Prävention sexueller Gewalt: Erfolgreiche Arbeit vor dem Aus

Noch bis März 2011 kann der Bayerische Jugendring (BJR) das Projekt „PräTect – Prävention sexueller Gewalt in der Kinder- und Jugendarbeit“ finanzieren. Dann ist für das bundesweite Leuchtturmprojekt Schluss, obwohl dieses Engagement angesichts der aktuellen Entwicklungen weiterhin dringend notwendig ist. „Wir haben 2003 mit PräTect als zeitlich befristetem Projekt begonnen und es immer wieder verlängert, auch dank Bundesförderung, weil es das Denken in der Jugendarbeit verändert und präventive Strukturen geschaffen hat“, so BJR-Präsidentin Martina Kobriger. „Nach mehr als sieben Jahren müsste PräTect endlich vom Projekt zur Regelaufgabe werden, nur haben wir kein Geld dafür.“ Kultusstaatssekretär Dr. Marcel Huber sieht das ähnlich und hat bereits im März versprochen, sich für eine Finanzierung und einen Fortbestand von PräTect einzusetzen. Angesichts der leeren Kassen des Freistaats machen die Haushälter dem Bayerischen Jugendring aber derzeit nur wenig Hoffnung, dass dies auch gelingen kann.

Der Bayerische Jugendring steckt in einem Dilemma: In Projekten, die in der Regel drei Jahre dauern, wird die Jugendarbeit im Freistaat auf neue Themen vorbereitet und weiterentwickelt. Nach Abschluss eines Projekts wird entschieden, wie man mit den neuen Erkenntnissen weiter verfährt; im Idealfall gehen sie in die alltägliche Arbeit ein. Beim Projekt PräTect ist das nicht ganz so einfach, denn es geht nicht nur darum, ein einmal erprobtes pädagogisches Konzept zu implementieren. Vielmehr sind dauerhafte Strukturen und Ansprechpartner notwendig, um die oft wechselnden Ehrenamtlichen kontinuierlich zu beraten und zu betreuen. Dazu gehören z.B. ein Netzwerk von Vertrauenspersonen und eine Fachkraft, die auf Landesebene die Koordination und die Beratung übernimmt. Diese dauerhafte Aufgabe muss finanziert werden.

Wie bei der massenhaften Aufdeckung von Fällen sexueller Gewalt in Internaten und Schulen in den vergangenen Monaten deutlich wurde, spielen Organisationsstrukturen im Zusammenhang mit (Prävention) sexueller Gewalt eine entscheidende Rolle. Organisationen mit transparenten Leitungsstrukturen und funktionierenden Kontroll- und Beschwerdemöglichkeiten bieten ein relativ hohes Maß an Sicherheit. Dort ist es leichter, genau hinzuschauen, Fehlverhalten aufzudecken und rechtzeitig Grenzen zu ziehen. Weil Täter/-innen strukturelle Schwächen von Organisationen für ihre Zwecke ausnutzen, dürfen sich Präventionsmaßnahmen nicht nur auf die pädagogische Ebene beziehen – Stichwort „Kinder stärken“. Organisationen müssen strukturell wirksame Schutzmaßnahmen einführen, um das Risiko von Übergriffen in den eigenen Reihen möglichst gering zu halten.

Ein solches Präventionskonzept verfolgt der Bayerische Jugendring mit dem Projekt PräTect. Damit diese Arbeit weitergehen kann, verhandelt der BJR derzeit mit dem Landtag um die dafür notwendige Fachberatungsstelle auf Landesebene. „Während sich das Haushaltsvolumen des Freistaats in den letzten zehn Jahren fast verdoppelt hat, sind die Ausgaben für Jugendarbeit stagniert“, klagt BJR-Präsidentin Martina Kobriger. „Wenn sich jetzt herausstellt, dass im reichsten Bundesland die Prävention sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche nicht Grund genug ist, eine Stelle zu schaffen, fehlen mir wirklich die Worte, das den Eltern und den uns anvertrauten Kindern und Jugendlichen in Bayern zu erklären.“






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Daniel
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