Vollständig ausgearbeitete Gruppenstunde

Gruppenstunden-Programm: Politik verstehen

Politik, Demokratie

10-14 Jahre

indoor

3*60min
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Die Politik ist etwas, das uns alle angeht. Da kann es nicht schaden, auch schon den jüngsten Generationen etwas über die Zusammensetzung der politischen Vorgänge zu erzählen und Themen rund um den Begriff “Demokratie” gemeinsam zu erarbeiten. Zwar lernen Kinder und Jugendliche bestimmte Prozesse schon in der Schule, doch was bei der oftmals trocknen Unterrichtsgestaltung hängen bleibt, ist fraglich. Denn in der Schule dreht sich meistens alles nur um trockene Theorie, das wollt ihr besser machen.

Ihr gestaltet zusammen mit den Teilnehmer*innen drei Gruppenstunden, die sich für Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 14 Jahren besonders gut eignen. Dazu zählen unter anderem die Klärung von Begrifflichkeiten, passende Übungen dazu, Diskussionsrunden, Spiele und auch der Bezug zu Politiker*innen selbst.
Im Fokus wird dabei durchgängig stehen, dass die Kinder Politik und Demokratie verstehen lernen. Spielerisch sollen sie also verstehen, was Wahlen sind, was das genau bedeutet und dass es hierbei verschiedene Ebenen gibt. Dazu zählen beispielsweise auch die verschiedenen Aufgaben von EU, Bund, Ländern und Kommunen.

Am Ende dieses Projektes solltet ihr den Kindern dann noch die Möglichkeit geben, sich innerhalb einer offenen Reflexionsrunde mitteilen zu dürfen. Abschließend können hier noch offene Fragen geklärt werden und die Jugendlichen sollen darüber bestimmen, ob sie sich wohlgefühlt haben und vor allem, ob das Programm nicht zu trocken, abwechslungsreich und spannend war. Auch die Lernfortschritte, also was die Teilnehmer*innen aus den Gruppenstunden mitnehmen, sind interessant zu erfahren.

Gruppenstunde 1: Demokratie und Politik verstehen

In der ersten Gruppenstunde soll es darum gehen, was genau die Demokratie bedeutet, was die Kinder und Jugendlichen darunter verstehen können und wo sich sowohl diese als auch die Politik im Alltag und darüber hinaus finden lassen. Diskussionsrunden, eine Übung in wahlweise einer Einzel- oder Gruppenarbeit sowie einer praktischen Übung dienen dabei als Orientierungspunkte.

Was ist Demokratie?

Versammelt euch in einem Stuhl- oder Sitzkreis und legt in die Mitte das Wort “Demokratie” aus Steinen. Fragt die Kinder und Jugendlichen gleich zu Beginn, nach dem ihr sie willkommen geheißen habt, was sie sich unter diesem Wort vorstellen können und ob sie damit schon mal, z.B. in der Schule, in Berührung gekommen sind.
Danach definiert ihr zunächst das Wort. “Demokratie” stammt als solches aus dem Griechischen, wobei “demos” Volk bedeutet und “kratos” Macht. Dies lässt sich also zusammenhängend sagen, dass das Volk eines Landes hier herrscht und nicht nur eine einzelne Person, so wie beispielsweise in einer Diktatur.
Allerdings kommt es zu ziemlich viel Trubel, wenn alle ihre Meinung äußern, deswegen werden beispielsweise Vertreter*innen gewählt, wie eben Klassensprecher*innen und auch der*die Bundeskanzler*in. Macht deutlich, dass die Vertreter*innen, die vom Volk in der Politik gewählt werden, für neue Gesetze, Änderungen und Regeln sorgen. Außerdem ist es wichtig, sich eine Meinung zu bilden um diese preiszugeben, aber ebenso andere Meinungen zu respektieren. Das ist Grundlage für die nächste Aufgabe.

Regeln, die ich kenne

Nun entscheidet ihr zunächst, ob die Kinder und Jugendlichen in Einzel- oder Gruppenarbeit arbeiten sollen. Sie erhalten nun jeweils einen Zettel, auf denen von euch bereits vorab die Überschrift “Regeln, die ich kenne” abgetippt habt. Außerdem sollten noch Unterpunkte mit etwas Platz zum Schreiben voneinander aufgeführt werden, die wie folgt lauten:
– Familie
– Schule
– Verkehr
– Supermarkt
– Sonstige

Lasst die Teilnehmer*innen nun entweder alleine für sich überlegen oder in kleinen Gruppen diskutieren, welche Regeln es in diesen Bereichen gibt und welche Regeln ihnen sonst noch einfallen.
Erarbeitet, dass diese Regeln nicht von einer Person, sondern eben durch demokratische Prozesse (Abstimmungen) in der Politik (durch gewählte Vertreter*innen) aufgestellt wurden.

