Über das schwierige und komplizierte Thema „Selbstmord“ wird in einer Gruppe kaum gesprochen. Das kann daran liegen, dass der Umgang mit so einem Thema viele überfordert. Zum anderen liegt es auch daran, dass viele so ein Thema verdrängen, obwohl sicherlich einige Gruppenmitglieder schon einmal selbst Selbstmordgedanken hatten, oder mit dem Thema aus ihrer näheren sozialen Umgebung konkret konfrontiert worden sind.

Suizidgedanken

Wie kann so ein Thema angegangen werden? Ich habe ehrlich gesagt nichts gefunden um das Thema nicht nur auf „Vortragsbasis“ und als „Diskussionsthema“ darzustellen.

Einen Entwurf mit ein paar Spielszenen und Gedanken zu so einem Abend habe ich auf Praxis-Jugendarbeit eingestellt, wohl bewusst dass so ein Entwurf nur Stückwerk sein kann und nur mögliche Anregungen liefern wird.

Aber weitere Ideen oder Erfahrungen sind natürlich willkommen. Vielleicht wird daraus dann wirklich der perfekte Abend.

Den vorliegenden Entwurf habe ich mit einer Gruppe (14-18 jährige Jungen) ausprobiert. Das Thema wurde sehr ernst genommen, auch dankbar angenommen, weil die Jungs selbst schon in irgendeiner Form mit dem Thema konfrontiert waren. Niemand hat sich äußern müssen, aber die anonyme Auswertung zeigte, wie stark zum Teil einige mit dem Thema bereits zu kämpfen hatten.

Und ein zweites wurde deutlich: was verbirgt sich hinter mancher Fassade? Wie wenig kennen wir unsere Gruppenmitglieder und ihre wahren Nöte und Sorgen? Ich meine, dass ein solcher Abend ein Anfang ist und eine Möglichkeit für diejenigen, Mut zu bekommen sich zu öffnen und um Hilfe zu schreien, die wirklich verzweifelt sind.

2 KOMMENTARE

  1. Okay, deinem Gedankengang kann ich folgen, aber was passiert, wenn sich wirklich jemand da öffnet? Könnte dies nicht auch zu Reaktionen und Situationen führen, die den Jugendleiter mit der normalen Ausbildung nicht nur überfordern, sondern weit übersteigen?

    Und wie sollte man dann weiter vorgehen? Abwürgen – sicherlich nicht! Weiterlaufen lassen – und im Nachhinein merken, was man alles falsch gemacht hat und besser machen sollte?

    Ich denke, dass das Thema deswegen nur sehr selten in einer Gruppe angesprochen wird, da es eben ein zweischneidiges Schwert ist. Zum einen deine aufgeführten Punkte, aber eben auch die Tatsache, dass man wissen wollte, was man da tut. Denn wenn man es damit schlimmer macht, ist keinem geholfen!

    Ich möchte damit jetzt nicht den Eindruck erwecken, dass man bei konkreten Verdachtsfällen nicht mit der Person reden sollte, doch vielleicht wäre da ein Einzelgespräch angebrachter.

  2. Also natürlich würde ich nur ein Einzelgespräch vorziehen. Ich würde niemals ein Gespräch mit der Gruppe über ein so tief gehendes Problem eines Einzelnen führen. (Müsste ich vielleicht noch explizit erwähnen.) Das war auch nicht der Fall. Nur jeder der Kids weiß, dass sie die Möglichkeit eines vertraulichen Gesprächs im Anschluss oder irgendwann später hätten. Selbst „Verdachtsfälle“ würde ich nicht konkret ansprechen, eher indirekt versuchen über ein anderes Thema zum eigentlichen Problem zu kommen. Nur wenn der Jugendliche von sich aus, das Thema dann erwähnt, würde ich konkret darauf eingehen.
    Ich schrieb ja auch, dass man das Thema nur angehen sollte, wenn man sich dem Thema gewachsen fühlt. Seelsorgerliche Erfahrungen und auch Lebenserfahrung sollten schon vorhanden sein (hat vielleicht nicht gerade jeder, vor allem nicht sehr junge Mitarbeiter). Und wenn der Jugendleiter selbst der Sache nicht gewachsen ist, aber merkt, dass da jemand unbedingt Hilfe braucht, dann kann er mit derjenigen Person ja auch vereinbaren zusammen jemanden zu finden, der helfen und beraten kann. Es geht mal darum, dass der Jugendliche weiß, dass da jemand ist, mit dem man sprechen kann.

    Was soll schlimmer werden? Du bietest Deine Hilfe an. Der Jugendliche muss dann auf dich zugehen. Dazu kannst Du ihn nicht drängen. Ich denke zuhören, verstehen lernen und gemeinsam kleine Schritte vereinbaren, oder sich noch Hilfe von dritter Seite zu holen ist allemal besser, als nichts zu tun.

    Ich denke, dass so wie es beschrieben ist und mit einem bisschen Abstand durchgeführt, so ein Abend ganz gut werden kann, ohne dass sich nun jemand vor der Gruppe, oder gleich im Anschluss an den Abend beim Gruppenleiter outen muss. Die Botschaft, die dahinter steckt ist vielmehr die, dass man ohne fremde Hilfe schwerlich aus so einer Krise herauskommt. Wenn von Gruppenleiterseite aus Hilfe angeboten wird, sei es durch Zuhören, gemeinsames Finden Hilfe von dritter Seite, dann ist das der erste Schritt (oder eine von mehreren Möglichkeiten). Dies würde jedoch natürlich voraussetzen, dass ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen Gruppenleiter und demjenigen besteht.
    Für alle anderen die Botschaft: wer jemals in eine solche Situation kommen sollte, der soll sich irgendwoher Hilfe holen. Das ist nicht einfach, das kostet Mut, aber nicht das Leben.

    Hm ich denke, da könnte man noch einiges schreiben. Ich war mir im Vorfeld des Abends ja auch nicht sicher, ob das Thema ankommt und ob die Jugendlichen zuhören, mitmachen und die anonymen Fragen ehrlich beantworten. Doch so wie die Reaktionen und Kommentare im Anschluss waren, fanden die Jugendlichen den Abend eine Hilfe. Inwiefern die „Verdachtsfälle“ was davon hatten kann ich nur erahnen – die Fragen waren ja anonym.

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