Jetzt klebt GUT DRAUF drauf… (Gütesiegel und Label, Teil 1)

Die Werbung macht auch vor Kinder- und Jugendreisen nicht halt. Während bei Toastern, Staubsaugern und PC’s oft ein TÜV-Siegel, bei Spielwaren ein GS-Zeichen und bei anderen Produkten schon wieder andere Zeichen kleben (Wer erinnert sich eigentlich an den blauen Engel?) gibt es nun seit einigen Jahren auch spezielle Gütesiegel, Standards und Label für Angebote rund um Kinder- und Jugendfreizeiten.

Da wäre zum Beispiel der GUT DRAUF-Standard. Ist leicht zu bekommen, weil bei Deiner Ferienfreizeit alle immer gut drauf sind? Denkste! GUT DRAUF ist ein Programm, das von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) entwickelt und von ihr maßgeblich vorangetrieben wird. Koordiniert werden die Informationen, Fortbildungen und natürlich auch die Zertifizierung von Jugendreisen (aber auch von Unterkünften, Schulen und Freizeiteinrichtungen) durch das Kölner Büro von transfer e.V. Im Mittelpunkt von GUT DRAUF stehen die drei Elemente Ernährung, Bewegung und Entspannung.

Ist eine Jugendreise als GUT DRAUF anerkannt, dann stehen hinter diesen drei Schlagworten echte Versprechen (Muss-Kriterien) und möglicherweise auch darüber hinausgehende Angebote (Kann-Kriterien).
Stichwort: Ernährung. Eine Kinderfreizeit, die es versteht die Speisen ansprechend zu dekorieren und zu präsentieren, hat den ersten Schritt getan. Denn so werden die Teilnehmer animiert auch bei gesunder Nahrung gerne zweimal zuzugreifen und vielleicht auch Unbekanntes auszuprobieren. Auch ein frischer Salat zu mindestens einer Tagesmahlzeit, frische Produkte statt Tütensuppen, Fingerfood und Wasser oder Fruchtschorlen können dann viel eher begeistern. GUT DRAUF macht aber nicht nur bei der Verwendung von Lebensmitteln oder der Präsentation alleine halt, auch das Programm einer Freizeit soll die Ernährung aufgreifen. Wie wäre es also zum Beispiel mit einem Essensfest, einer entspannten Begrüßungsrunde und einem Picknickservice? Wer dann noch ungesüßte Müslis, Vegetarierservice, Bioprodukte, eine Obstplatte als Preis bei Sportevents oder einen Gutenachtsnack anbietet ist schon über den Pflichtbereich hinaus und quasi bei der „Kür“ angekommen.

Stichwort: Bewegung. Ähnlich funktioniert auch die Bewertung der Bewegungselemente einer Reise. Können Bewegungselemente durch Anzeigentafeln, mobile Musikanlagen, Sonnenschirme, Tische und Bänke entsprechend arrangiert werden? Bietet die Fahrt einen Ausleihservice von Spiel- und Sportgeräten? Sind Bewegungsangebote auch wetterunabhängig möglich? Und wie steht es eigentlich um vorbereitete Spiel- und Geländeaktionen? Auch der Blick auf die Programmplanung gehört zum GUT DRAUF-Check dazu. Pro Woche soll es mindestens ein betreutes inszeniertes Event geben, z.B. ein Sportfest oder eine Olympiade. Und auch im Tagesprogramm darf ein Bewegungsbaustein nicht fehlen. Wer dann noch eine größere Sportanlage in der Nähe bietet, vielleicht sogar einen Fahrradverleih oder einen Naturerlebnis- bzw. Abenteuerspielplatz, der ist auch hier über den Pflichtbereich bereits hinaus gekommen.

Stichwort: Entspannung. Ja ist eine Freizeit eigentlich Entspannung? Oder bietet das viele Programm nicht einen Stress ganz eigener Art? Auch hier guckt GUT DRAUF der Reise und den Jugendleitern auf die Finger. Ein ausgewiesener Entspannungsraum von mind. 14m², mobile Utensilien zur Schaffung von Ruhe und Entspannungsräumen, Nichtraucherregelungen, Entspannungsangebote wie Hängemattenaktionen oder Traumreisen und natürlich auch Meditationen oder Massagen dürfen hier nicht fehlen. Pluspunkte darüber hinaus bringen entspannende Raumgestaltungen, Rückzugsbereiche, eine Sauna, eine Cafeteria und Ähnliches.

Wer unter diesen drei Standards kräftig gepunktet hat, kann schon bald ein GUT DRAUF Label sein eigen nennen… wäre da nicht noch die Qualitätssicherung. Natürlich soll eine Kinder- und Jugendreise nicht nur einmal an einem Stichtag wie aus dem Ei gepellt GUT DRAUF sein. Auch wenn die Überprüfung durchlaufen ist, sollen die Standards gehalten und am besten natürlich weiter entwickelt werden. Hierfür gilt es daher mindestens einen Entscheidungsträger zu schulen, Teamer fortzubilden, Produkt- und Programminformationen vorzubereiten und das Audit (also einen persönlichen Besuch zum GUT-DRAUF-Check) zu absolvieren.

Und dann ist es soweit. Dann klebt auch auf Eurer Freizeit GUT DRAUF drauf und es ist eine ganze Menge GUT DRAUF drin.

Teil 2: Reisenetz-Qualitätsstandards

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Jetzt klebt GUT DRAUF drauf... (Gütesiegel und Label, Teil 1)
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