Trainer und Referent für die ruf akademie tätig. Heute bin ich als Bereichsleiter Personal und Hauptverantwortlicher der ruf Akademie für die gesamte Personalarbeit des Unternehmens verantwortlich; dies schließt auch unsere 2200 Saisonmitarbeiter mit ein. Ob Kinderreiseleiter, Jugendreiseleiter, Saisonkräfte oder Bürokollegen, bei meiner Arbeit steht immer der Mensch im Mittelpunkt.

Was genau macht die ruf akademie? Wer ist die Zielgruppe?

Christoph: 1981 gründeten Freizeitpädagogik-Studenten der Universität Bielefeld den Verein Reisen und Freizeit mit jungen Leuten e. V. und somit ruf reisen. Die ruf akademie entstand zugleich als Teilbereich des Vereins und fungierte als reine Ausbildungsinstitution für den Reiseveranstalter ruf. In der Akademie werden kompetente Bewerberinnen und Bewerber durch eigene Trainer zu qualifizierten Kinder- und Jugendreiseleiterinnen und -leitern ausgebildet. Wir bieten umfassende Qualifizierungsmaßnahmen für alle unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an. Darüber hinaus entwickeln wir in der Akademie Konzepte für ruf, wenn es um geeignete Betreuungsleistungen und die pädagogischen Inhalte der Reisen geht. Seit einigen Jahren entwickelt sich die Akademie verstärkt zur Zukunftswerkstatt und trägt dazu bei, die Qualität junger Reisen zu sichern. Darüber hinaus ist die Akademie in der Forschung aktiv. Darüber und über unser gesamtes Angebot kann man sich auf unserer Homepage www.ruf-akademie.de informieren.

Was bietet ruf eigentlich für Jobs an?

Christoph: Wir bieten eine breite Vielfalt an unterschiedlichen Jobprofilen. Neben Kinder- und Jugendreiseleitern, die in der direkten Betreuung und Animation tätig sind, gibt es über 20 weitere Jobprofile. Zum Beispiel im technischen Bereich als Materialteamer, in unseren Küchen vor Ort als Koch oder Serviceteamer, aber auch in touristischen oder administrativen Bereichen. So können wir zu verschiedenen Ausbildungs- oder Studienrichtungen passende Jobs, Qualifikationen und Praktika anbieten, die weit über den sozialen, pädagogischen oder touristischen Bereich hinaus gehen.

Und was für unterschiedliche Reisen bietet ruf an?

Thilo: Inzwischen reichen die Reisethemen von Mottocamps für Kinder über Sport- Musik- oder Sprachreisen (z.B. ein Reiseziel in Kooperation mit einem Kinderfernsehsender oder das Geolino Camp bei dem es um Natur und Umweltschutz geht) bis zu USA-Rundreisen für junge Erwachsene. Unterkünfte sind Hotels, Camps oder größere Clubanlagen. Intensive pädagogische Konzepte sind natürlich bei Kinderreisen (8-10 Jahre) oder Teensreisen (11-13 Jahre) gefragt. Hier werden nur besonders für die verantwortungsbewusste und sensible Betreuung ausgebildete Kinderreiseleiter in einem höheren Betreuungsschlüssel eingesetzt. Bei den Jugendreisen (14 – 18 Jahre) gibt es aber ebenso mehr pädagogische Inhalte als man denkt – und als die Jugendlichen vor Ort merken! Die Reisen für die über 18-jährigen heißen „RUF NEXT“. Hier bieten wir ein altersgerechtes, lockereres Betreuungskonzept und darüber hinaus ein abwechslungsreiches Programmangebot. Außerdem veranstaltet ruf Klassen- und Gruppenreisen, Sprachreisen, Winterreisen und besondere Reiseprojekte unter dem Namen „ruf Explore“ – findet man natürlich alles auf der Homepage www.ruf.de.

Ihr sprecht eure pädagogischen Konzepte an – was bedeutet das in der Praxis?

Thilo: Als Beispiel mal eine Jugendreise an der Costa Brava: Da wird nicht nur einfach gefeiert, sondern das Ziel ist die jeweiligen Reiseländer, das Land und die Leute wirklich kennen zu lernen und bei einem abwechslungsreichen Programm aus sportlichen, kreativen oder landesspezifischen Bereichen die anderen Teilnehmer – und vielleicht auch sich selbst – ein bisschen neu kennen zu lernen. Das Konzept sieht vor, dass das Programm sowohl aktive, kreative, als auch entspannende Inhalte bietet– immer verbunden mit der Chance für die Jugendlichen mal etwas neues auszuprobieren und etwas anders zu tun als im Alltag und sich vielleicht sogar anders zu verhalten. Das Gruppengefühl und das gemeinsame Erleben stehen auch hier im Vordergrund. Die Jugendreiseleiter sind dafür zuständig, dass die Teilnehmer ihren Urlaub sorgenfrei, sicher und mit viel Spaß erleben – sich einfach wohlfühlen können, aber eben auch neues ausprobieren und entdecken können.