Politik und Demokratie in der Zeitung

Um den Teilnehmer*innen zum Schluss zu veranschaulichen, dass und sowohl die Politik als auch die Demokratie im Alltag überall begegnen, legt ihr Zeitungen auf einem großen Tisch aus. Die Kinder und Jugendlichen sollen nun Artikel heraussuchen, in denen es um eben diese beiden Bereiche geht. Dazu werden diese ausgeschnitten und am Ende der gesamten Gruppe kurz vorgestellt. Dabei muss es sich nicht um große Schlagzeilen bekannter Politiker handeln.
Demokratie findet auch schon in Schulen, Kitas, Sportvereinen und anderen Lebensbereichen statt, die nicht immer gleich offensichtlich sind. Gerne könnt ihr zu diesem Punkt ebenfalls Artikel heraussuchen, ausschneiden und den Kindern und Jugendlichen davon berichten.

Gruppenstunde 2: Bestandteile der Politik

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Die heutige Gruppenstunde befasst sich hauptsächlich damit, wie die Politik zusammengesetzt ist, was Wahlen dabei für eine Rolle spielen und welche Bedeutung sie haben und ihr nehmt in irgendeiner Form Kontakt zu einem*einer Politiker*in auf.

Rollenspiel der Politik-Bestandteile

Trefft euch wie schon in der letzten Stunde in einem Stuhl- oder Sitzkreis und wiederholt kurz, was ihr in der letzten Gruppenstunde gemacht habt und was ihr noch davon wisst. Dann offenbart ihr den ersten Programmpunkt des heutigen Tages: Ihr wollt zu den politischen Bestandteilen mittels verschiedener Medienquellen ein Rollenspiel entwickeln.
Dazu stellt ihr zunächst die Bestandteile (aber ohne ihre Aufgaben) vor:
– EU
– Bund
– Länder
– Kommunen

Ihr benötigt also vier Gruppen, welche ungefähr gleichgroß sein sollten. Nun haben die Gruppen 10 Minuten Zeit, via Smartphone, Fachbüchern, PCs oder was euch sonst zur Verfügung steht Infos zu ihrem politischen Bestandteil herauszufiltern. Mittels dieser Informationen müssen sich die Gruppen gleich einander vorstellen und zwar so, als wäre dieser Bestandteil eine Person. Diese Person besteht aber im Inneren aus mehreren Bestandteilen, daher werden auch mehrere Kinder pro Einheit benötigt, die beim Rollenspiel mitmachen.
Lasst den Kindern und Jugendlichen dabei aber die Entscheidungsfreiheit, wie sie dies gestalten wollen. Am Ende leitet ihr dann das Rollenspiel ein, indem ihr nach und nach die politischen Einheiten und dessen Bestandteile bittet, sich den anderen vorzustellen. Im Anschluss dürfen dann von den anderen Bestandteilen Fragen gestellt werden.

Wahlen und ihre Bedeutung

Dieser Bereich der Politik ist für Kinder und Jugendliche, insbesondere für die jüngeren, teilweise schwer zu verstehen und nicht immer einfach nachzuvollziehen. Haltet gemeinsam in einer Mindmap fest, was Wahlen bedeuten und was an einem Wahltag passiert. Infos dazu, die kindgerecht erklärt werden, findet ihr unten.
Nach der Mindmap wollt ihr eure eigene Wahl veranstalten, um dieses Thema logischer zu machen, quasi “Lerning by Doing”. Dabei wollt ihr nun zwei Kinder und Jugendliche wählen, die im nächsten und heute letzten Programmpunkt wichtig sind. Denn hierbei nehmt ihr Kontakt zu einem*einer Politiker*in auf, entweder in Form eines Briefes oder durch ein Besuch, bei dem das Gespräch geleitet werden muss und dazu dient die jetzige Wahl.
Verteilt Zettel, auf denen die Teilnehmer*innen nun ihre*n Favoriten schreiben sollen. Das Ganze läuft anonym und deswegen wird der Zettel gefaltet und von euch ausgewertet. Das Kind mit den meisten Stimmen wird zum*zur Sprecher*in ernannt, der*die Zweitplatzierte*r zum Assistenten.

Eine kurze Beschreibung, was Wahlen überhaupt bedeuten, erfahrt ihr hier.

Und eine Erklärung, was am Wahltag passiert, kann hier nachgelesen werden.

Der*Die Politiker*in

Heute wollt ihr euch mit einer “Person vom Fach” auseinandersetzen. Idealerweise ladet ihr euch dazu vorab eine*n Politiker*in ein, welche*r eure Fragen beantworten wird. Dazu sollte allerdings aktuell kein aktiver Wahlkampf um die Person stattfinden und es sollte die Person einer demokratischen Partei sein.
Die beiden Sprecher*innen leiten nun das Gespräch und alle dürfen ihre Fragen stellen. Passend wären beispielsweise:

– Wie wird man Politiker*in?
– Warum haben Sie sich für diesen Posten entschieden?
– Was macht ihre Partei aus?
– Wie definieren Sie Demokratie?
– Haben Sie schon mal eine*n Bundeskanzler*in getroffen?

Solltet ihr nicht die Möglichkeit bekommen, eine*n Politiker*in zu euch einzuladen, schreiben die beiden gewählten Personen einen Brief, allerdings gemeinsam mit der ganzen Gruppe.