Christoph: Grundsätzlich kann man sagen, dass unsere pädagogische Philosophie ist, den Jugendlichen immer in seinen Bedürfnissen ernst zu nehmen und bei der Umsetzung stets im Rahmen von pädagogischen und juristischen Möglichkeiten und Grenzen zu handeln. Trotzdem gibt es nicht immer das gleiche pädagogische Konzept oder die gleichen Methoden, denn so individuell wie unsere jungen Gäste sind, so situativ sind auch die jeweiligen Methoden. Bei unseren Grundlagenseminaren und job- oder reisezielspezifischen Fortbildungen fließen aktuelle wissenschaftliche und pädagogische Erkenntnisse ein, so dass wir unsere Ausbildungs- und Reisekonzepte ständig hinterfragen und aktualisieren.

Wie unterscheidet sich die Ausbildung eines ruf Jugendreiseleiters von einer Juleica-Schulung?

Thilo: Berechtigte Frage – ich habe beides als Teilnehmer absolviert und beides als Ausbilder geleitet. Meiner Meinung nach ist es ungefähr so: Wo die Jugendleiterkurse zum Erwerb der JuLeiCa eher eine Grundausbildung für die Arbeit mit Kinder- und Jugendgruppen in Verbänden und Vereinen ist, geht die Ausbildung bei ruf über die JuLeiCa Themen wie z.B. Gruppenpädagogik, Leitung von Gruppen und Aufsichtspflicht hinaus auf die individuelle Gruppendynamik und Programmgestaltung bei Kinder- bzw. Jugendreisen ein. Darüber hinaus sind die Bereiche professionelle Touristik und Animation natürlich zusätzliche Schwerpunkte: Kompetente Reiseleitung, Beschwerdemanagement, Krisenmanagement aber auch Showanimation, Ausflugsmoderation und touristisches Know How. Unsere Grundlagenausbildung für die Teamer umfasst fünf vollgepackte Tage – dort ist es ganz realistisch wie im Job des Teamers: Bis spät abends wird gearbeitet, es gibt wenige Pausen, viele Inhalte – aber (ebenfalls wie im Teamer Job!) sehr viel Spaß und sehr viele neue, wertvolle Erfahrungen. Am Ende des Seminars liegen sich die „frischgebackenen“ Teamer mit Tränen in den Augen in den Armen weil es so eine intensive Zeit war. Sie können es dann kaum erwarten endlich in ihren Job zu starten. Mir ging es damals nicht anders und für mich war es eine wertvolle Ergänzung zu meinen bisherigen Jugendleiter-Erfahrungen. Der Job bei einem professionellen Reiseveranstalter ist nochmal etwas ganz anderes und bietet neue Herausforderungen aber auch neue Qualifikationen. Trotz des großen Wirtschaftsunternehmens und der professionellen Touristik „pädagogisch wertvoll“ arbeiten zu dürfen war für mich eine Voraussetzung die bei ruf zum Glück gegeben ist.

Steht die Akademie auch anderen offen?

Christoph: Viele der Ideen, Konzepte und Seminare sind sicher auch außerhalb unseres Unternehmens attraktiv. Wir werden uns zukünftig stärker mit den Angeboten der Akademie öffnen und einige Seminare, die bislang nur intern offeriert wurden, auch extern anbieten. Gerne laden wir dazu Interessierte für Seminare, Workshops, Tagungen etc. in unser neues Ausbildungszentrum, den ruf Campus in Bielefeld ein. Informationen dazu wird es auf unserer Homepage www.ruf-akademie.de geben.

Habt ihr eine Spielidee aus eurer Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Jugendleitern für meine Leser?

Thilo: Da fällt mir ein kurzes Spiel ein, dass ich sehr gern spontan mit Kinder-, Jugend- oder Seminargruppen spiele. Man braucht keine Vorbereitung und kann es überall spielen wo Gruppen von 10 bis 100 Menschen zusammen locker stehen können:

Spontan sucht sich jeder einen Partner und spielt das bekannte Schnick-Schnack-Schnuck, die erlaubten Figuren müssen vorher festgelegt werden (z.B. die Klassiker Schere-Stein-Papier). Der Verlierer im Schnick-Schnack-Schnuck Duell muss von nun an immer den Gewinner anfeuern, während dieser sich schnell einen neuen Duellpartner sucht. Automatisch wächst so die Menge der „Anfeuerer“ an bis nur noch 2 Gewinner Schnick-Schnack-Schnuck spielen und von allen anderen angefeuert werden: Ein witziges, lautes Finale. Hört sich vielleicht erstmal kompliziert an, aber wenn man einfach drauflosspielt lockert es ungemein auf und hat noch einen positiven Effekt auf die Gruppendynamik durch das gegenseitiges Anfeuern.

Hallo, schön, dass du hier vorbeischaust. Ich bin der Kopf hinter dem Jugendleiter-Blog und bin seit über 10 Jahren in der Jugendarbeit aktiv, habe viele Jahre einen Verband geleitet und blogge hier über meine Erfahrungen aus mehr als 100 Freizeittagen und 200 Gruppenstunden.

Meine besten Spiele und Ideen sind als Bücher erschienen.

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