Gruppenstunde 3: Wir sind heute die Politik

Heute findet eure letzte Stunde zum Thema “Politik und Demokratie” statt. Das angesammelte Wissen und die eigenen Interessen sollen mittels eines Fallbeispiels angewandt und auf die Probe gestellt werden. Dazu schaut ihr euch zu Beginn ein Video an, worauf dann Aufgaben folgen und im Anschluss wird dann eine Diskussion mit Lösungsvorschlägen und einem Ergebnis geführt.

Das Planspiel: Themenvideo schauen und besprechen

Heute dreht sich fast alles um dieses Video:

https://www.youtube.com/watch?v=OhnyW8F4_kA&ab_channel=Demokratieforschung

Es geht dabei um Felddorf, einem kleinen Ort, der um eine Umgehungsstraße kämpft und diskutiert. Schaut euch das Video gemeinsam zu Beginn der Gruppenstunde nach der Begrüßung an und fasst anschließend die Fakten des Films zusammen. Daran angeknüpft geht es dann gleich an die Aufgaben, welche euch durch den Fall begleiten sollen.

Die Aufgaben zum Video

Ihr seid jetzt wie im Video beschrieben die Politiker des Dorfs und müsst Entscheidungen treffen: politisch, demokratisch und fair, unter der Berücksichtigung aller Beteiligten.
Teilt zunächst die jeweiligen Gruppen ein, also die Elternpartei (blaue Partei), die Wirtschaftspartei (rote Partei), die Umweltpartei (grüne Partei) und die Bauernpartei (gelbe Partei). Vermerkt, was die Ziele dieser Parteien sind (im Video aufgeführt). Jede Gruppe erhält ein Plakat ihrer Farbe und setzte sich zunächst für sich zusammen.

Die Parteien sollen nun ihre Forderungen, Wünsche, aber auch Lösungsansätze aufführen, die sie später den anderen Parteien vorstellen möchten. Bestimmt außerdem 1-2 Gesprächsleiter*innen, welche sich darum kümmern sollen, dass gleich bei der Zusammenführung nicht alle durcheinanderreden und jede*r die Chance bekommt, seinen*ihren Standpunkt einzunehmen. Gerne dürfen dabei innerhalb der Partei auch noch mal Rollen verteilt werden, also z.B. jemand, der einfach nur seinen*ihren Dickkopf durchsetzen möchte und sich (erst mal) nicht auf andere Lösungen einlässt, dann noch jemand, der*die eigentlich keine Ahnung hat, was überhaupt entschieden wird, dann jemand, der*die sich schnell auf die Lösung einer anderen Partei einlässt usw.
Dabei dürfen gerne auch lustige Rollen verteilt werden, je bunter und abwechslungsreicher die Parteien sind, desto besser.

Wir sind Politik!

Die Parteien sitzen jeweils zusammen, davor sitzen oder stehen dann die Gesprächsleiter*innen, welche sich zum Thema völlig neutral verhalten. Diese haben sich vorab Notizen gemacht, was sie Fragen möchten und wie sie die Gesprächsrunde leiten wollen, gerne auch mit Input und guten Ideen eurerseits. Dann kann die große Diskussionsrunde auch schon losgehen.
Jede Partei bekommt nun die Möglichkeit, ihren Standpunkt zu erklären und welche Lösungsansätze sie herausgearbeitet haben. Nachdem das geschehen ist, sollten sie zu den Vorschlägen der anderen Stellung beziehen und so baut sich dann eine Gesprächswelle auf. Sollte sich eine Partei eher zurückhalten, darf sie auf Dauer gerne von den Gesprächsleiter*innen angesprochen und ermutigt werden, sich zu beteiligen.
Ziel ist es, am Ende eine gut umsetzbare Lösung zu finden und diese auf einem Plakat festzuhalten, welche dann von allen Beteiligten unterschrieben wird.

Reflexionsrunde

Nachdem ihr das Plakat eurer Entscheidung aufgehängt habt, setzt ihr euch abschließend noch einmal zusammen und unternehmt eine kleine Reflexionsrunde.
Wie hat den Kindern und Jugendlichen diese Projektreihe gefallen? Konnten sie der Thematik gut folgen und hat es ihnen Spaß gemacht? Wie geht es ihnen jetzt und was würden sie sich für das nächste Mal wünschen?
Gibt es außerdem Dinge, welche den Teilnehmer*innen besonders in Erinnerung geblieben sind?

Bedankt euch für das tolle Mitmachen und Gestalten der vergangenen Zeit und entlasst die Gruppe mit einem positiven Gefühl.

Daniel
Daniel
Hey, ich bin der Kopf hinter dem Jugendleiter-Blog und war über zehn Jahren in der Jugendarbeit aktiv, habe viele Jahre einen Verband geleitet und blogge hier seit mehr als 15 Jahren über meine Erfahrungen aus mehr als 100 Freizeittagen und 200 Gruppenstunden. Du findest hier fertige Gruppenstunden, Spiele, Freizeit-Ideen und mehr von mir. Die besten Spiele und Ideen sind als Bücher erschienen.

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